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| 16:56 Uhr

Boulevard Kirchstraße
Drehorgel erklingt in der Altstadt

Reinhard Hoppe, Sohn Karl und Vater Torsten Vogel probieren die Tischdrehorgel aus.
Reinhard Hoppe, Sohn Karl und Vater Torsten Vogel probieren die Tischdrehorgel aus. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Reinhard Hoppe begutachtet Kunst und Krempel beim Boulevard Kirchstraße in Hoyerswerda. Von Katrin Demczenko

Der Vergangenheit auf der Spur ist Reinhard Hoppe aus Geierswalde schon sein Leben lang. Ihn interessieren Gegenstände, mit denen Menschen umgingen und gelebt haben. Altes Spielzeug, Glasvasen, wertvollen Schmuck, Geschirr aus Keramik und Porzellan sowie viele andere Dinge, die Erinnerungen wecken, hat er an seinem Stand auf dem Boulevard Kirchstraße in Hoyerswerda präsentiert.

Eine dreibeinige Keramikschale, geeignet zum Kochen auf einer Herdplatte, war das ältestes Stück, das der Antiquitätenhändler dabei hatte. Sie ist im 16. Jahrhundert in Süddeutschland angefertigt worden und wurde gefunden bei der Beräumung eines alten Lausitzer Bauernhauses, erzählt Reinhard Hoppe. Informationen über Antiquitäten erhält er, wenn er das verwendete Material, die Machart und gegebenenfalls das Label der Herstellerfirma begutachtet. Das Wissen, um die Gegenstände beurteilen zu können, erwirbt er sich vorwiegend aus Fachbüchern und in Gesprächen innerhalb der Antiquitätenhändler- und Sammlerszene. Nach über 15 Jahren Tätigkeit und Erfahrung bietet Hoppe interessierten Besitzern auch eine Erstbewertung ihrer Objekte an. Wer weiterführende Informationen haben möchte, muss bei spezieller ausgebildeten Fachleuten eine Expertise in Auftrag geben. Torsten Vogel aus Hoyerswerda brachte zum Boulevard Kirchstraße eine alte Tischdrehorgel mit dazugehörenden runden Metallplatten an den Stand, auf denen Musikstücke kodiert sind. Er hatte das mit einer Kurbel bedienbare, mechanische, selbstspielende Gerät vor Jahren gekauft. Mittlerweile hat er es von einem Mitarbeiter der Orgelbaufirma Eule in Bautzen und einem Orgelbauer aus dem Lausitzer Oberland restaurieren lassen. Nun wollte Torsten Vogel von Reinhard Hoppe erfahren, was seine Antiquität wert ist. Dieser sagte ihm zunächst nach gründlichem Anschauen, dass das Objekt vermutlich im Jahr 1910 produziert worden ist. Äußere Merkmale ließen das erkennen. Blütenornamente im geometrisierten Jugendstil und geprägter Messingschmuck waren damals übliche Dekors, um dem Gehäuse aus schwarzem Holz ein hochwertiges Aussehen zu geben. Zwei Blasebälge erzeugen darin einen gleichmäßigen Luftstrom, damit zum Beispiel die Marseillaise erklingen kann, wie Reinhard Hoppe erklärt. Die französische Nationalhymne ist im Lochmuster einer der runden Zinkmetallplatten kodiert, die per Hand mithilfe von Schablonen hergestellt wurden. Die restaurierte Tischdrehorgel mit allen Platten ist heute etwa 1000 Euro wert, erfuhr Torsten Vogel von ihm. Der Antiquitätenhändler Reinhard Hoppe freut sich über Menschen, die alte Gegenstände als Kulturgüter wertschätzen und sie restaurieren. Oft kann ihnen eine Bewertung durch den Fachmann dabei helfen, Kunst von Krempel zu unterscheiden.