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Diskussion ums schlesische Erbe

Annemarie Franke ist Historikerin, und Referentin für schlesische Fragen.
Annemarie Franke ist Historikerin, und Referentin für schlesische Fragen. FOTO: Hirschfeld/hir1
Wittichenau. Wie die Tschechen, Polen und Deutschen mit ihrem gemeinsamen Erbe "Schlesien" umgehen, war Thema des Forellabends am Montagabend in Wittichenau. Etwa 40 Personen interessierte dieses Thema. Heinz Hirschfeld/hir1

Ein Thema, das tabu war, und wenn man es in der DDR-Öffentlichkeit anschnitt, so erzählte es Ernst-Heinrich Scholz aus Wittichenau, man massive Probleme bekam. "Erst als es 1991 in Görlitz zur Gründung des Schlesischen Museums kam, wurde im Osten Deutschlands die Erinnerung wieder zur Realität, zumindest in der Generation der ehemaligen Schlesier, von denen es gerade in der Oberlausitz viele gibt", so Annemarie Franke, Historikerin und Referentin für schlesische Fragen, die am Schlesischen Museum in Görlitz arbeitet. Das Schlesische Museum sollte ursprünglich in Heidenheim, auf Wunsch und Betreiben der schlesischen Landsmannschaft, die nur im Westteil Deutschlands arbeitete, errichtet werden. Aber die Wende kam dazwischen und Görlitz wurde favorisiert, da dort noch viele ehemalige Schlesier leben.

Doch hält sich das Interesse der Jugend für die Geschichte der Schlesier in Grenzen. "Das schlägt aber sofort um, wenn in der Verwandtschaft ehemalige Schlesier leben, die erzählen können, wie es ist, wenn man aus seiner Heimat vertrieben wird. Deshalb hatten wir 2014 das Projekt ‚Was bedeutet Heimat‘, über das ganze Schuljahr am Lessing-Gymnasium Hoyerswerda laufen. Die Jugendlichen recherchierten im polnischen Schlesien und besuchten das Schlesische Museum in Görlitz", berichtet die 44-jährige Annemarie Franke. Sie weiß jetzt, wovon sie spricht, denn sie wohnt im grenznahen Gebiet. Als sie das erste Mal in den polnischen Teil Schlesiens fuhr, kannte sie die Schneekoppe und den legendären Rübezahl nur vom Erzählen. Die Schneekoppe sah sie, den Geist Rübezahls spürte sie. Dr. Renate Winter aus der Wittichenauer Runde erzählte, dass sie in Schlesien geboren wurde, und mit einer schlesischen Geburtsurkunde ihre Heimat verlassen musste. Ihre Tochter wurde in Hoyerswerda geboren. Das wollte man dort nicht registrieren, nur weil sie eine schlesische Geburtsurkunde hatte.

Annemarie Franke wurde in Frankfurt am Main geboren und wuchs im Rheinland auf. Ihr Interesse für die schlesische Geschichte rührt sicher daher, dass ihre Großmutter als junge Frau in Breslau lebte. Seit eineinhalb Jahren wohnt die 44-Jährige in Polen und fährt täglich über die Neiße nach Deutschland zur Arbeit. Sie vertritt die Meinung, dass man die "Zeitzeugengeneration" am ehesten zum gerne gesehenen Gast im polnischen Schlesien macht, wenn man auf den Ortseingangsschildern auch den Ortsnamen mit vermerkt, der daran erinnert, wie der Ort im einst deutschen Schlesien hieß.