Von Katrin Demczenko

Elektroautos in Hoyerswerda? Was sagen die Einheimischen zu diesem Thema, über das derzeit besonders intensiv diskutiert wird?

Für Karl-Heinz Markgraf ist der E-Pkw noch keine ernsthafte Konkurrenz zum Benziner. „Ein E-Auto ist bislang teurer, und im Land gibt es zu wenige Ladesäulen“, findet er. Solange Markgraf nicht mit einer Akkuladung quer durch Deutschland fahren kann, würde er sich so ein Auto nicht kaufen.

Eine andere Meinung hat Horst Herrmann: „Ich finde E-Bikes gut für Strecken in der Stadt und für Touristen. Wenn Lieferservices E-Autos fahren, ist das auch in Ordnung“, sagt er. Um privat ein E-Auto zu fahren, müssen seiner Meinung nach noch mehr Lademöglichkeiten geschaffen werden. Und: „Es braucht beim absehbar wachsenden Bedarf an Elektroenergie taugliche Speichermöglichkeiten für Strom aus erneuerbaren Energiequellen.“

 Auch Benziner-Fahrerin Barbara Haller würde sich im Alter kein E-Auto mehr kaufen. „Den Pkw nutzen wir nur für größere Einkaufstouren oder Urlaubsfahrten“, erzählt sie. „Im Alltag in Hoyerswerda nehmen wir das Fahrrad. Einmal im Jahr leihen wir bei der VBH E-Bikes aus. Mit dieser elektrischen Unterstützung wird das Lausitzer Seenland vom Bärwalder See bis zum Senftenberger See erkundet.“

Und Christine Friedrich hat noch nie einen Führerschein besessen. „Ich fahre deshalb mit dem Bus, dem Zug und dem Fahrrad“, sagt sie. „Zum E-Bike konnte ich mich noch nicht durchringen, denn es ist mir zu schnell.“

Ganz anders Enrico David: Er fährt täglich mit seinem Diesel zu Tagebauvorfeldern, Tagebauen und Kippengeländen der Leag, um Veränderungen des Trinkwasserspiegels durch den Bergbau zu überwachen. „So kommen pro Woche gut 700 Kilometer zusammen“, erzählt er. Und: „Weil die Leag auch Elektroladesäulen baut, würde ich gern ein E-Auto fahren.“ Das gehe aber noch nicht, weil er als Mieter in der Nähe seiner Wohnung keine Ladesäule hat.

Die Zahl der E-Autos auf Hoyerswerdas Straßen hält sich bislang in Grenzen. Wer über die Anschaffung eines entsprechenden Pkw nachdenkt, der konnte beim VBH-Fest schon mal Probesitzen und seine Fragen loswerden. Wie Mitarbeiter Steffen Radeck vom Autohaus Elitzsch informiert, haben Autos ab dem Jahr 2020 ein Soundsystem in der Grundausstattung. Aktuell müssen Käufer dieses zusätzlich erwerben. Ziel sei eine höhere Verkehrssicherheit. E-Fahrzeuge sollen auf der Straße so gut wie Verbrenner hörbar sein.

Seit einem halben Jahrzehnt besteht das Büro Energiewelt der Versorgungsbetriebe Hoyerswerda GmbH (VBH) am Lausitzer Platz. Pünktlich zum Jubiläum wurde eine erste Bilanz gezogen. Die Mitarbeiter beraten demnach Kunden zum Erwerb und zur Nutzung der Ladetechnik für die Akkumulatoren ihrer E-Autos. In Hoyerswerda gibt es inzwischen vier öffentliche Ladesäulen, die fünfte geht in voraussichtlich zwei Wochen am Pforzheimer Platz in Betrieb.

Die Infrastruktur für E-Mobilität werde kontinuierlich weiter ausgebaut. Die Wohnungsgenossenschaft Lebensräume und Wohnungsgesellschaft integrieren Elektroladesäulen in deren neu entstehenden Wohnquartieren. Die Versorgung älterer Mietshäuser mit dieser modernen Technik ist laut VBH-Mitarbeiter Roy Mutscher ebenso möglich. In absehbarer Zeit können dort lebende Bürger E-Autos in der Nähe ihrer Wohnungen laden. Und Garagen- oder Eigenheim-Besitzer können sich privat Ladesäulen installieren lassen.

Ganz Deutschland redet übers Klima. Die Bundesregierung schreitet zur Tat. Das Klima-Paket macht Treibstoff um drei bis 15 Cent pro Liter teurer. Auch die Kfz-Steuer wird umgestellt. Das Klima-Paket hält aber nicht nur Be-, sondern auch Entlastungen bereit.

Beispielsweise soll die Pendlerpauschale erhöht werden, die allen Berufspendlern mit längeren Arbeitswegen Steuererleichterungen gewährt; übrigens unabhängig davon, ob sie nun mit der Bahn, dem Auto oder dem Fahrrad fahren. Auch die Elektromobilität wird gefördert. Ein Thema, dem sich die VBH schon seit fünf Jahren mit ihrem Energiewelt-Büro widmen.