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| 18:36 Uhr

Dürre in der Lausitz
Elster kämpft mit Niedrigwasser

 Naturschutzhelfer Herbert Schnabel sammelt an der Uferböschung der Schwarzen Elster bei Dörgenhausen Exuvien, also die Larvenhülsen geschlüpfter Insekten.
Naturschutzhelfer Herbert Schnabel sammelt an der Uferböschung der Schwarzen Elster bei Dörgenhausen Exuvien, also die Larvenhülsen geschlüpfter Insekten. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Die anhaltende Trockenheit in der Lausitz hinterlässt Spuren. Die Schwarze Elster ist an vielen Stellen nur noch ein Rinnsal. Besonders prekär ist die Lage des Flusses am Pegel Neuwiese. Von Rita Seyfert und Sascha Klein

Der Sommer ist erst einige Wochen alt und schon verwandelt sich die Schwarze Elster zwischen Hoyerswerda und der Landesgrenze zum Flüsschen. Am Pegel Trado – zwischen Skaska und Sollschwitz – ist die Elster nur noch 20 Zentimeter tief. Es reicht also gerade einmal, um die Füße zu bedecken. Noch geringer ist der Wert am Pegel Kamenz: neun Zentimeter. Zum Vergleich: Die erste Hochwasser-Alarmstufe liegt dort bei 60 Zentimeter.

Rund um Hoyerswerda bietet sich ein ähnliches Bild. Immerhin sieht die Elster in Hoyerswerda zwischen Görlitzer und Bautzener Brücke immerhin noch nach Fluss aus. Doch auch dort herrscht Niedrigwasser.

 Die Schwarze Elster ist nahe Kortitzmühle bei Geierswalde fast ausgetrocknet. Wenige hundert Meter weiter führt sie gar kein Wasser mehr.
Die Schwarze Elster ist nahe Kortitzmühle bei Geierswalde fast ausgetrocknet. Wenige hundert Meter weiter führt sie gar kein Wasser mehr. FOTO: LR / Sascha Klein

Der nächste Pegel zeigt es: Am Pegel Neuwiese werden im Laufe des Donnerstags zwischen 32 und 33 Zentimeter Wassertiefe gemessen. Der Durchfluss liegt bei rund 0,05 Kubikmetern pro Sekunde.

Aus Schwarzen Elster wird ein Rinnsal

Aus dem Fluss wird mit zunehmender Trockenheit ein Rinnsal. Das bestätigt auch das sächsische Landesumweltamt in Dresden-Pillnitz. „Besonders prekär ist die Lage an der Schwarzen Elster am Pegel Neuwiese“, so Pressesprecherin Karin Bernhardt. „Hier werden bereits jetzt Durchflüsse unter denen des Niedrigwasserjahres 2018 beobachtet.“

Warum der Wasserstand der Schwarzen Elster insbesondere unterhalb des Pegels Neuwiese regelmäßig so drastisch sinkt, das hat Gründe. Einerseits fehlen die Zuflüssen. Andererseits ist die gesamte Region ehemaliges Bergbaugebiet. Heißt, die Schwarze Elster fließt hier seit vielen Jahrzehnten komplett in einem künstlichen Gewässerbett.

Fakt ist, am Pegel Neuwiese liegt der Durchfluss derzeit bei nur einem Prozent des Normalwertes. Insgesamt fließt durch die Elster nur ein bis zwei Fünftel Wasser wie beim Normalstand.

Schwarze Elster im Bereich Tätzschwitz ohne Wasser

Die Untere Wasserbehörde bestätigt diese Situation. Wie das Landratsamt Bautzen mitteilt, führen momentan nahezu alle Gewässer Niedrigwasser. Lediglich in den Oberläufen der Schwarzen Elster und Hoyerswerdaer Schwarzwasser sowie im Flussgebiet der Spree nördlich der Talsperre Bautzen trifft dies derzeit nicht so ausgeprägt zu.

