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Senioren
Eigene Wohnung bis ins hohe Alter

Im Appartmenthaus der Lebensräume an der Erich-Weinert-Straße gibt es einen Gemeinschaftsraum für gesellige Treffen. Donnerstags ist immer Kaffeetrinken.
Im Appartmenthaus der Lebensräume an der Erich-Weinert-Straße gibt es einen Gemeinschaftsraum für gesellige Treffen. Donnerstags ist immer Kaffeetrinken. FOTO: Catrin Wuerz / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoyerswerda. Jeder dritte Einwohner der Stadt Hoyerswerda ist schon älter als 65 Jahre. In der Stadt stellen sich die Vermieter auf den veränderten Bedarf an Wohnraum ein.

Edith Jabs geht stramm auf die 90 zu. Zwar fällt ihr das Laufen inzwischen schwer, aber ihre Lebensfreude ist ungebrochen. Auf ihre eigenen vier Wände will sie nicht verzichten. Als vor rund sieben Jahren das Wohnen in ihrem Haus in Spreewitz jedoch nicht mehr möglich war, zog sie in eine Wohnung im Appartmenthaus der LebensRäume Hoyerswerda an der Erich-Weinert-Straße ein. „Hier bin ich weiter mein eigener Herr - aber wenn ich was brauche, dann ist immer jemand da“, sagt sie zufrieden.

Das Appartmenthaus mit 50 Wohnungen ist eine jener Wohnformen, die die LebensRäume-Genossenschaft für ältere Mieter anbietet. Wochentags ist immer ein Ansprechpartner im Haus. Das ist in diesem Fall Manja Klingner, die im Auftrag des Vermieters für die betagten Damen und Herren manches regelt. Wenn der Wasserhahn tropft oder sich jemand ausgesperrt hat, wird Hilfe organisiert. Und monatlich kommt der Friseur ins Haus.

Dieter Mücke, Prokurist und Bereichsleiter im Unternehmen, bestätigt, dass das Thema Wohnen im Alter in der Region schon lange auf der Agenda steht. In Hoyerswerda sind derzeit mehr als 11 500 Menschen älter als 65 Jahre, das ist jeder dritte Einwohner. „Viele Senioren wollen bis ins hohe Alter ihre Eigenständigkeit erhalten und selbst darüber entscheiden, wie sie leben“, bestätigt er. Doch wenn die eigene Beweglichkeit nachlässt,  ist der Alltag oft nur schwer zu bewältigen. Aber trotz körperlicher Einschränkungen kann ein eigenständiges und altersgerechtes Leben in den eigenen vier Wänden möglich sein, wenn das Umfeld an die Bedürfnisse angepasst wird.

Welche das sein können, erläutert Dieter Mücke auch in der Seniorenakademie des Christlich-Sozialen Bildungswerkes (CSB). Schon ein einfacher Handlauf in der Wohnung kann helfen. Der Einbau eines Notrufsystems und der barrierearme Umbau des Bades sind möglich. „Für solche Mobilitätsumbauten kann der Mieter neuerdings sogar eine Förderung von der Sächsischen Aufbaubank oder aber auch von seiner Krankenkasse erhalten“, sagt Mücke. Zum Thema Aufzug gibt es gute Neuigkeiten bei der Genossenschaft. In diesem Jahr hatte sie erstmals seit längerer Pause wieder einen Aufzug in einem Fünfgeschosser nachgerüstet. In der Collinsstraße. Das Unternehmen hat gute Erfahrungen damit gesammelt. Im kommenden Jahr sollen ein bis zwei Aufzüge auch im Bereich der Ratzener Straße nachgerüstet werden, kündigt Mücke an.

Auch Senioren-Wohngemeinschaften sind eine geeignete Wohnform fürs Alter. So etwas gibt es in Hoyerswerda ebenfalls schon: am Kiefernhaag. Sechs kleine Wohnungen sind dort so gestaltet, dass die Mieter einen Gemeinschaftsbereich wie eine große Wohnstube gemeinsam nutzen können, ebenso einen Sitzecke im Garten. Hier ist Raum für Geselligkeit, aber jeder hat auch seinen eigenen abgeschlossenen Wohn-, Schlaf- und Küchenbereich.

Auch bei der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda steht das Thema „Wohnen im Alter“ schon lange auf der Agenda. Vor 20 Jahren wurde mit der Sanierung des Wohnhauses Lipezker Platz 1/2 speziell unter den Aspekten des alten- und behindertengerechten Wohnens ein anspruchsvolles Vorhaben umgesetzt. Dort entstanden damals 30 behindertengerechte und 53 altersgerechte Wohnungen.

Brauchen Menschen für den Alltag eher mehr Unterstützung, gibt es auch die Möglichkeit des ambulant betreuten Wohnens. Solche Wohnformen bietet die Wohnungsgesellschaft an der Scharnhorststraße 1/2 und an der Bautzener Allee 45-51 an, wo mehr als 200 weitgehend barrierearme Wohnungen geschaffen wurden und ambulante Pflegedienste tätig sind. Auch abschließbare Rollator- und Fahrradboxen werden auf Wunsch aufgestellt.

Für Edith Jabs aus dem LebensRäume Appartementhaus ist es so, wie es es, gut. Gesellschaft findet sie bei Kaffeklatschrunden und Feiern, die der Nachbarschaftshilfeverein im Gemeinschaftsraum organisiert. Und hat sie keine Lust, dann hat sie die eigenen vier Wände.