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| 01:33 Uhr

Ein Abend gegen die Ausbildungs-Misere in Hoyerswerda

Aktuelle Situation Derzeit sind der Bundesagentur für Arbeit in Bautzen 1469 Lehrstellen gemeldet, für die es 2 561 Bewerber gibt, macht rund 1,7 Interessenten pro Stelle, wie Teamleiterin Sylvia Wolf beim Unternehmerabend am Mittwoch in der Aula des Beruflichen Schulzentrums „Konrad Zuse“ in Hoyerswerda sagte. Vor drei Jahren waren es noch 5,2 Bewerber. Von Uwe Schulz

Das sind aber nur die Zahlen. Denn zudem sind die angebotenen Berufe nicht das, was die Heranwachsenden lernen wollen, andererseits entsprechen viele Bewerber nicht den Vorstellungen der Arbeitgeber. Folge: Gute Leute kommen schnell unter, halbwegs gute hängen oft in der Schwebe und unterschreiben manchmal lieber einen Vertrag in der Fremde als in der Heimat. Schulabgänger mit „Ich-weiß-nicht-was-ich-will“ und „eigentlich-will-ich-nicht-arbeiten“-Stimmung in Kombination mit schlechten schulischen Leistungen bekommen keinen Vertrag und nicht alle Lehrstellenanbieter bekommen die Leute, die sie eigentlich wollen. Dr. Lutz Modes, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft Hoyerswerda: „Vattenfall und BASF haben einen großen Lehrlingsbedarf.
Wenn die zuschlagen, gibt es für die anderen weniger Auswahl.“ Und: Fast 25 Prozent aller Lehrlinge brechen ihre Lehrausbildung ab.

Was kann man ändern?
Die Bundesagentur mahnt Ausbildungsbetriebe, ihre Lehrstellen frühzeitig zu melden. Teamleiterin Sylvia Wolf empfiehlt gar: „Schrauben Sie Ihre Erwartungen ein Stück weit runter.“ Doch vor allem soll das Niveau der Schulabgänger erhöht werden, die eine Lehrstelle haben wollen. Hans-Jürgen Nagel von der Gesellschaft für Aus- und Fortbildung (GAF): „Wir müssen Berufsorientierung jetzt machen, damit wir in fünf Jahren vernünftige Lehrlinge haben. Ein Vertreter der Schmid-Gruppe, die im Gewerbegebiet Schwarze Pumpe die Siliziumfabrik errichtet, betonte, dass Schüler mehr für Arbeit motiviert werden müssen, wobei natürlich die Eltern einzubeziehen seien.

Wie kann man das erreichen?
Evelyn Scholz, eine der Verantwortlichen im Zukunftsprojekt „Fit für's Leben“ mahnt ein enges
praxisorientiertes Zusammenwirken von Schulen und Firmen an. Ein Schülerbetriebspraktikum reicht nicht aus für die Berufswahl. Sie regt Praktikumsmessen an, verweist auf eine Präsentation des Christlich-Sozialen Bildungswerkes (CSB) zum Thema „Grüne Berufe“ im Juni auf der Kinder- und Jugendfarm. An der 1. Mittelschule Hoyerswerda startet das Projekt „Produktives Lernen“. Sabine Rost, Leiterin der 3. Mittelschule, wünscht sich, dass ab der 8. Klasse die Schüler einmal im Monat in jeweils einer anderen Firma vorbeischauen können.

Erfahrungen aus Projekten
Im Awo-Schullandheim Waldesruh in Schwarzkollm gibt es einwöchige berufsorientierende Angebote für Schulklassen. Leiterin Kerstin Neuhauser weiß, dass sich in der Woche die Schüler zum einen untereinander besser kennen- und auch schätzen lernen.
Vor allem aber lernen sie in fünf Tagen eine Vielzahl regionaler Firmen und die entsprechenden Berufe kennenKerstin Neuhauser hat erlebt, dass nach der Woche einige Schüler wussten, was sie beruflich werden wollen.

Martina Wolf von der Schüleragentur zur beruflichen Frühorientierung hat gute Erfahrungen bei der Vorstellung von Ausbildungsberufen gemacht. Allerdings können von den 340 in Deutschland anerkannten Ausbildungsberufen bislang nur 15 Prozent abgedeckt werden. Was mit Hilfe einer Beratungsagentur besser realisierbar sei. Frei nach Evolutionsforscher Charles Darwin vertritt die Schüleragentur ohnehin die Ansicht, dass in der Natur in aller Regel nicht die überleben, die am stärksten oder am klügsten sind, sondern die am schnellsten auf Veränderungen reagieren.