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| 13:05 Uhr

Hoyerswerda
Ein besonderer Blick auf die Neustadt

Start der Tour ist am Beginn der Neustadt: im Wohnkomplex I. Dort beginnt im Jahr 1957 der Bau der ersten Häuser. Geplant waren einst „nur“ sieben WK, erzählt Dorit Baumeister (r.). Insgesamt wurden es bis 1989 zehn plus der Hochhäuser im Stadtzentrum.
Start der Tour ist am Beginn der Neustadt: im Wohnkomplex I. Dort beginnt im Jahr 1957 der Bau der ersten Häuser. Geplant waren einst „nur“ sieben WK, erzählt Dorit Baumeister (r.). Insgesamt wurden es bis 1989 zehn plus der Hochhäuser im Stadtzentrum. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Architektin Dorit Baumeister hat erstmals Einheimische durch ihre eigene Stadt geführt. Von Sascha Klein

Treffpunkt ist im WK I. Dorit Baumeister steht im Schatten und zündet sich eine Zigarette an. Noch zehn Minuten. „Bisher habe ich immer nur Auswärtige durch Hoyerswerda geführt“, sagt die Architektin. Studenten, Journalisten und Architekten. Die wissen, dass die Hoyerswerdaer Neustadt etwas architektonisch Besonderes ist. Zweite sozialistische Wohnstadt, eine Stadt der Moderne, entstanden am Reißbrett.

Diesmal trifft sie auf Einheimische. Mit zweien hat sie beim Projekt „Eine Stadt tanzt“ schon auf der Bühne gestanden, ein Bürgermeister aus der Nachbarschaft ist dabei. Insgesamt werden es knapp 15 Personen, die zur ersten „ArchitekTour“ durch Hoyerswerda gekommen sind. Dorit Baumeister erzählt vom Aufbaustab, von den Chefarchitekten Ferdinand Rupp und Richard Paulick. „Paulick konnte laut werden. Der war sehr durchsetzungsfähig“, sagt sie. Nur mit einem Projekt habe er sich nicht durchsetzen können. „Die Achtgeschosser an der Bautzener Allee sollten vollverglast werden“, erzählt Dorit Baumeister den 15 Interessierten im Schlepptau. Doch intern seien ihm Steine in den Weg gelegt worden. So richtig habe sich niemand – außer Paulick – vorstellen können, dass Arbeiter in fünf zentralen Häusern wie auf dem Präsentierteller wohnen. „Wäre das gelungen, hätten wir bis heute Architekturexperten aus der ganzen Welt zu Gast“, sagt die Architektin.

Der Stadtumbau, die Neustadt und Dorit Baumeister – das ist eine ganz besondere Verbindung. Die Hoyerswerdaerin begleitet die Entwicklung seit den 1990er-Jahren. Inzwischen ist die Gruppe beim „Block 114“ angekommen, dem ersten in Plattenbauweise hergestellten in der Stadt. Eine kleine Tafel erinnert daran. Trotzdem sagt Dorit Baumeister: „Jetzt ist dort Dämmung angebracht. Ich hätte den als einzigen so gelassen und unter Denkmalschutz gestellt.“ Gleich daneben wird an der neuen Oberschule gebaut. Am Standort der früheren Sporthalle entsteht ab kommender Woche der Anbau. Für Dorit Baumeister ist dieser Eingriff in die Struktur des Hauses falsch. „Von diesen Typen gibt es nur zwei oder drei überhaupt. Ich hätte nie erlaubt, die Sporthalle abzureißen.“ Der Stadtrat hat anders entschieden. Die Expertin schmerzt das.

„Mein Herz hängt an der Neustadt“, sagt sie, als sie vor dem Einkaufskomplex „Kühnichter Heide“ im WK IX steht. Auch für sie hat es angesichts des riesigen Wegzugs keine Alternative zum Rückbau gegeben. „Aber die Stadt hat nicht konsequent von außen nach innen abgerissen“, sagt sie. Den Großvermietern sei erlaubt worden, etwa im WK IX zu sanieren, im Außenbereich des WK VII und an anderen Stellen. Das Schlussbild der ersten „ArchitekTour“ gibt es im Stadtzentrum, auf dem Dach der Stadtpromenade 11. Dorit Baumeister ist sich nicht ganz sicher, ob sie Hoyerswerdaern etwas Neues über Hoyerswerda erzählen konnte. Doch die Reaktion zeigt: Sie wird nicht zum letzten Mal mit Einheimischen durch ihre Stadt gegangen sein.