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Drei Häuser und ein Stein blieben

Im Juni 2009 ist ein Gedenkstein enthüllt worden, der an Neu-Lohsa erinnert.
Im Juni 2009 ist ein Gedenkstein enthüllt worden, der an Neu-Lohsa erinnert. FOTO: amz1
Lohsa. Einst zählte der Ausbau Neu-Lohsa 33 Häuser. Heute existieren noch drei Anwesen. amz1

Die anderen sind in der Grube des Tagebaus Werminghoff II (später Glückauf II) verschwunden. Vor 70 Jahren wurde die Devastierung des Ortes vollendet. Die 60 Einwohner mussten sich eine neue Bleibe suchen.

Die Siedlung Neu-Lohsa befand sich südwestlich des Mutterdorfes Lohsa. Die Kleine Spree trennte beide Orte. Laut einem Messtischblatt aus den 1930er-Jahren befand sich nördlich von Neu-Lohsa der Lohsaer Sportplatz. Auch das Lohsaer Schloss war nicht weit entfernt. Südlich der Siedlung erstreckte sich der Leinweber-Teich und noch ein Stück weiter südöstlich der Grenzteich.

Neu-Lohsa war einst Sitz der Teichwirtschaft Ringpfeil. Die Familie musste im Zuge des Ortsabbruches ihren Betriebssitz nach Wartha verlegen. Allerdings sind die Ringpfeils den Lohsaern treu geblieben. Sie bewirtschaften bis heute die Teichgruppe bei Litschen.

Neu-Lohsa muss landschaftlich wunderschön gelegen haben. Es gab die Teiche, einen großen Laubwald und große Wiesen und die Kleine Spree. Das Mutterdorf wurde 1343 erstmals urkundlich erwähnt. Wann genau indes Neu-Lohsa entstand, verbirgt sich im Dunkel der Geschichte. Nach Angaben des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa wurde die Siedlung möglicherweise zu Beginn des 18. Jahrhunderts an der alten Verbindung von Lohsa nach Mortka begründet. Die Initiative ging von der Lohsaer Gutsherrschaft aus, deren Schloss sich nur einen Steinwurf vom neuen Siedlungsort entfernt befand. Jedenfalls, so haben Recherchen des Fördervereins ergeben, sollten dort Leibeigene Hütten und Gärten bekommen. Die dort angesiedelten Menschen dürften fast alle sorbische Bauern gewesen sein.

Im Jahr 1931 veräußerte der Lohsaer Gutsherr Friedrich von Loebenstein seinen Lohsaer Besitz an das Bergbauunternehmen Eintracht AG. Untrennbar mit dieser Firma ist der Name Joseph Werminghoff (1848 - 1914) verbunden. Nach dem Generaldirektor der Eintracht AG wurden die Tagebaue Werminghoff I, der heutige Knappensee/Graureihersee, sowie Werminghoff II (Silbersee Lohsa beziehungsweise Mortkaer See) benannt.

Das erste Dorf, das in diesem Gebiet der Kohle weichen musste, war Buchwalde bei Koblenz in den Jahren von 1926 bis 1932. Der Abriss von Neu-Lohsa setzte im 1943 ein. Obwohl das Bergbauunternehmen im nördlichen Teil von Lohsa Werkswohnungen für die Umsiedler errichten ließ, zogen die meisten Einwohner auf Grundstücke in unmittelbarer Umgebung und bauten sich dort eine neue Heimat auf. Insgesamt mussten um Lohsa zehn Orte Tagebauen weichen. Der Letzte war anno 1984 Scheibe.

Am 6. Juni 2009 wurde im Rahmen des Tages der abgebaggerten sorbischen Dörfer des sorbischen Dachverbandes Domowina eine Ortserinnerungsstätte für Neu-Lohsa geschaffen und eingeweiht. Das Ensemble befindet sich in unmittelbarer Nähe des Lohsaer Schwimmbades am Neu-Lohsaer Weg. Unter hohen Bäumen befindet sich dort die Gedenkstätte. Somit bleiben von Neu-Lohsa 70 Jahre nach der Abbaggerung lediglich drei Häuser und ein Gedenkstein.