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| 18:04 Uhr

750 Jahre Hoyerswerda
Ein getanztes Leitbild für die Stadt

Beweglichkeit ist bei der KuFa-Tanzcompagnie gefragt. Für sie beginnt in den nächsten Wochen die intensive Probenzeit für ihr neues Projekt. Da werden die rund 80 Tänzer im Alter von neun bis 70 Jahren bis zu fünf Mal in der Woche an der Choreografie feilen.
Beweglichkeit ist bei der KuFa-Tanzcompagnie gefragt. Für sie beginnt in den nächsten Wochen die intensive Probenzeit für ihr neues Projekt. Da werden die rund 80 Tänzer im Alter von neun bis 70 Jahren bis zu fünf Mal in der Woche an der Choreografie feilen. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Bei der Kufa-Tanzcompagnie gilt nun für ihr neues Projekt Aufnahmestopp. Es soll im Sommer aufgeführt werden. Von Rainer Könen

Mittwochabend in der Turnhalle der Mittelschule „Am Planetarium“ in Hoyerswerda. Für Dirk Lienig ist nun der Zeitpunkt gekommen, wo der Kreis der Tänzer geschlossen wird. Oder anders ausgedrückt: Es herrscht nun Aufnahmestopp.

Seit knapp drei Monaten proben rund 80 Mitwirkende der Tanzcompagnie der Kulturfabrik (Kufa) für das neue Projekt, welches am 1. Juni im alten Centrum-Kaufhaus Premiere haben wird. Bisher konnten Interessenten jeden Alters bei den drei wöchentlichen Proben in der Planetariums-Turnhalle und Elstergrundschule vorbeischauen und mitmachen. Das gehe jetzt nicht mehr, so Lienig, der aber darauf hinweist, dass bei seinen Tanzprojekten natürlich jeder mitmachen könne. Aber in der nun bevorstehenden intensiven Probenphase, in der die Choreografien erarbeitet werden, steht auch das Ensemble im Vordergrund, das in den nächsten Wochen zusammenwachsen muss. Die Bewegungsabläufe zu erarbeiten, die körperlichen Ausdrucksformen, das erfordere auch Kontinuität.

Marita Gatzlaff ist seit Januar dabei. Die Hoyerswerdaerin hatte in den vergangenen Jahren bereits bei anderen Projekten der Tanzcompagnie mitgewirkt. Das Thema dieses neuen Vorhabens, mit dem die Kufa einen Beitrag zu den 750-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt beitragen will, lautet: „Eine Stadt tanzt: Manifest!“ Darin geht es um das Leitbild der Stadt, die Entwicklung der Kommune. Frage an Marita Gatzlaff: Geht das überhaupt, ein städtisches Leitbild in Tanzschritte, in eine Choreografie umzusetzen? Die Hoyerswerdaerin lacht. Natürlich gehe das. Wichtigste Voraussetzung: „Man muss sich mit der Stadt bewusst beschäftigen.“ Macht sie täglich, machen auch die anderen Tänzer, die zumeist aus Hoyerswerda kommen. In drei Gruppen wolle man die Entwicklung der Stadt darstellen, beschreibt es Gatzlaff. Die Vergangenheit, die Zukunft und die Gegenwart.

Die Gegenwart an diesem Abend: Die derzeit grassierende Grippewelle zeigt Auswirkungen. Einige betreten die Turnhalle verschnupft. „Werden heute wohl nur rund 40 Leute kommen“, so Projektleiter  Lienig, der um Viertel vor sieben eintrifft. Und sich wenig später unter die mit Schlabberhosen, Leggings oder Joggingdress gekleideten Menschen mischt. die sich alle ein wenig aufwärmen in der kalten Halle. Nach und nach trudeln sie ein: Junge und Alte, Männer und Frauen. Ein Mittvierziger ist trotz seiner Erkältung gekommen. „Ich brauche das Training, ich tanze einfach zu gerne“, erzählt  der Mann, der sich zu Beginn, als Lienig zum Warm-Up bittet, in die hintere Reihe stellt.

Es wird musikalisch und man staunt beim Zusehen – darüber, wie beweglich alle sind, sogar die, denen man das so nicht zugetraut hätte. Aber etliche haben sich in den vergangenen Jahren, als Lienig aus familiären Gründen eine Projekt-Pause einlegte, regelmäßig mit etwas Tanztraining fit gehalten. Was sich nun auszahlt. Auch Marita Gatzlaff  hatte die wöchentlichen Übungsstunden in der Elstergrundschule besucht. Weil „mir das gut tut“. Und gut tut ihr wie den anderen, dieses Empfinden der Gemeinsamkeit bei den Proben. 

Drei Mal wöchentlich üben die Tänzer derzeit. Je näher es auf die Premiere zugeht, desto intensiver werden die Mitwirkenden gefordert. „Wir werden bestimmt fünf Mal die Woche üben“, steht für Dirk Lienig fest. Begleitet werden seine Tänzer bei dem Auftritt – auch das ist neu – vom Bürgerchor der Kufa. Also wird es rund 130 Mitwirkende in der ersten Etage des ehemaligen Centrum-Warenhauses geben.

Nach der zweistündigen Probe ist das Glänzen in vielen Augen nicht zu übersehen. Man freut sich schon jetzt auf die Premiere. Und klar, kurz vor dem Auftritt, das weiß auch Marita Gatzlaff, werden sie wieder kommen, die Aufregung, das Lampenfieber. Aber das gehört einfach dazu.