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Die zweite Heimat liegt am Nil

Im Jahr 1996 sind Harald (79) und Gudrun Dathe (74) erstmals nach Ägypten geflogen.
Im Jahr 1996 sind Harald (79) und Gudrun Dathe (74) erstmals nach Ägypten geflogen. FOTO: S. Bartholome
Hoyerswerda. Genau 154 Wochen hat das Ehepaar Dathe aus Hoyerswerda innerhalb von etwa knapp 20 Jahren in Ägypten überwintert. Auch für dieses Jahr laufen die Planungen. Die Umbrüche im Land haben sie nur am Rande mitbekommen. Sophie Bartholome

Sobald Gudrun Dathe ihr sorgfältig aufbereitetes Fotoalbum herausholt, beginnt sie zu schwärmen. Dass ihr Herz für Ägypten schlägt und es mittlerweile für sie und ihren Mann zu einer zweiten Heimat geworden ist, daran besteht kein Zweifel. Seit fast 20 Jahren überwintert das Hoyerswerdaer Ehepaar in Hurghada oder Dahab. Schon als die 74-Jährige in den 1960er-Jahren als Volkskorrespondentin für die Ausgabe in Forst der LAUSITZER RUNDSCHAU gearbeitet hat, schrieb sie in einem fiktiven Brief, der vom noch weit entfernten Jahr 1980 handelte, über ihren Wunsch, in Ägypten Urlaub zu machen. Dass es einige Jahre dauern würde, bis sie tatsächlich das Land bereiste, konnte sie in ihrem jungen Alter noch nicht absehen.

Meist seien es die Wintermonate Dezember, Januar oder Februar in denen sich das Ehepaar in Ägypten aufhält. Die Sehnsucht nach Wärme und die Möglichkeit, täglich zu schwimmen, seien die wesentlichen Gründe, warum das Paar sich für den Staat im nordöstlichen Afrika entschieden hatte. "Aber auch die Menschen sind so unglaublich liebenswert", erzählt Gudrun Dathe. In Deutschland würde einem an manchen Tagen nicht nur das Wetter so bitterlich frieren lassen, sondern teilweise auch das menschliche Miteinander. In Ägypten sei das anders.

Ein bedrückender Winter

Die Umbrüche im Land hat das Hoyerswerdaer Ehepaar nur am Rande mitbekommen. Kurz nach dem Anschlag von Luxor im Jahr 1997 in Deir el-Bahari, einer archäologischen Ausgrabungsstätte in der Nähe des Nils, bei dem etwa 60 Touristen ums Leben kamen, sei das Hotel mit mehr als 1500 Betten fast leer gewesen. "Dieser Winter war sehr bedrückend", erinnert sich die Hoyerswerdaerin. Über mehrere Jahre sei die Tourismusindustrie in Ägypten durch diesen Anschlag sehr geschwächt gewesen. Als der "arabische Frühling" im Jahr 2011 begann, war das Hoyerswerdaer Ehepaar eine Woche zuvor planmäßig zurück nach Sachsen geflogen. In den Jahren danach sei aber die Kriminalität deutlich angestiegen, wie das Ehepaar findet. Auch die Armut sei wesentlich größer geworden, da Touristen ausblieben. Doch viel mehr hätten sie von den Umbrüchen nicht mitbekommen. "Im Hotel verhalten sich die meisten relativ neutral", wie die frühere Krankenschwester erklärt.

Vorbereitungen laufen an

Zwar kann das Ehepaar ein paar Worte Arabisch und Englisch, dennoch käme es für die Hoyerswerdaer nicht infrage auszuwandern. "Wären wir noch jünger, wäre es eine Überlegung wert", wie Gudrun Dathe sagt. Ihre Vorfreude auf den kommenden Winter ist riesig. Die Planungen würden bereits laufen, jedoch fehle noch das Okay von ihrem Arzt. Im Sommer würde aber die Entscheidung fallen, ob sie fliegen dürfe. "Auch Rentner brauchen Urlaub", wie sie weiter sagt. Bereits am Osterwochenende hätten die 74-Jährige schon zahlreiche Freunde aus den Ägyptenurlauben angerufen und sich nach dem aktuellen Stand erkundigt. Da das Auswärtige Amt weiterhin vor Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel und das ägyptisch-israelische Grenzgebiet warnt, wird das Ehepaar voraussichtlich im Winter erneut nach Hurghada fliegen.