| 19:36 Uhr

Lauta
DRK-Domizil wird zum Mehrgenerationshaus

Abtimmung mit Wahlurne: Torsten Braune gibt seinen Stimmzettel an Hauptamtsleiterin Katrin Grader ab.
Abtimmung mit Wahlurne: Torsten Braune gibt seinen Stimmzettel an Hauptamtsleiterin Katrin Grader ab. FOTO: Anja Guhlan
Lauta. Entscheidung in Lauta: Den Zuschlag bekommt das Mehrgenerationswohnen. Damit hat die wirtschaftlichste Variante gewonnen. Von Anja Guhlan

Beim Rennen um den Verkauf des ehemaligen Kinderwochenheims in der Friedrich-Engels-Straße ist im Stadtrat Lauta am Montagabend das Ehepaar Steffi und  Andreas Vetter mit ihrer sozialen Projektidee Mehrgenerationswohnen mit großem Abstand  ins Ziel geschossen. Die Freude bei Steffi Vetter, die bei der Sitzung anwesend war, ist groß. Ihr breites Lächeln nach der Entscheidung verriet ihre Freude über die Abstimmung für ihre Projektidee. Für eine detailliertere Aussage – über den weiteren Verlauf und vorangeschrittene Planungen  ist Steffi Vetter bis Redaktionschluss leider nicht zu erreichen gewesen.

Elf Stadträte stimmten in einer geheimen Wahlabstimmung, bei der übrigens eine Stimme als ungültig gezählt wurde, für das Mehrgenerationswohnen. Fünf Räte haben sich für das Dogwerk von Martin Geyer entschieden. Martin Geyer, der bei der Sitzung „leider nicht anwesend sein konnte“, bleibt weiterhin positiv eingestellt: „Ich kann mir die Entscheidung zwar nicht erklären, aber ich bleibe optimistisch. Das Dogwerk als Haustierservice läuft sehr gut. Letztendlich ist das Objekt nur eine Immobilie.“ Geyer spricht von Angeboten und Anfragen, sein geplantes Hundezentrum woanders  errichten zu können.

Die dritte Bieterin, Stadträtin  Elisabeth Petsch, die selbst nicht im Stadtrat anwesend war und aus dem Objekt ein Gesundheitszentrum machen wollte, hatte ihr Angebot vor der Sitzung zurückgezogen, wie Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos) verkündete.

Einige Stadträte bekannten sich offen zu ihrer Abstimmung. So stimmte Martin Koppein (Freie Wähler) für das Hundezentrum „Dogwerk“ von Martin Geyer,  Stadtrat Rainer Tomczyk (Die Linke) für das wirtschaftlichste Angebot – das Mehrgenerationswohnen: „Ich bin schon immer dagegen gewesen, dass Gebäude für wenig Geld zu verschleudern. Deshalb stimme ich für die höchste Angebotssumme.“ Das Ehepaar Vetter aus Leippe hat 40 000 Euro für das Objekt mit einem Verkehrswert von 132 000 Euro geboten.

Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos) führte vor der geheimen Abstimmung detailliert die Argumente an, warum die Stadt Lauta sich von dem Objekt trennen möchte. Erstens würden die Sanierungskosten für das sanierungsbedürftige Objekt mit rund 600 000 Euro laut Lehmann „zu enorm“ sein. Nur zum Erhalt des Hauptgebäudes mit einer Nutzfläche von 1150 Quadratmetern müssten Heizung, Fenster, Türen, Sanitär, Elektrik sowie vieles mehr instandgesetzt werden. Zweitens würden bei Verbleib bei der Stadt ohne Sanierung die Kosten für Sicherheitsvorkehrungen und die laufenden  Kosten für die Bewirtschaftung des Gebäudes im Jahr satte 23 000  Euro verschlingen. Stellt man die Erträge – also die Mieten des derzeitigen Nutzers DRK – von 3000 Euro gegenüber, ergibt sich ein jährlicher Verlust von 20 000 Euro. Drittens: Ein Abriss des Objektes laut  Verkehrswertgutachten würde etwa 107 000 Euro kosten. Wirtschaftlich gesehen musste das Objekt also verkauft werden.

Michael Rischer als Fraktionsvorsitzender der CDU fragte vor der Entscheidung nach, ob die jeweiligen Bieter von den Kontaminationen in der Nähe des Grundstücks wüssten. Bauamtsleiter Wolfhardt Persicke bejahte dies und versicherte, dass dies auch im Kaufvertrag festgehalten wird, der nun mit dem Bürgermeister verhandelt wird.

In der endgültigen Beschlussfassung zum Verkauf des ehemaligen Kinderwochenheims stimmten am Ende 15 Stadträte für den Verkauf an das Ehepaar Vetter. Stadtrat Mario Bauer (CDU) stimmte dagegen. Der Stadtrat Günter Schmidt (Freie Bürgerbewegung) enthielt sich seiner Stimme. Der Beschluss ist erst rechtsgültig wenn die Kommunalaufsicht dies genehmigt. Schließlich handelt es sich um eine Unterwertveräußerung, die jedoch von der Verwaltung nachvollziehbar begründet wird.

Für den Lautaer Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat die Entscheidung zunächst positive Auswirkungen. Das Ehepaar Vetter möchte die bestehenden Mietverträge mit dem DRK übernehmen. Dem DRK sollen innerhalb des Objektes neue Räume  zugewiesen werden, allerdings weiterhin gegen Mietzahlung. Die Verhandlungen muss das Ehepaar Vetter nach abgeschlossenem Kaufvertrag nun mit dem DRK-Ortsvorstand oder der  Kreisgeschäftsführung führen.