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| 20:15 Uhr

E-Mobilität
Schwerer Weg zum e-mobilen Flächenkreis der Oberlausitz

 Als Sitz der größten deutschen Batteriefabrik kommt der Stadt Kamenz, hier Oberbürgermeister Roland Dantz, eine natürliche Vorreiterrolle bei der E-Mobilität zu.
Als Sitz der größten deutschen Batteriefabrik kommt der Stadt Kamenz, hier Oberbürgermeister Roland Dantz, eine natürliche Vorreiterrolle bei der E-Mobilität zu. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Das Landratsamt Bautzen will mit gutem Vorbild vorangehen und weitere Elektro-Fahrzeuge anschaffen – allerdings auch nicht um jeden Preis. Von Uwe Menschner

Der Landkreis Bautzen will die Elektromobilität in der Oberlausitz vorantreiben. Das ist eine besondere Herausforderung: Denn der Kreis Bautzen ist ländlich geprägt und flächenmäßig der größte im Freistaat Sachsen.

Wozu braucht der Landkreis Bautzen ein Konzept zur Elektromobilität?

„Mit dem Konzept reagiert der Landkreis auf die Herausforderungen der Mobilitätswende und auf übergeordnete klimapolitische Ziele“, heißt es dazu in der Präambel. Dabei gehe es nicht darum, den vorhandenen Fahrzeugbestand „1:1 durch Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben zu ersetzen“, denn dies stelle „keine alleinige Lösung für das Erreichen der Ziele dar.“ Vielmehr strebe man an, einen Großteil durch die weitere Verbreitung von E-Fahrrädern („Pedelecs“) sowie eine intelligente Verknüpfung mit dem ÖPNV zu erreichen.

Wie ist die Ausgangslage?

Anfang 2018 gab es im Landkreis Bautzen gerade einmal 144 Kraftfahrzeuge mit Elektroantrieb, davon 70 als Plug-In-Hybrid. Bei einem Gesamtbestand von 180 000 Pkw ist das noch verschwindend wenig. Allerdings soll der Anteil laut Prognose der TU Dresden bis 2030 auf bis zu 15 Prozent, was etwa 24 000 Stück entspricht, steigen. Zum gleichen Zeitpunkt gab es 25 öffentliche Ladestationen mit 71 Ladepunkten. Davon sind nur zwei für das „Schnellladen“ (mit einer Leistung von mindestens 43 kW) geeignet – beide befinden sich auf den Tank- und Raststätten „Oberlausitz“ an der Autobahn 4.

Was will der Landkreis für die Erfüllung dieser Prognose tun?

In erster Linie informieren und aufklären. Dafür hat er eine Broschüre („Elektromobilitätskompass für den Landkreis Bautzen) herausgebracht, die insbesondere Auskunft über Fördermöglichkeiten und Ansprechpartner gibt. Gefördert werden zum Beispiel Investitionen in die Errichtung von Lademöglichkeiten im häuslichen Bereich. Ein Umweltbonus von 4000 Euro (rein elektrisch) beziehungsweise 3000 Euro (Plug-In-Hybride) schafft Anreize zum Kauf von E-Fahrzeugen, allerdings nur noch bis zum 30. Juni 2019 (über eine Verlängerung ist noch nicht entschieden).

Beraten werden sollen auch Städte und Gemeinden zur Schaffung öffentlicher Ladeinfrastruktur sowie Firmen zur Errichtung entsprechender Punkte für ihre Mitarbeiter. Auch die Betreiber von Großmärkten und Freizeiteinrichtungen sind Adressaten: „Es lohnt sich alles, wo der Aufenthalt länger ist als 30 Minuten“, so René Pessier von der TU Dresden. Selbst will der Landkreis keine neuen Lademöglichkeiten „in Größenordnungen“ schaffen. Als wichtigen Baustein bezeichnet die für Kreisentwicklung zuständige Beigeordnete Birgit Weber die Fortschreibung der Radwegkonzeption unter dem Gesichtspunkt der E-Mobilität. „Die von Verkehrsminister Dulig angestrebten Fahrradschnellstraßen sind für uns noch kein Thema, obwohl ich auch hier geeignete Strecken sehe“, so Weber.

Wie geht die Kreisbehörde selbst als gutes Beispiel voran?

Indem sie die Anzahl von Elektrofahrzeugen in ihrem eigenen Fuhrpark von derzeit zwei erhöht und für kürzere Dienstfahrten Pedelecs anschafft – allerdings abhängig von den noch zu klärenden Fördermodalitäten. Der Landkreis verfügt über eigene Lademöglichkeiten an den Standorten Kamenz und Bautzen, am neuen Standort Bahnhof Bautzen kommt eine weitere hinzu.

Wie umweltfreundlich sind E-Fahrzeuge eigentlich wirklich?

Auf der erwähnten Kreistagssitzung hatte Sven Scheidemantel (SPD) kritisiert, dass die gegenwärtige Ausprägung der E-Mobilität die Umwelt stärker be- als entlaste und dabei vor allem auf den hohen Bedarf an sogenannten seltenen Erden hingewiesen, die unter zum Teil haarsträubenden Bedingungen gewonnen würden. René Pessier räumt das Problem ein, verweist aber darauf, dass für moderne Elektroantriebe immer weniger seltene Erden benötigt würden: „Beim Handy ist der Anteil wesentlich höher.“ Fakt ist: Bei der Herstellung und beim Recycling von batteriebetriebenen Fahrzeugen wird mehr Kohlendioxid freigesetzt als bei einem vergleichbaren Diesel beziehungsweise Benziner. Allerdings gleicht sich dies im Vergleich zum Diesel nach circa 57 000 Kilometern zum Benziner nach 45 000 Kilometern aus (normaler Strommix.)

 Als Sitz der größten deutschen Batteriefabrik kommt der Stadt Kamenz, hier Oberbürgermeister Roland Dantz, eine natürliche Vorreiterrolle bei der E-Mobilität zu.
Als Sitz der größten deutschen Batteriefabrik kommt der Stadt Kamenz, hier Oberbürgermeister Roland Dantz, eine natürliche Vorreiterrolle bei der E-Mobilität zu. FOTO: Uwe Menschner