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| 02:43 Uhr

Ehemalige Kreuzchor-Sänger eröffnen neue Konzertreihe

Die ehemaligen Sänger des Dresdner Kreuzchores Robert Seidel (v.l.), Christian Lutz, Jonas Golde und Stephan Becker bei ihrem Konzert in der Bernsdorfer Johanneskirche.
Die ehemaligen Sänger des Dresdner Kreuzchores Robert Seidel (v.l.), Christian Lutz, Jonas Golde und Stephan Becker bei ihrem Konzert in der Bernsdorfer Johanneskirche. FOTO: Heinz Hirschfeld/hir1
Bernsdorf. Die neue Konzertreihe in der Bernsdorfer Johanneskirche hat am Sonntag mit einem Konzert der "Voces Scholae Crucis", Stimmen der Kreuzschule, begonnen. Vier ehemalige Sänger des Dresdner Kreuzchores begeisterten mit ihren Stimmen die mehr als 60 Zuhörer. Heinz Hirschfeld/hir1

Mit dem vertonten Wahlspruch der Kreuzschüler "Schola crucis, schola lucis" vom ehemaligen Kreuzkantor Rudolf Mauersberger, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 150. Mal jährt, zogen die ehemaligen Kruzianer ein. Schon nach dem ersten vierstimmig gesungenen Lied "Wer nur den lieben Gott läßt walten", wurde deutlich, dass der Countertenor von Robert Seidel, der Tenor von Christian Lutz, der Bariton von Jonas Golde und der Bass von Stephan Becker so harmonisch übereinstimmten, als wäre es eine gesungene Stimme. Nur bei weltlichen Kompositionen wie "Es flog ein alter Käfer" wurde das "Summ, summ" vom Bass so eindringlich und solo gesungen, dass es die Zuhörer als musikalischen Scherz auffassen mussten. Als Stephan Becker im Verlauf des Konzertes Gelegenheit bekam, seinen tiefen Bass allein erklingen zu lassen, staunten nicht wenige im Publikum, wie so eine schlanke Person mit einem so tiefen Bass ausgestattet sein kann. Robert Seidels Countertenor, der schon fast einer Sopranlage gleichkam, begeisterte ebenfalls. Wahre Kunstgenüsse waren "Heilig, heilig, heilig" aus der Deutschen Messe von Franz Schubert und vor allem der vertonte Psalm 23 "Der Herr ist mein Hirt". Kleine, verzeihbare Patzer, die bei einer Live-Veranstaltung irgendwie dazugehören, zeigten nur, dass dieses Konzert eben von Menschen für Menschen gestaltet wurde.

In seinem geistigen Wort erinnerte Pfarrer Gerd Simmank an die vierzigtägige Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt. Sie sei dazu da, um in sich hineinzuhören, denn in der Fastenzeit beginne man mit Gott zu reden. "Sie stärkt den Menschen in seiner Schwachheit groß zu werden", so Gerd Simmank. Gekonnt vermittelte Robert Seidel, der das Konzert leitete, zwischen den Gesangsdarbietungen, Wissenswertes über den Kreuzchor über acht Jahrhunderte hinweg. Zu DDR-Zeiten hatte der Chor ein geteiltes Image. Manche bezeichneten die Kreuzchor-Sänger als eingebildete Gockel, die mit ihrem Chor ungehindert ins kapitalistische Ausland reisen durften. Für andere waren es hart geschulte Elitesänger, die Devisen einsangen. Ausbildung und Unterkunft waren zwar gratis, doch die Lebenshaltungskosten waren nicht gering. "Also suchte der Chor Gelegenheiten des Auftritts", erinnerte sich Robert Seidel. Am Konzertende sagte Seidel, dass es wichtig sei, dass die Konzerte in der neuen Konzertreihe gratis bleiben, deshalb bat er die Konzertbesucher um eine Kollekte.