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DRK-Kleiderkammer Hoyerswerda schließt

Nicht mehr lange, dann schließen sie die Türen im Einstein-Haus: Anna-Maria Garzke (r.) und Irene Heinrich sind seit elf Jahren in der DRK-Kleiderkammer Hoyerswerda tätig.
Nicht mehr lange, dann schließen sie die Türen im Einstein-Haus: Anna-Maria Garzke (r.) und Irene Heinrich sind seit elf Jahren in der DRK-Kleiderkammer Hoyerswerda tätig. FOTO: A. Hummel
Hoyerswerda. Ende Oktober wird es im Hoyerswerdaer Einsteinhaus die letzte Gelegenheit geben, ein Schnäppchen zu schlagen und das dazugehörige Pläuschchen zu halten. Die DRK-Kleiderkammer muss schließen – wegen fehlender Nachfolger und aus finanziellen Gründen. Anja Hummel

Tausende Male haben die beiden Frauen schon die Türen zur Kleiderkammer geöffnet. Nun bleiben Irene Heinrich und Anna-Maria Garzke nur noch fünf weitere Male, bevor sie die wohlsortierte Kleiderstube in Hoyerswerda für immer schließen müssen.

"Seit elf Jahren sind wir beide ständig hier", erzählt Anna-Maria Garzke. Irene Heinrich sitzt neben ihr am Tisch ihres kleinen "Rückzugsraumes", direkt neben der "Herrenabteilung". Aus den beiden Kolleginnen sind mittlerweile Freundinnen geworden. Als sie im August von der Schließung erfahren mussten, waren sie sehr erstaunt. "Wir sind zwar in einem Alter, in dem man langsam mit dem Arbeiten aufhört", sagt die 67-jährige Irene Heinrich. "Aber wir dachten, es geht noch eine Weile weiter", wirft Anna-Maria Garzke gleich hinterher. Weil die gelernte Einzelhandelskauffrau damals keine Stelle fand, fing sie 2005 als geringfügig Beschäftigte in der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an. Die Kleiderkammer an sich existiere allerdings schon seit kurz nach der Wende, erinnert sich Kerstin Kulf-Moseleit. Sie ist als Koordinatorin der DRK-Außenstelle im Hoyerswerdaer Einsteinhaus. "Bevor die Beiden herkamen, gab es einen ständigen Wechsel der Mitarbeiter", sagt sie. "Seitdem sie da sind, ist alles geordneter und familiärer geworden." Auch der Koordinatorin werde der Abschied schwerfallen, gibt sie zu.

Als bedauerlich bezeichnet auch Peter Mark, Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Bautzen, die Entscheidung. "Wir haben uns damit wirklich nicht leicht getan", sagt er und betont, dass sich der Verband aus organisatorischen Gründen dazu gezwungen sah. "Wir haben keine Nachfolger gefunden", so Mark. Gleichzeitig räumt er ein, dass auch finanzielle Gründe eine Rolle spielen. Denn Miete und Personalkosten müssen vom DRK gestemmt werden. "Die Beratungsstelle für Schwangere und Familien bleibt aber weiterhin bestehen", betont der Kreisgeschäftsführer. Diese DRK-Einrichtung ist ebenfalls im Einsteinhaus ansässig.

Irene Heinrich und Anna-Maria Garzke lassen die Zeit in der Kleiderkammer nach all den vielen Jahren gerne Revue passieren. Besonders viel zu lachen hatten sie, wenn eine "Modenschau" anstand. "Manchmal habe ich den Kunden Kleidungsstücke vorgeführt", erzählt Irene Heinrich. "Das war ein großer Spaß." Aus den gespendeten Kleiderbeuteln mussten sie auch schon allerlei kuriose Dinge herausfischen. So war einmal ein Vibrator dabei, erinnern sich die beiden Frauen. Der wurde natürlich sofort entsorgt. "Oft haben wir auch Wertgegenstände wie Schlüssel, Ausweise oder sogar ein Sparbuch in der Kleidung gefunden", erzählt Anna-Maria Garzke.

Besonders vermissen werden sie den Kontakt zur Kundschaft. Kerstin Kulf-Moseleit weiß, "dass viele manchmal nur hergekommen sind, um mit den Beiden zu schwatzen." So wird wohl vielen Kunden nicht nur das günstige Kleidungsangebot, sondern auch der Plausch mit den aufgeweckten Damen fehlen.

Am Donnerstag, den 27. Oktober, wird die Kleiderkammer zum letzten Mal geöffnet haben. Obwohl sich die Frauen auch danach weiterhin treffen wollen, "fehlen wird mir das alles trotzdem", sagt Irene Heinrich. Bedanken möchten sie sich bei den vielen Menschen, die ihnen jahrelang die Treue gehalten haben.

Zum Thema:
Die nächstgelegene DRK-Kleiderkammer befindet sich in der Friedrich-Engels-Straße 42 in Lauta. Geöffnet ist sie montags von 10 bis 12 Uhr, dienstags von 15 bis 17 Uhr, mittwochs von 14 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 17 Uhr. In Hoyerswerda gibt es zwei weitere Kleiderkammern. Das Sozialkaufhaus in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 13 hat Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Bedürftige (Rentner und Arbeitslosengeld II-Empfänger) können mit entsprechendem Nachweis einkaufen. Die Kleiderkammer des vbff in der Ulrich-von-Huttenstraße 31-33 hat an den Wochentagen von 8.30 bis 14 Uhr geöffnet.