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Die Schätze im Keller des Klinikums

Jutta Tschirner zeigt eine Äther-Maske und steht an dem Narkoseschrank von 1955.
Jutta Tschirner zeigt eine Äther-Maske und steht an dem Narkoseschrank von 1955. FOTO: Katrin Demczenko/dcz1
Hoyerswerda. Wahre Schätze lagern im Keller des Lausitzer Seenland Klinikums (LSK) Hoyerswerda, die deutsche Medizingeschichte von den 1920er-Jahren bis 1989 widerspiegeln. Doch seit 2010 werden sie nur zu besonderen Anlässen gezeigt. Katrin Demczenko / dcz1

In den zwei Räumen befinden sich Krankenhausmöbel aus der DDR-Zeit und Medizintechnik, mit denen etwa die Ausstattung eines Krankenhaus- und eines Behandlungszimmers nachgestellt werden könnte. Das erklärte Jutta Tschirner, langjährige leitende OP-Schwester der Orthopädischen Klinik in Hoyerswerda-Altstadt, die bis 2004 zum LSK gehörte.

Ihre Sammelleidenschaft für medizinhistorisch interessante Gegenstände hat Jutta Tschirner schon 1955 als 15-jährige Schwesternschülerin im Lehrkrankenhaus Klettwitz entdeckt. Damals räumte ihre Klasse nämlich einen zehn Jahre verschlossenen Kellerraum aus, in dem eine in den 1940er-Jahren angeschaffte Lazarett-Ausrüstung aufbewahrt wurde. "Knochensägen in schwarzen Kästen, die mit roter Atlasseide gefüttert waren und große Sets zur Bauchversorgung" hatte das Mädchen damals gesehen. "Ein kleines Grundbesteck zur Visite mit Spatel, Thermometer und chirurgischer Pinzette in einem Jutesäckchen" steckte sie damals ein. Es wurde der Grundstock ihrer Sammlung.

Als die ausgebildete Krankenschwester 1970 in die Orthopädische Klinik Hoyerswerda kam, die seit 1898 Krankenhaus des Kreises gewesen war, entdeckte sie schnell die leeren Bodenräume. Dort sammelte Jutta Tschirner mit Billigung ihrer Vorgesetzten alte, noch gebrauchsfähige medizinische Geräte getreu dem Grundsatz in der DDR: Vielleicht kann man es ja noch brauchen.

Benutzt wurden die Sachen dann nicht mehr, aber Geschichten kann die Sammlerin darüber erzählen. Sie selbst benutzte einen Narkosewagen von 1955, seinerzeit die Spezialanfertigung eines Hoyerswerdaer Tischlers. Darin waren alle Gerätschaften enthalten, mit denen eine OP-Schwester Patienten bei kleineren Operationen bis 1977 Äthernarkosen verabreichte. Die 75-jährige Jutta Tschirner zeigte auch ein Gummihandschuh-Flickset, das bis 1989 Standardausrüstung auf jeder Krankenstation war. "Gummihandschuhe waren Luxus und wurden deshalb mit Duosan Rapid geklebt", erzählte sie. Die ganz kaputten Handschuhe ergaben Flicken für jene, wo sich Desinfektion und Reparatur noch lohnten. Das bedeutete aber nicht, dass Krankenhauskeime den Patienten das Leben schwer machten. Putzfrauen und auch Schwestern sorgten für Sauberkeit und Besucher mussten immer über eine Hygienematte gehen, berichtete Jutta Tschirner.

Erstmals öffentlich gezeigt wurden einige Objekte 1998/1999, als der 30. Geburtstag des Klinikums und 100 Jahre Krankenhaus in Hoyerswerda gefeiert wurden. Danach waren sie bis 2010 im Stadtmuseum zu sehen und sind seitdem im LSK eingelagert. Neuerlich gezeigt werden könnten Teile der Sammlung 2018 zum 50. Geburtstag des Klinikums, das mit dem Jubiläum 120 Jahre Krankenhaus in der Stadt zusammenfällt, informierte LSK-Pressesprecherin Steffi Dubrau.