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Die Welt tanzt auf sieben Höfen

Die slawische Seele erweckten die Künstler aus Weißrussland auf dem Crostwitzer Hof Zahrodnik/Gruttke.
Die slawische Seele erweckten die Künstler aus Weißrussland auf dem Crostwitzer Hof Zahrodnik/Gruttke. FOTO: amz1
Crostwitz. Rund 20 000Gäste haben begeistert das 12. Folklorefestival "Lausitz" besucht. amz1

Erstmals seit 20 Jahren ist der Krahlsche Hof beim Folklorefestival wieder mit von der Partie. Dort geben sich Ensembles aus Griechenland, Norwegen und Kolumbien ein Stelldichein. Locker passen um die 450 Gäste auf den Vierseitenhof. Das imposante Anwesen bewohnt der 69-jährige Martin Krahl. Vier Pferde, sieben Bullen und 20 Hühner nennt der Landwirt sein Eigen. Direkt über der Bühne weist eine Granittafel auf das wahrscheinliche Alter des Hofes hin: 1830. Martin Krahls Neffe Daniel Herrmann berichtet, wie es dazu kam, dass das fast 200-jährige Anwesen wieder Treffpunkt für Künstler aus aller Welt wurde. "Wir haben uns im vorigen Jahr überlegt, dass wir wieder mitziehen wollen. Onkel Martin erklärte, dass wir das durchaus machen können, er dazu aber außer seinem Hof nichts beisteuern könne." So habe die gesamte Familie mit angepackt. Die Tore erhielten neue Farbe, die Dachrinne wurde erneuert sowie hier und da renoviert. Darüber hinaus mussten 45 Bierzeltgarnituren organisiert werden. Als besonderer Gast hat sich der Mitteldeutsche Rundfunk auf dem Hof einquartiert und sendet live. "Das Folklorefestival ist einfach wunderbar. Das ganze Temperament der Welt in unserer Heimat. Was will man mehr?", schwärmt Daniel Herrmann.

Auch die anderen sechs Höfe präsentieren sich blitzblank und liebevoll dekoriert. Die enorme Größe dieser Anwesen ergibt sich aufgrund der sehr fruchtbaren Lössböden der Klosterpflege, den besten der Lausitz. Auf dem Bauernhof Zahrodnik/Gruttke bot das Ensemble "Krupitskaya Muzyki" den künstlerischen Auftritt an diesem wunderbar warmem und sonnigen Sommerabend. Die Künstler stammen aus der Stadt Krupiza in Weißrussland, jenem Gebiet, in dem Wissenschaftler die Wiege des slawischen Stammes vermuten. Das ist in den Darbietungen, die von weiten Feldern, breiten Flüssen, seichten Hügeln und lebensfrohen Menschen erzählen, zu spüren. Die slawische Seele, präsentiert in Liedern und Tänzen, lässt im Publikum niemanden kalt. Am liebsten, so scheint es, würden die Gäste aufspringen und mittanzen.

Neben den Ensembles aus aller Welt sind auch mehrere sorbische Künstlergruppen aus der Ober- und der Niederlausitz in Crostwitz präsent. Beispielsweise "Wudwor", die sorbische Bezeichnung für den winzigen Ort Höflein, von Crostwitz fast um die Ecke. Bereits seit dem Jahr 1980 begeistern Tanzgruppe, Musikanten und nicht zuletzt die Männergesangsgruppe ihr Publikum. Die Künstler treten in verschiedenen Trachten auf, in Crostwitz in den Farben der heimischen Lausitz.

Darüber hinaus zieht der Markt traditioneller Gewerke die Besucher in seinen Bann. Dort präsentieren auch Volkskünstlerinnen aus der mittleren Lausitz ihr Können, wie Glasmalerin Birgit Pattoka von der Bergener Schrotholzscheune. Diesmal verziert sie Eier mit Motiven der sorbischen Vogelhochzeit. Nebenan werkelt eine weitere bekannte Eiermalerin, Dorothea Tschöke aus Sabrodt. Sie konnte erst etwas später nach Crostwitz reisen, da sich noch die Kameraden der Kleinkoschener Feuerwehr in ihrem Ostereiermuseum angesagt hatten. "Ich habe ja ein extra Feuerwehr-Programm", sagt Tschöke.

Nach dem Festival ist vor dem Festival. Denn sicher bald beginnen die Vorbereitungen die die 13. Auflage. Die soll im Sommer 2019 stattfinden, kündigt Domowina-Sprecherin Bärbel Felber an. Über einen Mangel an Folkloreensembles können sich die Lausitzer indes keineswegs beklagen. Nach Angaben von Katharina Jurk vom Organisationsbüro haben sich allein für das Jahr 2017 rund 150 Künstlergruppen aus aller Welt beworben. Auswahlkriterien seien unter anderem die Präsentation von Minderheiten, eine große Vielfalt und jede Menge Lebensfreude. Die Organisatoren von der Domowina können also schon bald mit ersten Anfragen für 2019 rechnen.