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| 13:20 Uhr

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Die Schmelzer glühen von der Wand herunter

Museumsleiterin Kirstin Zinke steht in der Schaltzentrale der Energiefabrik Knappenrode vor dem Bild „Die Aura der Schmelzer“. Es stammt aus dem Jahr 1988 von Eberhard Heiland.
Museumsleiterin Kirstin Zinke steht in der Schaltzentrale der Energiefabrik Knappenrode vor dem Bild „Die Aura der Schmelzer“. Es stammt aus dem Jahr 1988 von Eberhard Heiland. FOTO: LR / Peter Bandermann
Hoyerswerda.. Die „Kunst + Kohle“-Ausstellung in der Energiefabrik Knappenrode zeigt faszinierende Arbeiterbilder. Sie stammen aus verschiedenen Kunstarchiven. Von Peter Bandermann

Braunkohle und Briketts. Das war die von Hand und Maschinen gemachte Alltags-Kunst der Kumpel im Bergbau. Mit Bildern professioneller Künstler würdigt eine Sonderausstellung in der Energiefabrik Knappenrode noch bis zum 16. September 2018 die Arbeiterklasse der DDR-Energieindustrie. Die in der ehemaligen Schaltzentrale gezeigten Bilder stammen aus verschiedenen Kunst-Archiven und führen zurück in eine Zeit, in der Kumpel, Förderbrücken, Schornsteine und Fabriken die Landschaft und das Leben prägten.

 Alle Bilder haben eins gemeinsam: Sie verehren die Arbeit und die Tat. Eberhard Heilands 1988 gemalte „Aura der Schmelzer“ hat eine einzigartige Anziehungskraft.

„Das Besondere an diesem Bild ist, dass man sich ihm nicht entziehen kann. Das leuchtende Orange glüht von der Leinwand runter“, beschreibt Museumsleiterin Kirstin Zinke die Wirkung des Großformats, dass sie auch als „Leitbild der Ausstellung“ bezeichnet. „Die Kumpel sehen verschmitzt aus. Sie sehen aus, als wüssten sie mehr. Sie sehen aus wie ein verschworenes Team und man erkennt zugleich die Schwere der Arbeit“, erzählt die 54-Jährige über das glühende Orange, das auch viele Besucher schon fasziniert hat.

Ein Bild der Ausstellung „Kunst und Kohle“ in der Energiefabrik Knappenrode. Es heißt: „Der Milchtrinker“ (Ausschnitt).
Ein Bild der Ausstellung „Kunst und Kohle“ in der Energiefabrik Knappenrode. Es heißt: „Der Milchtrinker“ (Ausschnitt). FOTO: LR / Peter Bandermann

Denn die Ausstellungsführer berichten von Gästen des Sächsischen Industriemuseums, die bereits auf Flugblättern und Plakaten von dem Bild in den Bann gezogen worden sind. „Sogar Gäste ohne Bezug zur Kunst sind beeindruckt und nur deshalb zu uns gekommen“, sagt Kirstin Zinke.

 Zeichnungen, Gemälde und Fotos rekonstruieren vor der imposanten Kulisse der Energiefabrik Knappenrode den Bergbau und die Arbeit im Bergbau. Sie zeigen Zusammenhalt im Kollegenkreis, Augenblicke in Pausenzeiten, Fantasien, von harter Arbeit gestählte Körper, Frauen an Schalthebeln und bei ihren Kindern – die Ausstellung ist ein Blick durchs Schlüsselloch zurück in die Vollbeschäftigungs-Vergangenheit in der DDR. Obwohl die Region immer noch unter hoher Arbeitslosigkeit auf der einen Seite und Fachkräftemangel auf der anderen Seite leidet, gibt es in die Gegenwart führende Parallelen.

FOTO: BDZV

Denn Fleiß und Zusammenhalt bestimmen die Atmosphäre in der Lausitz, die das Tal der Tränen längst durchschritten hat und mit der Lausitzer Seenlandschaft längst zu neuen Ufern aufgebrochen ist.

 „Wir haben versucht, die Ausstellung auf die Region zu beziehen“, erläutert Museumschefin Kirstin Zinke die Auswahl in den verschiedenen Archiven. Entstanden sind die Bilder dort, wo die Arbeiterinnen und Arbeiter Hand anlegten. Denn die DDR hatte die Produktivität der Arbeiterklasse regelrecht kultiviert: „Der Staat setzte damals stark auf Arbeit und Arbeitswelt und hat viele Künstler beauftragt, sich damit auseinanderzusetzen“, berichtet die Museumsleiterin.

 Die Künstler ließen sich dort von ihren Motiven inspirieren, wo sich der Staub auf Haut und Haare legte und wo der Lärm der Tellertrockner in der Brikettproduktion das Trommelfell flimmern ließ. Wertschätzende Darstellungen sollten entstehen und sind auch entstanden, doch hier und da entdeckt Kirstin Zinke eine versteckte Systemkritik der Künstler an den Vorgaben der Auftraggeber. Auch Eberhard Heilands „Aura der Schmelzer“ ist so ein Werk, dessen leise und vorsichtige Kritik dem verschmitzten Grinsen der doch so freundlich wirkenden Malocher zu entnehmen sei. Wer sich darauf einlässt, grinst schnell mit.

Hier geht es zum Video.