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| 02:40 Uhr

Edgar Unger braucht den Kontakt zu Menschen

Mit seiner Frau Christine pflegt Edgar Unger das Grundstück rings um die evangelische Johanneskirche in Bernsdorf.
Mit seiner Frau Christine pflegt Edgar Unger das Grundstück rings um die evangelische Johanneskirche in Bernsdorf. FOTO: H. Hirschfeld/hir1
Bernsdorf. Edgar Unger hat im Leben viel erreicht: Er hat eine Familie, auf die er stolz ist; er absolvierte ein Studium der Landwirtschaft; er leitete den Missionshof in Lieske; er war Landrat in Kamenz. Jetzt stellt Edgar Unger, der vor wenigen tagen seinen 80. hir1

Geburtstag feierte, seine Kraft auch in den Dienst der evangelischen Kirche in Bernsdorf. Dabei hatte er auf keinen Fall nach Bernsdorf gewollt.

Dass es aber anders kam, dafür war sein Lebensmotto verantwortlich, wie sich der vitale Rentner sicher ist. "Ich weiß nicht, wohin mich Gott führt, aber ich weiß, dass er mich führt." "Nach diesem Aphorismus des Lyrikers und Schriftstellers Gorch Fock habe ich ein Leben lang gelebt und wurde als Christ nie enttäuscht", sagt Edgar Unger.

Vor reichlich vier Jahren machte er sich mit dem Gedanken vertraut, von seinem schönen Eigenheim in Lieske in ein betreutes Wohnen zu ziehen und dort mit seiner Frau Christine, den Lebensabend zu genießen.

Er hatte davon gehört, dass am Bernsdorfer Kubering so eine neue Einrichtung existiert. Er informierte sich an Ort und Stelle und wurde gefragt: "Ham‘se denn die Oma, die bei uns einziehen will, gleich mitgebracht?"

Und so zog Edgar Unger mit seiner Frau Christine im Jahr 2013 am Kubering ein. Dort fühlt er sich wohl, hat Kontakt zu seinen Mitbewohnern, hat neue Freunde gefunden und ist ob seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die Bernsdorfer Kirche geachtet.

Mit Pfarrer Gerd Simmank wurde er sich schnell einig, etwas für die Kirche zu tun. Beim "etwas" blieb es aber nicht. Er ist eben ein Mensch, der sich nur wohlfühlt, wenn er mächtig in die Speichen greifen kann. Und das tut er, wenn er dem Pfarrer auf seinen vier Predigtstellen helfen kann, wenn er in Pfarrerabwesenheit Gottesdienste feiert, wenn er das Kirchengrundstück pflegt und wenn er sich als stellvertretender Gemeindekirchenrat für kirchliche Belange einsetzt. Pfarrer Gerd Simmank weiß, was er an Edgar Unger hat. Vor allem bewundert er ihn dafür, dass er loslassen kann und von einem Lebensabschnitt in den anderen wechselte.

Er ist in Sosa im Erzgebirge mit sechs Geschwistern in einer christlichen Familie aufgewachsen. "Ich war der Jüngste und wusste diesen Vorteil gegenüber meiner Mutter zu nutzen. Aber jede Medaille hat eben zwei Seiten. Meine älteren Geschwister verstanden es auch, häusliche Aufträge wie Schuheputzen bei mir abzuladen", erinnert sich Edgar Unger und lacht. Für ihn ist das Gebrauchtwerden nach wie vor lebenswichtig, denn er braucht den Kontakt zu Menschen.