Dass mit dem "Oberland" stimmt jedenfalls schon mal. Doch wo nun genau die "richtige" Spreequelle liegt, darüber streiten die Oberlausitzer schon seit mindestens dem 19. Jahrhundert. Fakt ist jedenfalls, dass der Fluss drei Geburtsorte, also Quellen, besitzt. Diese befinden sich in Ebersbach (Sachsen), am Kottmar sowie in Neugersdorf. Wobei Ebersbach und Neugersdorf inzwischen eine Stadt bilden.

Nach Angaben des Oderwitzer Heimathistorikers Mario Fleischmann musste bereits im Jahr 1887 der Generalfeldmarschall Helmuth Karl Bernhard von Moltke entscheiden, wo sich nun die "richtige" Spreequelle befände. Der Armeeangehörige legte anhand von militärischen Landkarten Ebersbach als Anfangsort des Flusses fest. Tatsächlich ist der dortige "Spreeborn" die, historisch gesehen, am ersten urkundlich erwähnte Quelle des Lausitzer "Nationalflusses". Schon vor genau 280 Jahren, nämlich 1736, soll der dort befindliche Brunnen mittels eines Holzhäuschens gestaltet worden sein. Heute präsentiert an gleicher Stelle ein Pavillon den Beginn des rund 400 Kilometer langen Flusses.

Die Neugersdorfer Quelle gilt als wasserreichste des Trios. Allerdings handelt es sich um eine Art "Kunstobjekt". Denn laut der Ortschronik gab es einst in den Wiesen nahe dem Ort mehrere Quellen. Da dieses Areal aber zeitig überbaut worden war, wurde als "neuer "Standort" eine Fläche am vor 90 Jahren errichteten Neugersdorfer Bad gestaltet. Das dort beginnende Gewässer mündet jedoch bereits nach ein paar Metern in die Ebersbacher Spree.

Die dritte im Bunde ist die Quelle am Westhang des Kottmars. Mit einer Höhe von knapp 480 Metern über Normallnull handelt es sich um den höchstgelegenen Spreeursprung. Der Kottmar selbst gilt mit seinen 583 Metern nach dem Valtenberg (587 Meter) als zweithöchste Erhebung des Lausitzer Berglandes. Die Quelle befindet sich auf dem Territorium der Gemeinde Kottmar, Ortsteil Walddorf. Die an einen Halbkreis erinnernde Mauer um den Wassertopf wird anno 2021 genau 100 Jahre alt. Eine umfassende Sanierung des Ensembles unter herrlichen alten Buchen und Fichten erfolgte Mitte der 1950er-Jahre.

Kurios: In der Kottmar-Quelle besteht die Möglichkeit, sich der Spreequelltaufe zu unterziehen. Diese nimmt niemand Geringeres als "Gerbod", der Spreequellzwerg, vor. Der Sage zufolge soll diese Gestalt mittels eines vom Kottmar abgeschossenen Pfeils die Quelle bei Neugersdorf geschaffen haben.

Der Fluss unterteilt sich in seinem weiteren Verlauf mehrfach in die "Große Spree" und in die "Kleine Spree". Die längste "Teilung" erfährt das Gewässer rund zehn Kilometer nördlich von Bautzen. Unweit eines Wehres bei Klix beginnt der Lauf der Kleinen Spree, die bei Lohsa das Lausitzer Seenland erreicht und im Spreewitzer Park wieder auf die große "Schwester" trifft. Rund 40 Kilometer misst dieses Flüsschen, das als wichtiger Wasserlieferant für die alten Tagebaugruben östlich von Hoyerswerda gilt und wegen seiner starken Eisen- und Sulfatbelastung häufig in den Schlagzeilen steht.

Ein zweites "Große-Spree-Kleine-Spree-Paar" existiert in Spremberg. Dort bildet der Fluss eine Insel, auf der sich die Altstadt erstreckt. Beide Flussarme sind dort aber nur auf einer Strecke von mehreren Hundert Metern voneinander getrennt.

Eine ähnliche Teilung gibt es auch in Cottbus. Im nahe gelegenen Spreewald weitet sich der Fluss in hunderte Fließe auf. Der wichtigste Strom wird "Hauptspree" genannt. Im Unterlauf unweit von Berlin besitzt das Gewässer diverse Zusatzbezeichnungen, und zwar Fürstenwalder Spree, Müggelspree sowie Treptower Spree, ehe der Fluss nach ziemlich genau 400 Kilometern inmitten der Hauptstadt in die Havel mündet.