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Drogenfreie Zone Klassenzimmer?

Cannabis ist laut Statistik die von Schülern am häufigsten konsumierte illegale Droge.
Cannabis ist laut Statistik die von Schülern am häufigsten konsumierte illegale Droge. FOTO: Syda Productions/Fotolia
Hoyerswerda. Während das Thema Drogen an Schulen im gesamten Freistaat immer akuter wird, folgen die Schulen in und um Hoyerswerda einer ganz anderen Tendenz. Gute Präventionsarbeit und ländliche Gegend sorgen laut Lehrerschaft für abstinente Schüler. Anja Hummel

Zwei Jahre ist es her, als es an der Wittichenauer Oberschule Korla Awgust Kocor einen Verdachtsfall gab. "Die Polizei rückte an und ein Drogentest wurde bei einem Schüler durchgeführt", erinnert sich Schulleiterin Ines Lesche. Am Ende handelte es sich um einen Fehlalarm. Auch sonst gab es keinerlei Vorfälle von Drogenmissbrauch. "Ich will nicht sagen, dass es so etwas nicht gibt. Wenn die Schüler neugierig sind, kann nicht viel dagegen getan werden", sagt die Schulleiterin. Aber eine "relativ gefestigte Sozialstruktur" und schulische "Ordnungsmaßnahmen" würden den Drogenkonsum durchaus dämpfen.

Der sachsenweite Trend sieht anders aus: Nach aktuellen Zahlen des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen wird das Thema Drogen an Schulen im Freistaat akuter. 69 Fälle im Jahr 2012 stehen 128 Fällen im Jahr 2015 gegenüber. Hier macht Cannabis den mit Abstand größten Anteil aus: 98 der 128 registrierten Vorkommnisse sind auf dieses Rauschmittel zurückzuführen. Außerdem berichtete das zuständige LKA von zehn Crystal-Meth-Fällen.

Mit Blick auf die Zahlen im Landkreis Bautzen wird deutlich: Zwar gibt es auch hier einen Anstieg. Dieser ist aber vergleichsweise gering. Während es im Jahr 2012 keinen einzigen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz an Schulen gab, wurden 2015 acht Vorkommnisse gemeldet. Damit liegt der Landkreis sachsenweit im Mittelfeld. "Spitzenreiter" sind die Städte Dresden, Leipzig und Zwickau.

Dass die Schüler nicht zuletzt dank des ländlichen Raumes ein Stück weit von den Drogen fernbleiben, vermutet Ilka Kügler. "Ich glaube, sie sind der Sache hier nicht so ausgesetzt", sagt die Leiterin der Oberschule Bernsdorf. Sie kennt so etwas "überhaupt nicht". Selbst, dass ihre Schüler Rauchen, kann sie ausschließen - zumindest offiziell während der Schulzeit. Denn in dieser Zeit ist das Verlassen des Schulgeländes verboten.

Generell seien weniger illegale Drogen, sondern eher der Konsum von Alkohol das Hauptthema bei Schülern, schätzt Kerstin Schönwald von der Suchtberatungsstelle Hoyerswerda ein. Insgesamt neun Schüler wurden im vergangenen Jahr durch die Einrichtung betreut. Der Jüngste war 13 Jahre alt. Von Nikotin über Alkohol bis hin zu synthetischen Drogen sei alles vertreten gewesen. Mitarbeiter Jan Janovic weiß um die Schwierigkeit im Umgang mit betroffenen Schülern: "Meistens haben Lehrer nur Vermutungen. Sprechen sie die Schüler darauf an, geben die es natürlich nicht zu."

Im Gegenteil, schildert Norbert Kavel, Schulleiter der Oberschule "Am Stadtrand" in Hoyerswerda. "Zu hören sind oftmals Schülermeinungen über die totale Ablehnung illegaler Drogen." Etwas anderes gebe niemand zu. Dennoch: Ein offenes Drogenproblem gibt es laut Kavel auch auf seinem Schulhof nicht.

Am Christlichen Gymnasium Hoyerswerda beginnt die Präventionsarbeit bereits in der sechsten Klasse. "Die Problematik hat sich defintiv nach vorne geschoben", sagt Schulleiter Günter Kiefer. Mit Themenwoche und Elterngesprächen versucht die Schule "dran zu bleiben und darüber zu sprechen". "Denn", so Günter Kiefer, "wie überall gibt es auch hier nicht nur Engel". Konkrete Vorkommnisse verneint er jedoch.

Auch dem Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen sind keine akuten Problemfälle aus der Region bekannt. "Trotzdem macht die generelle Zunahme des Drogenkonsums auch vor den Grenzen des Landkreises nicht halt", sagt Sprecherin Sabine Rötschke. Deshalb gibt es seit vergangenem Jahr eine Fachkraft für Suchtprävention, die sich intensiv der Drogenproblematik widmet.

Zum Thema:
Hinweise für einen Drogenkonsum können das Vernachlässigen von Freizeitinteressenund Schule sein, ein aggressiveres Verhalten, ein neuer Freundeskreis oder auch ein höheres Schlafbedürfnis. "Es darf in dem Alter aber nicht vergessen werden, dass sich die Kinder mitten in der Pubertät befinden", warnt Kerstin Schönwald von der Suchtberatungsstelle Hoyerswerda.