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Dörgenhausen
Dörgenhausen putzt für seine Störche

Mit einer Motorsäge durchschneidet Dörgenhausens Wehrleiter Bert Zillich die Nestumrandung. Später ist der Nestboden ein Stück offen. Die Störche müssen nun erst einmal neu bauen, um brüten zu können.
Mit einer Motorsäge durchschneidet Dörgenhausens Wehrleiter Bert Zillich die Nestumrandung. Später ist der Nestboden ein Stück offen. Die Störche müssen nun erst einmal neu bauen, um brüten zu können. FOTO: Rainer Könen
Dörgenhausen. Helfer haben am Mittwoch das Nest im Ort gereinigt. Jetzt hat Adebar wieder die besten Bedingungen im Dorf. Von Rainer Könen

Auch für einen Dörgenhausener Feuerwehrmann hält das Leben immer wieder erste Male bereit. Also war Bert Zillich am Mittwochmorgen ziemlich neugierig, wie diese Aktion ablaufen würde. Denn „so was haben wir ja bisher noch nicht gemacht“, erzählt der Wehrleiter: ein Storchennest zu renovieren, dort eine Grundreinigung durchzuführen, es sozusagen durchzulüften, damit sich der künftige Nachwuchs nicht nur wieder wohlfühlt, sondern vor allem überleben kann, wenn die Wetterverhältnisse widrig werden sollten.

In einer Höhe von rund sieben Metern sieht die Welt nicht nur ein wenig anders aus, auch hat der Dörgenhausener Wehrleiter am Mittwochmorgen eine etwas andere Perspektive auf dieses Storchennest, das von unten wie eine kleine Trutzburg ausschaut. Denn das Storchenpaar, das alljährlich im Frühjahr dieses Nest bezieht, hatte dieses immer wieder neu gepolstert, mit Zweigen, Moos, Erdreich, um den Jungvögeln ein sicheres Zuhause zu bieten.

Ob sich Störche gelegentlich auch mit dem Klimawandel beschäftigen? Man darf annehmen: eher nicht. Sonst hätten sie sicher in den vergangenen beiden Jahren Gegenmaßnahmen ergriffen, als es im Frühjahr und Sommer mitunter heftig und lang andauernd regnete, und das Regenwasser im gut abgedichteten Nest nicht mehr ablaufen konnte. Die Folge: Drei Jungstörche waren im vergangenen Jahr im Nest ertrunken. Ein bedauernswertes Bild sei das gewesen, erinnert sich einer der umstehenden Wehrleute.

Dass so eine Storchennest-Renovierung eine überaus anstrengende Arbeit ist, sieht man auch vom Boden aus. Zwischendurch legt Zillich immer mal eine Pause ein, um wenig später erneut kraftvoll mit einer Harke große, verwachsene Stücke aus dem Nest zu reißen. Er staunt nicht schlecht darüber, dass die Störche sogar naturfremde Materialien für den Nestbau benutzten. Eine Plastiktüte baumelt unter dem Nest im Wind.

Georg Mickel ist an diesem Morgen zum Elstergrund gekommen, guckt interessiert hinauf zum Mast, wo der Wehrleiter das Nest allmählich schrumpfen lässt. Immer größere Reisigbrocken fallen in den darunter stehenden Anhänger, Zweige verfangen sich in der 400-Volt-Leitung. Diese ist von den Hoyerswerdaer Versorgungsbetrieben (VBH) natürlich zuvor abgeschaltet worden. Die ganze Aktion wird von den VBH mit einem Hubsteiger unterstützt, schließlich befindet sich das Nest auf einem Mast der Freileitung.

Der 78-jährige Mickel erzählt davon, dass sich dieses Storchennest schon lange im Ort befindet. „Seit Vorwendezeiten“, sagt er. Er findet diese Aktion nicht nur gut, sondern vor allem notwendig. Denn, so das frühere Ortsvorstandsmitglied, „wir wollen doch alle, dass sich unsere Störche weiterhin bei uns wohlfühlen“. Die gehörten schließlich einfach mit zum Ortsbild in Dörgenhausen.
Staunen nach 20 Minuten, als etwas zu Boden fällt, was man dort oben nicht vermutet hätte: ein toter Grünspecht. Der sich, so einer der Dörgenhausener Wehrleute, in dem Nest in einem Stück Kordel verheddert haben muss, nicht mehr freikam und dann verendete.

Endlich: Nach einer halben Stunde sieht man den Boden des Nestes, bis auf eine kleine Umrandung hat Wehrleiter Zillich alles abgetragen.
Als er aus dem Hubsteiger klettert, schaut er auf die im Anhänger liegenden Reste des Nestes. „In anderen Dörfern der Umgebung werden Storchennester alle zwei oder drei Jahre gereinigt“, weiß der Wehrleiter. Auch in Dörgenhausen, so Zillich weiter, wolle man künftig das Heim der Störche regelmäßig säubern. Übrigens: Für die Pflege der Storchennester gebe es sogar kreisliche Fördermittel, erzählt er.

Bleibt jetzt nur noch die Frage, wie das Storchenpaar, das bisher dieses Nest genutzt hat, auf diese umfassenden Renovierungsarbeiten reagieren wird. Nehmen die Adebare es wieder an oder suchen sie sich womöglich eine neue Bleibe?

Fest steht auf jeden Fall, dass sich die Störche nach ihrer Rückkehr aus dem Süden nicht etwa ins gemachte Nest setzen können, sondern sich, bevor es an die Fortpflanzung geht, erst einmal Aufbauarbeiten leisten müssen. Oder anders ausgedrückt: Vor dem freudigen Geklapper kommt erst die Arbeit, dann das Vergnügen.