| 02:41 Uhr

Ein Dorf zeigt, was es alles kann

Musik und sorbischen Volkstanz gab es beim Hoffest in Schwarzkollm an vielen Orten und im ganzen Dorf. Hier ist die Schwarzkollmer Tanzgruppe samt Nachwuchs gerade in Aktion zu sehen.
Musik und sorbischen Volkstanz gab es beim Hoffest in Schwarzkollm an vielen Orten und im ganzen Dorf. Hier ist die Schwarzkollmer Tanzgruppe samt Nachwuchs gerade in Aktion zu sehen. FOTO: hir1
Schwarzkollm/Hoyerswerda. In Scharen haben sich am Samstag die Menschen auf der Schwarzkollmer Dorfstraße entlang gewälzt. Das Krabat-Dorf hatte zum Hoffest gerufen – und Hunderte wollten dabeisein. Heinz Hirschfeld / hir1

Und es hat sich gelohnt: Für Besucher gab es 16 Anlaufpunkte. Neun alte, bäuerliche Gehöfte öffneten ihre Tore. Sie lockten mit hauseigenen Spezialitäten und gaben einen Einblick in ihre teils mehr als 200 Jahre alte Geschichte.

Schwarzkollm, das sorbische Dorf, hatte sich herausgeputzt. Überall war dekoriert und geschmückt, die Hofbewohner trugen sorbische Trachten oder die Kluft der alten bäuerlichen Bevölkerung und kümmerten sich gut gelaunt um ihr zahlreiches Publikum. Traditionell wurde das Hoffest vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Wiednitz/Schwarzkollm eröffnet. Musizierend zog die Kapelle durchs Dorf von Hof zu Hof und verbreitete beste Stimmung.

Zu dieser siebenten Auflage des Hoffestes gab es auch einige Premieren. Erstmals präsentierte sich ein Kinderhof, auf dem am Samstag Mitarbeiter des Naturwissenschaftlich-Technischen Zentrums (Natz) Hoyerswerda viele Bastelstände vorbereitet hatten. Die Grundschule "Handrij Zejler" vom Adler in Hoyerswerda stellte sich mit einem Kinderprogramm vor. Die kleinen Hoffestbesucher konnten sich auf einer großen Hüpfburg im weitläufigen Garten des Hofbesitzers Jens Retschke austoben. Retschke ist Dorfclubmitglied und freute sich über die große Bereitschaft aller Schwarzkollmer Einwohner, ihr Dorf noch bekannter zu machen und die dörflichen Traditionen vielen Gästen zu zeigen.

Der Hof von Jens Retschke wurde ungefähr im Jahr 1830 erbaut. "Zurzeit wird zwar keine Landwirtschaft auf unserem Hof betrieben", erzählt der Hofbesitzer, der sich sehr im Dorfclub und im Ortschaftsrat engagiert. Ihm fehle für Landwirtschaft einfach die Zeit. "Aber im Kuhstall steht die Futterkrippe noch. Wir könnten sofort vier Kühen ein Domizil bieten", erzählt er schmunzelnd weiter. Am Abend war auf dem Retschke-Hof echte "Kuhstallgaudi" angesagt.

Auch die Feuerwehr Schwarzkollm hatte zum Hoffest was Besonderes aufzubieten. Sie zeigte in einer Technikschau ihre Feuerlöschgeräte. Löschtechnik aus Urgroßvaters Zeiten hatte dagegen die historische Löschgruppe der Feuerwehr Terpe im Gepäck. Die Kameraden in ihren zünftigen historischen Uniformen mit Pickelhaube zeigten eine Übung mit großem Spaß- und Unterhaltungsfaktor. Die Kameraden aus Terpe steuerten diesen viel beachteten Programmpunkt gern bei, weil deren Chef Lothar Hopka, der im Hof der Familie Stephan geboren wurde, seine Verbundenheit mit Schwarzkollm noch immer gern unter Beweis stellt.

Volkmar und Carolin Graupner bewirtschaften den ältesten Schwarzkollmer Hof, der nachweislich etwa von 1806 stammt. "Vor der Wende haben wir den Hof als Ruine gekauft", erzählt der Tischler, der viel selbst am Hof werkeln konnte, sodass es jetzt ein Schmuckkästchen geworden ist. Am Hoffest beteiligte er sich zum vierten Mal. Seiner Familie liegt es sehr am Herzen, etwas vom dörflichen Leben vermitteln können. So konnten die Gäste an diesem Tag zuschauen, wie anno dazumal das Sauerkraut hergestellt wurde.

Der Jugenclub Schwarzkollm sorgte zum Hoffest mit Wildschwein am Spieß und regelmäßigen Dreschflegelvorführungen für besondere Hingucker und dörfliches Flair.

Familie Frank Groba ist mit ihrem Hof schon seit dem ersten Hoffest 1997 dabei. In den Ställen von Frank Groba stehen etwa 500 Tiere, Mutterkühe, Bullen und Jungtiere. Klar, dass all die an diesem Tag angebotenen Köstlichkeiten von Rindfleisch mit Meerrettich bis zur Knacker aus eigener Produktion stammen. Auf den anderen Höfen kam noch Wildgulasch, Lammtopf, Kürbislikör und Hochzeitssuppe sowie selbstgebackener Kuchen in allen Variationen auf die Teller der Besucher.

Die meisten der Hoffestgäste von Schwarzkollm gingen mit vollen Beuteln nach Hause, um einige der regionalen Spezialitäten in heimischer Umgebung weiter zu verkosten. Brigitta Stephan war aus Bernstadt bei Löbau angereist und fand es ganz toll, dass in dem gastlichen Schwarzkollm Tradition und Moderne der landwirtschaftlichen Produktion gezeigt wurden. "Toll war auch, wie geduldig die Schwarzkollmer alle Fragen beantwortet haben", sagt sie. Brigitta Stephan hat ihren Ausflug nach Schwarzkollm nicht bereut. "Ich nehme so viele Eindrücke vom Leben auf dem Dorf mit nach Hause."

So wurde zu Urgroßvaters Zeiten Leben gerettet: Die historische Feuerwehrtruppe aus Terpe kam mit dem Fahrrad angeradelt. Ihre spaßige Darbietung kam bei den Hoffest-Gästen sehr gut an.
So wurde zu Urgroßvaters Zeiten Leben gerettet: Die historische Feuerwehrtruppe aus Terpe kam mit dem Fahrrad angeradelt. Ihre spaßige Darbietung kam bei den Hoffest-Gästen sehr gut an. FOTO: hir1