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Domowina-Preis für Sorbin aus Zeißig

Gabriela Linack ist stolze Großmutter von vier Enkelkindern. Fritz ist mit seinen zwei Jahren der jüngste Enkel und war auch schon auf dem Zeißiger Hoffest im September mit von der Partie.
Gabriela Linack ist stolze Großmutter von vier Enkelkindern. Fritz ist mit seinen zwei Jahren der jüngste Enkel und war auch schon auf dem Zeißiger Hoffest im September mit von der Partie. FOTO: uhz1
Hoyerswerda/Bautzen. Amerika, China oder Österreich sind nur einige der Länder, denen Gabriela Linack die sorbischen Traditionen schon nähergebracht hat. Für ihr Engagement wurde die Leiterin einer sorbischen Volkstanzgruppe nun mit dem Domowina-Preis in Bautzen geehrt. Ulrike Herzger und Anja Hummel

Die silberne Medaille samt dazugehöriger Urkunde soll einen besonderen Platz in der Wohnzimmer-Vitrine bekommen. Denn es ist eine Auszeichnung, die nur wenige Menschen erhalten: den Domowina-Preis. Jährlich werden mit dieser Anerkennung vier Personen für ihr Engagement rund um den Erhalt und die Pflege der sorbischen Kultur und Sprache geehrt. Eine von ihnen ist in diesem Jahr Gabriela Linack aus Zeißig.

Auf einer Festveranstaltung in Bautzen am vergangenen Freitag wurde ihr die Auszeichnung überreicht. "Dass ich mit zu den Geehrten gehöre, hat mich zuerst überrascht. Denn ich bin gebürtige Sorbin und das lebe ich auch in ganz normaler Selbstverständlichkeit. Privat, beruflich und in der Freizeit", resümiert die 60-Jährige. "Aber natürlich freue ich mich darüber", betont sie.

Dass ihr Engagement wesentlich umfangreicher ist als normale Selbstverständlichkeit, spiegelt ihr Lebenslauf deutlich wider. Die sorbischen Wurzeln von Gabriela Linack liegen in dem kleinen Dörfchen Storcha, zwischen Crostwitz und Radibor. Sorbisch ist hier Muttersprache und sorbisches Brauchtum sowie das Trachtentragen alltäglich. Schon in frühester Jugend engagiert sie sich für die Gemeinschaft, arbeitet in der Laien-Theatergruppe und wird als junge Erwachsene Mitglied in der Domowina-Ortsgruppe.

Als Gabriela Linack 1977 nach Zeißig einheiratet, kann sie ihrem Credo treu bleiben, denn auch Ehemann Lothar hat ein sorbisches Elternhaus, in dem das Kulturgut gepflegt wird. In diesem Sinne erzieht das Paar auch seine beiden Töchter.

Mit dabei sind die Linacks auch, als sich 1997 in Zeißig die sorbische Volkstanzgruppe gründet. Seit 2007 leitet Gabriela Linack diese. Und wenn die Tanzgruppe auf örtlichen, überregionalen oder internationalen Veranstaltungen auftritt, dann verstehen sich die derzeit 20 aktiven Mitglieder als Botschafter der Lausitz. Und weil sich eine Kultur auch besonders durch ihre Sprache einprägt, liegt es der Preisträgerin sehr am Herzen, dass die deutsch-sorbische Zweisprachigkeit in der Hoyerswerdaer Stadtverwaltung noch umfangreicher Fuß fasst und in der Öffentlichkeit wirksamer wird.

Das Amt als Beauftragte für sorbische Angelegenheiten, welches Gabriela Linack neben ihrem Job im Baudezernat ehrenamtlich ausführt, hat sie bereits seit 2010 inne. Sie freut sich, dass die Zweisprachigkeit mittels Beschilderungen an Straßen, Plätzen und öffentlichen Einrichtungen schon seit einigen Jahren gut umgesetzt wird. Jetzt, sagt Gabriela Linack, werde ihre Tanzgruppe das Jahr mit einer Weihnachtsfeier ausklingen lassen. "Aber es gibt schon jede Menge Anfragen für kommendes Jahr", verrät sie. Im Januar sind die Tänzer zur Grünen Woche eingeladen, Ende Mai könnten sie Teil des Internationalen Folklore-Treffens in Tirol sein und im September steht ein Festival in Slowenien an. So wird Gabriela Linack auch weiterhin entfernte Länder mit der sorbischen Tradition bereichern.

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Neben Gabriela Linack erhielten auch Jurij Wuschansky aus Bautzen, Georg Spittank aus Siebitz und Harald Konzack aus Tauer den Preis. Das Ehrenabzeichen ging an neun Personen, darunter Hans-Wolf Erdmann aus Schwarzkollm, Andreas Kirschke aus Lohsa und Janek Schäfer aus Wittichenau.