Zumindest von den größeren Gewässern sind bisher keine ausgetrocknet. Eine Ausnahme ist die Schwarze Elster im Bereich Tätzschwitz, die wegen starker Versickerungsverluste infolge des Bergbaus derzeit kein Wasser mehr führt.

Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass kleine und kleinste Gewässer wie Teichzuleiter und Abflussgräben ausgetrocknet sind, so beispielsweise im "Alten Schwarzwasser" bei Hoyerswerda. Wie die Untere Wasserbehörde mitteilte, erfolgte dort im Vorfeld eine Notabfischung.

Weniger schlimm bestellt ist es um den Abschnitt der Schwarzen Elster zwischen Wittichenau und Dörgenhausen. In den vergangenen Jahren wurde der Flusslauf denaturiert und schlängelt sich noch mit einer gewissen Dynamik durchs Flussbett.

Wie Naturschutzhelfer Herbert Schnabel bestätigt, finden sich trotz Niedrigwasser ab Dörgenhausen flussaufwärts stellenweise noch Tiefen von mindestens einem Meter. „Der Fluss spült das Ufer streckenweise aus und sorgt hier und da für Untiefen“, sagt er. Flora und Fauna können davon nur profitieren.

Bestandserfassung der Insekten in der Schwarzen Elster

 Wenn Libellen schlüpfen, streifen sie ihre Larvenhülse ab.
Wenn Libellen schlüpfen, streifen sie ihre Larvenhülse ab. FOTO: LR / Rita Seyfert

Erst diese Woche hielt Nabu-Experte Schnabel zwecks Monitoring nach Leben in der Schwarzen Elster Ausschau. Auf der Suche nach flusstypischen Insekten stapfte er in Wathosen mit seinen Sammelbüchsen den Fluss hoch und runter.

„Manche Arten überwintern zwei, drei Jahre im Fluss, bevor sie schlüpfen“, erklärt er. Problematisch ist, dass diese Insektenarten im Larvenstadion beim Austrocknen des Flusses mit absterben würden.

Zumindest einige der Flussjungfern sind nochmal mit dem Leben davon gekommen. Zur Bestandserfassung sammelte Naturschutzhelfer Schnabel deren Larvenhülsen. Demnach schlüpften dieses Jahr auf einer Teilstrecke von etwa zweihundert Metern 28 Gemeine Keiljungfern und 25 Grüne Keiljungfern. Das sei nicht sehr viel, aber auch nicht zu wenig.

„Das Ergebnis zeugt von einer mittleren Besiedlungsdichte“, sagt er. Allerdings sei die Schlupfzeit bereits im Mai gewesen. Vermutlich wurden einige der Larvenhülsen auch schon weggespült.

„Überall kommt man auch nicht ran, weil die Böschung teils mit Brombeersträuchern zugewachsen ist“, erklärt er. Dennoch ist Naturschutzhelfer Schnabel zufrieden. „Die Gemeine Keiljungfer war mal fast ausgestorben“, sagt er. Doch nach der Wende haben sich die Bestände wieder erholt.

Der Juli war in der Lausitz so trocken wie nie

Soviel ist gewiss, damit die regionale Flora und Fauna weiterhin im Gleichgewicht bleibt, sollte es dringend regnen. Die gute Nachricht: Laut Deutschem Wetterdienst in Potsdam ist Niederschlag in Sicht. In der Lausitz und dem Elbe-Elsterland werden bis Freitag mehr als fünf bis zehn Liter pro Quadratmeter Regen erwartet. Auch am Wochenende ist immer wieder mit geringen Niederschlagsmengen zu rechnen.

Fakt ist, der Juli war so trocken wie nie. Gerade mal 1,2 Liter Regen pro Quadratmeter hat der Deutsche Wetterdienst mit seiner Messstation in Hoyerswerda in den ersten elf Tagen dieses Monats registriert. Zum Vergleich: Der Monatsdurchschnitt für den Juli liegt bei 52 Litern. Und von diesem Wert sind wir momentan noch ganz schon weit entfernt.