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| 14:08 Uhr

Hoyerswerdaer Musikfesttage
Mit Dudelsackklängen durch Europa

 Andreas Hentzschel spielt den kleinsten sorbischen Dudelsack, die Mechawka.
Andreas Hentzschel spielt den kleinsten sorbischen Dudelsack, die Mechawka. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Bei den Hoyerswerdaer Musikfesttagen widmete sich das Konzert mit dem „besonderen Instrument“ diesmal einem alten und weit verbreiteten Instrument. Von Katrin Demczenko

Dudelsäcke verschiedenster Bauarten gibt es seit Menschengedenken – und die erste Abbildung stammt schon von den Hethitern aus dem Jahr 1200 vor Christus. Über das Römische Weltreich verbreitete sich das Instrument in Europa. Im 16. Jahrhundert gelangte es als Bock nach Böhmen, also schon fast in die Lausitz. Und erst rund hundert Jahre später gab es Erwähnungen des Hümmelchens, einer Smallpipe, die auch in Schottland gespielt wurde. Das und vieles mehr erfuhren die Besucher des Konzertes „Das Besondere Instrument“ im Rahmen der Musikfesttage Hoyerswerda von Mitgliedern des Vereins „Erstes Lausitzer Bockorchester“.

Deren prominentester Musiker ist der Dudelsackspieler Andreas Hentzschel vom Sorbischen Nationalensemble Bautzen, der solistisch und mit seinen Freunden auf der Mechawa musizierte. Das ist der kleine sorbische Dudelsack, auf dem sie neben Liedern der Lausitz die heimliche Nationalhymne der Französischen Schweiz „Rance de Vache“ aus der Napoleonischen Zeit sowie auch „Über sieben Brücken“ von Karat erklingen ließen. Die Mechawa nahmen die Sorben an Festtagen mit in die Kirche, was dem großen sorbischen Dudelsack, dem Kozol mit dem Sack aus Ziegenfell und dem geschnitzten Bockkopf, versagt blieb. „Dieser Dudelsack wird nur zum Tanz gespielt, denn der Bockkopf stellt den Teufel dar“, erklärte Jens Güntzel, der mit Stefanie Fröde aktuell die einzige Dudelsackwerkstatt der Lausitz in Semmichau bei Bautzen betreibt.

Dass die beiden Enthusiasten ihrer Arbeit heute erfolgreich nachgehen können, liegt zum Teil auch an Siegfried Holz. Der Senior erzählte im Schloss, dass er 1973 das Sorbische Folkloreensemble Schleife gegründet hatte. Damals gab es unter den Musikern niemanden, der den Kozol spielen konnte, und so erlernte der Ensembleleiter das Instrument selbst. Da die Schleifer Gruppe sorbische Tänze und Musik künstlerisch aufarbeitete, um sie auf der Bühne aufführen zu können, erweiterten sie so die Spielmöglichkeiten für den großen sorbischen Dudelsack und trugen zu seiner Erhaltung bei.

Mit der Großen Deutschen Sackpfeife spielten Andreas Hentzschel, Stefanie Fröde, Jens und Henry Güntzel unter anderem die Melodie „Merseburger Zauberspruch“ aus dem Mittelalter. Aber die Konzertbesucher erlebten auch die in Schottland verbreitete Uilleann Pipes, die relativ leise und angenehm klingt. Jens Güntzel sagte zu dem Instrument, dass es besonders schwer zu erlernen ist, weil der Blasebalg, der Windsack, die Melodiepfeife und je drei Regulatoren sowie Bordunpfeifen mit Arm-, Hand- und Fingerbewegungen bedient werden müssen. „Bordune begleiten die Melodie mit erdigen Tönen“, erläuterte er.

Die Zuschauer im Schlosssaal waren am Ende begeistert. So, wie auch Gisela Fietzek aus Bernsdorf. „Bei diesen Konzerten höre ich jedes Mal andere Klänge und gehe mit immer neuem Wissen nach Hause.“

 Andreas Hentzschel spielt den kleinsten sorbischen Dudelsack, die Mechawka.
Andreas Hentzschel spielt den kleinsten sorbischen Dudelsack, die Mechawka. FOTO: Katrin Demczenko