Von Katrin Demczenko

Schon seit November 2018 diskutieren Bürger in Hoyerswerda im Forum „Kontrovers vor Ort - Fakten, Thesen, Argumente“ der hiesigen Volkshochschule und der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung mit Experten über Zukunftsthemen. Nach Veranstaltungen über Probleme der Weltpolitik und den Wandel in der Arbeitswelt hat die VHS-Mitarbeiterin Karla Kümmig nun das Geld in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt.

Allererste Münzen prägten schon Jahrhunderte v. Chr. die Lyder unter König Kroisos, die auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebten, erzählt der Dresdener Wirtschaftsberater Friedbert Damm. Sie hatten damit eine Recheneinheit, ein Zahlungs- sowie Wertaufbewahrungsmittel geschaffen, das den Handel erleichterte und diese Aufgaben erfüllt Geld bis heute. 1024 n. Chr. erfanden Chinesen das Papiergeld. 1867 begann das bargeldlose Bezahlen im Deutschen Reich, und 1950 erfand ein New Yorker Geschäftsmann die „Diners Club“-Kreditkarte.

Der Euro wurde 1999 Europas wichtigste Währung und eingeführt, um Teilnehmerländern das Exportgeschäft zu erleichtern, sagt Friedbert Damm. Seit 2002 gibt es Euro-Bargeld und laut Aussagen der Europäischen Zentralbank wuchs der Anteil der im Umlauf befindlichen Ein- und Zwei-Cent-Münzen stark an. Einerseits befeuert die Preisgestaltung der Händler diese Entwicklung, andererseits entstehen Handel und Banken beim Umgang mit Bargeld Kosten erläuterte der Experte zwei Seiten einer Medaille. Einige Länder haben die Kleinstmünzen deshalb abgeschafft. Erst vor wenigen Tagen beendeten alle Notenbanken im Euro-Raum die Ausgabe des 500 Euro-Scheins, um Geldwäsche und Schwarzarbeit einzudämmen. Bargeld wird insgesamt sicher einmal abgeschafft, aber Deutschland mit seinem Durchschnittsalter der Bevölkerung von knapp 47 Jahren wird eher Schlusslicht sein, sagt Friedbert Damm.

Dennoch nutzen längst viele Bürger das Online-Banking, tätigen also Echtzeitüberweisungen im Internet, und kontaktloses Bezahlen über smarte Endgeräte verbreitet sich in Geschäften. „Es gibt noch viele Sicherheitsrisiken“, bestätigt der Wirtschaftsberater eine der wenigen Zuhörerinnen. Trotzdem erfolgt so ein schneller Datenaustausch in Netzwerken anstatt langwieriger Geldtransaktionen zwischen Bankhäusern. „Das Banking wird nicht mehr monopolisiert ablaufen“, erklärt Friedbert Damm eine Veränderung, mit der Banken umgehen müssen.

Junge Firmen arbeiten im Internet mit nicht staatlich kontrollierten Kryptowährungen wie Bitcoin, wobei die Blockchaintechnologie das Speichern der gesamten Transaktionshistorie erlaubt. Diese Technologie macht globale Lieferketten wie vom Fischtrawler ins Restaurant sichtbar und erschwert Wahlfälschungen, erklärt der Wirtschaftsberater. Sie kann aber auch in eine „digitale, datengestützte Kontroll- und Sanktionsgesellschaft“ führen und deshalb ist ein gesellschaftlicher Diskurs zu dem Thema nötig.

Am 10. Mai um 19 Uhr können sich Interessenten in der VHS am Lausitzer Platz mit Kai Adler zum Thema „Verstehe einer die Nachrichten“ verständigen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten.