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| 02:41 Uhr

Doppelstunden für mehr Tiefe

Lehrer Klaus Sauer (4.v.r.) berichtet seit dem Blockunterricht von weniger Stress und einer höheren Konzentration.
Lehrer Klaus Sauer (4.v.r.) berichtet seit dem Blockunterricht von weniger Stress und einer höheren Konzentration. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Am Montag lädt die Oberschule "Am Planetarium" von 15 bis 18 Uhr zum traditionellen Elterncafé ein. In diesem Jahr können sich die Familien der künftigen Fünftklässler unter anderem über den neuen 80-Minuten-Blockunterricht informieren. Mandy Fürst / mft1

Als Schulleiterin Sabine Rost vor neun Jahren an die Mittelschule "Am Planetarium" kam, wurde in dem Haus noch in ganz normalen Einzelstunden unterrichtet, erinnert sie sich. Auf Initiative des Landes Sachsen ist die Einrichtung seit dem Schuljahr 2013/14 eine Oberschule. Inzwischen wird in dem Haus in Doppelstunden unterrichtet. Das ist auf die Erfahrungen der Schulleiterin zurückzuführen.

Für den Frontalunterricht seien Einzelstunden eine gute Methode, meint Sabine Rost. Sie aber erlebe in ihrem Fach "Wirtschaft-Technik-Haushalt" (WTH) immer wieder, dass gerade die praxisorientierte Ausbildung, beispielsweise in der Küche oder den Werkstätten, einigen organisatorischen Anlauf und Aufwand benötige. "Und auch für die Gruppenarbeit in anderen Fächern, die Teambildung und gemeinschaftliches Arbeiten fördern soll, sind 45 Minuten einfach zu kurz", ist Sabine Rost überzeugt. Von der Idee, die Einheiten zu 90-Minuten-Blöcken zusammenzulegen, waren schließlich die meisten ihrer Kollegen begeistert.

Vorbild: Oberschule Mittweida

Bis das Kollektiv vor drei Jahren auf die ungewöhnliche Schultagesstruktur mit 80-Minuten-Blöcken aufmerksam wurde, die eine Oberschule in Mittweida seit dem Schuljahr 2012/13 praktiziert. Die Verkürzung würde Zeit für Bildung und Erziehung zur Verfügung stellen, heißt es auf deren Homepage. Um sich selbst ein genaueres Bild davon zu machen, luden die Hoyerswerdaer zunächst den Schulleiter aus Mittweida zu sich ein, um danach eine Abordnung nach Mittelsachsen zu entsenden. Die Studien vor Ort überzeugten das Team. Man schrieb ein auf die eigene Schule zugeschnittenes Konzept und reichte dieses im April 2016 bei der Stadt Hoyerswerda als Schulträger und der Regionalstelle Bautzen ein. Beide Seiten begegneten dem Anliegen mit Wohlwollen und einigen Auflagen. So sei darauf zu achten, dass keine Unterrichtsinhalte verloren gehen. Kein Problem, erklärt Sabine Rost, habe doch der Lehrplan sowieso oberste Priorität und sei, beispielsweise im Zuge der Raumgebung für Wander- und Projekttage, von jeher auf weniger Unterrichtszeit zugeschnitten, als in der Realität zur Verfügung steht.

Vier Unterrichtseinheiten á 40 Minuten werden pro Woche durch die Verkürzung frei, rechnet Sabine Rost für ihre Schule um. Zunächst wird daher grundsätzlich der Unterrichtstag kürzer, was die Schüler aller Klassenstufen in die Lage versetzt, die offenen Ganztagsangebote am Nachmittag nutzen zu können.

Raum für Zusatz-Angebote

Des Weiteren entsteht Raum für "Zusätzliche Pädagogische Angebote" (ZPA), die beispielsweise Klassenlehrer für Teamstunden nutzen, um das Organisatorische aus dem Fachunterricht herauszuhalten. In die ZPA-Stunden fallen darüber hinaus auch die eigenständige Arbeit der Lernzeitklassen 5 und 6, die so ganz ohne Hausaufgaben auskommen, sowie die Hausaufgabenbetreuung ab Klasse 7. Auch die Lernförderung für schwache und starke Schüler und das "Lions-Quest"-Programm - eine altersspezifisch angelegte pädagogische Hilfe zum Erwachsenwerden - findet mehr Platz. Durch die Abstimmung der ZPA-Stunden innerhalb der Klassenstufen können Parallelklassen in der Projektarbeit auch mal zusammengeführt werden. Das sei gut für die Schulgemeinschaft und eine effizientere Arbeit mit den externen Partnern.

Natürlich sei das Programm auch eine Herausforderung für die Lehrer, sagt Sabine Rost. Sie müssen Methoden zur zwischenzeitlichen Auflockerung beherrschen und sich auf einen stetigen Prozess der Zusammenarbeit, Abstimmung und Absprache einlassen. Das wiederum fordert und fördert das pädagogische Kollektiv. Den Unterrichtsbeginn von 7.30 Uhr nach hinten zu schieben, war keine Option. Das hätte den Schultag wieder in den Nachmittag hinein verlängert, wo Trainingszeiten, der Musikschulunterricht oder andere Freizeitaktivitäten ihren Platz haben, so Sabine Rost. Da aber die Eltern nach den ersten Monaten in der neuen Struktur von ausgeglicheneren Kindern berichten, spricht aus Sicht der Schulleiterin nichts gegen die Fortführung des 80-Minuten-Unterrichts.