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| 01:33 Uhr

Die Zeit der Filmrolle ist vorbei

Hoyerswerda. Im Hoyerswerdaer Kinos wird derzeit gerade der zweite Saal auf Digital- und 3D-Technik umgerüstet. Von Uwe Schulz

Die Tage des Films sind gezählt. Im privaten Bereich hat die Masse längst umgesattelt. Wer heutzutage fotografiert, benutzt kaum noch einen herkömmlichen Dia- oder Negativfilm. Die Bilder werden elektronisch auf Speicherkarten gesichert und ebenso weiterverarbeitet. Nur im Kino gibt es noch Filmrollen, deren Bilder auf die Leinwand projeziert werden. Ein Auslaufmodell, weiß Arnim Donath, der Kinotechniker der Firma CineProjekt aus Landshut, Niederlassung Berlin. Er sagt: "Ende 2012 soll es aus Amerika von neuen Filmen keine Filmrollen mehr geben." Wie sich Europa verhält, wird man sehen. Doch alles ist nur eine Frage der Zeit.

Die privaten Kino-Betreiber und Ketten warten nicht so lange. Ungefähr vor drei Jahren begann die Umstellung auf die neue digitale Kino-Norm DCI. Daher ist Arnim Donath für seine Firma ständig unterwegs, um die Kinos auf die neue Technik umzurüsten. Gerade kommt der 24-Jährige vom UCI Berlin Eastgate, wo vier Säle umgerüstet wurden, nächste Woche ist er im UCI Dresden, die letzten Säle ausstatten. Pro Saal ist das durchaus eine Investition von bis zu 100 000 Euro. In dieser Woche arbeitet er eben in Hoyerswerda. Es ist ein Heimspiel für den Wahlberliner, der in Hoyerswerda seine Wurzeln hat und hier auch schon einige Male zur Wartung der Digitaltechnik im Kinosaal 2 war. Für Kinosaal 3 rüstet er die Technik nun selbst nach, freilich mit Unterstützung des Kino-Teams. Die komplette Projektionstechnik wird ausgetauscht, im Saal eine silberbeschichtete Bildwand eingebaut. Auch die Glasscheibe zwischen Vorführraum und Saal wird gewechselt. Kino-Chef Gerd Sprecher freut sich: "Ich bin der K-Motion dankbar, dass sie uns die Umrüstung ermöglicht." Es werden wohl die beiden einzigen 3D-Säle in Hoyerswerda bleiben. Der große und der kleine Saal werden irgendwann noch auf Digitaltechnik umgerüstet, doch die baulichen Gegebenheiten sind auf den Randplätzen nicht optimal für 3D, so dass dieser technische Vorsatz hier wegbleibt.

Die letzte Vorstellung im Kino 3 mit Filmrolle war "Cars 2", der in Hoyerswerda nur als herkömmlicher 2D-Film zu sehen ist. Morgen beginnt mit "Die Schlümpfe" auch im Kino 3 das 3D-Zeitalter. Premiere hatten in Hoyerswerda 3D-Filme aber schon im Frühjahr 2010, als "Drachenzähmen leicht gemacht" und "Avatar" für Furore sorgten. Den 3D-Aufschlag nehmen die Kinobesucher offenbar gern in Kauf. Gerd Sprecher hatte beispielsweise einmal "KungFu-Panda" parallel als 2D- und teureren 3D-Film laufen lassen - die meisten Besucher wollten 3D schauen. Das funktioniert nur mit den Spezialbrillen, die es beim Ticketerwerb dazu gibt. Ohne diese Brillen sind 3D-Filme nicht zu sehen, da man sonst zwei seitlich versetzte Bilder auf der Leinwand wahrnimmt.

Wenn in der Werbung die Gummibärchen vermeintlich bis vor den Mund fliegen und im finalen Harry Potter die Ascheteilchen von Oberfinsterling Lord Voldemort sich direkt vor den Augen des Zuschauers verteilen, dann spielt die 3D-Technik ihre vollen Stärken aus. Und wer sich vielleicht im Kino zwei des Hoyerswerdaer CineMotions gefragt hat, ob das Bild gestochener und der Ton noch klarer ist als in den anderen Sälen, der hat sich nicht geirrt. Arnim Donath weiß, dass der Klang wirklich besser ist. Blueray-Discs, derzeit im Heimkino das Maß der Dinge, reichen für den Kino-Profi nicht an die Qualität der Kinostreifen heran. Denn die werden unkomprimiert auf den Festplatten geliefert - egal, ob in 2D oder eben 3D.

Die Tage des Filmstreifens mögens gezählt sein, die Kinos bleiben aber offenabr auch in den nächsten Jahren die Orte, an denen man Filme in der bestmöglichen Qualität zu sehen bekommt.