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Eier hinter den Ohren der Tigerin

Ein Höhepunkt bei jedem Zoo-Rundgang: Am Streichelgehege der Ziegen dürfen die Besucher die Tiere auch mal füttern. Diese Extra-Osterüberraschung kommt bei Mensch und und Tier gut an.
Ein Höhepunkt bei jedem Zoo-Rundgang: Am Streichelgehege der Ziegen dürfen die Besucher die Tiere auch mal füttern. Diese Extra-Osterüberraschung kommt bei Mensch und und Tier gut an. FOTO: Mandy Decker/mdr1
Hoyerswerda. Das Ei, das Häschen und die österliche Suche nach beidem waren die Grundmotive der Karfreitagsführungen durch den Hoyerswerdaer Zoo. Die zahlreichen Gäste widersetzten sich widrigsten Wetterbedingungen und wurden dafür belohnt. Mandy Decker / mdr1

"Gestern Vormittag war so schlechtes Wetter, da hatte ich Angst, dass keiner kommt. Am Nachmittag schien die Sonne, da dachte ich, alles wird gut", sagt Zoochefin Kathrin Witzenberger. Dann sammeln sich am gestrigen Karfreitag bei unentschlossenem Himmel vor dem Tropenhaus aber doch recht viele Besucher. Bis hin zum Schneeanzug gehen die meteorologischen Vorsichtsmaßnahmen der Eltern. Einige haben ihre Kinder in unzählige Decken gehüllt in kleinen Bollerwagen platziert. Die Gäste sind bereit, sich notfalls auch im Schneetreiben auf die Spuren des Osterhasen und seiner Vertreter zu begeben.

Der Spannungsbogen der ausgeklügelten Karfreitagsführung der Zooleiterin erstreckt sich von den Eiern der Spornschildkröten über die Erdmännchen, die Eier naturgemäß zum Schleckern lecker finden, bis hin zu den hasenähnlichen Maras und der Tigerin Irina, deren weiße Flecken hinter den Ohren in Fachkreises auch "Eier" genannt werden. Würde Irina ihre Jungen durch einen zwielichtigen Urwald führen, erklärt Kathrin Witzenberger, beispielsweise in der Zeit der Dämmerung, dann könnten die Welpen die weißen Flecken hinter den Ohren gut sehen und ihnen gehorsam durch das Dickicht folgen. Vor der potenziellen Beute aber, der die Katze eher von Angesicht zu Angesicht begegnet, bleibt die Zeichnung verborgen und die Tarnung des Raubtieres perfekt.

Gut getarnt ist auch das Junge eines Kängurus. So klein wie ein Gummibärchen sei es bei der Geburt, erklärt die Zoochefin. Es zu diesem Zeitpunkt zu entdecken und so den Geburtstermin eines Kängurubabys genau zu kennen, sei ein besonders seltenes Glück der Tierpfleger. Aber irgendwann lassen sich die Bewegungen im Beutel der Känguru-Mutter nicht mehr übersehen. In diesem Stadium befindet sich eines der drei Mädchen auf der Känguruwiese des Hoyerswerdaer Zoos. In den kommenden Wochen können geduldige Besucher also mit den ersten vorsichtigen Blicken des Babys aus dem Beutel rechnen.

Ob es seine Nase allerdings bei gerade einmal drei Grad Celsius und Schnee-Hagel-Regenwetter aus dem kuscheligen Nest stecken würde, ist zu bezweifeln. Bei diesen erschwerten Bedingungen begleiten bis zu 130 Besucher den ersten von zwei Karfreitagsrundgängen, der von Sonnenschein bis zum Wolkenbruch jedes Wetter bereithält.

Und die unerschrockenen Besucher werden belohnt. Denn immer wieder tauchen hier und da kleine Naschereien auf. Mal liegen die bunten Tütchen und Riegelchen unvermittelt auf einem der vielen Kunstwerke. Mal stecken sie plötzlich in rosa Jackentaschen oder karierten Kapuzen. Da war wohl doch der Osterhase am Werk oder einer seiner Stellvertreter? Denn, so erklärt es Kathrin Witzenberger, in anderen Ländern legen andere Figuren die legendären Eier ins Nest. In der Schweiz beispielsweise sei es der Kuckuck, in Australien das Oster-Bilby, ein hasenähnliches Wesen mit ebenso langen Ohren, und in Nord-West-Deutschland seien es einst gar die Hühner selbst gewesen, denen die Ostergaben zugeschrieben wurden.

Im Hoyerswerdaer Zoo jedenfalls brachte am Freitag ganz offiziell der Otterhase "Baba" nach langen und persönlichen Vorschuss-Verhandlungen mit dem Osterhasen zum Schluss der Rundgänge noch einmal eine große Tüte Leckereien. Das hatten sich die hartgesottenen Osterspaziergänger dann auch redlich verdient.