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Die Pilze sprießen jetzt doch noch

Regine Schwabe zeigt ihr Prachtexemplar der Krausen Glucke.
Regine Schwabe zeigt ihr Prachtexemplar der Krausen Glucke. FOTO: amz1
Bernsdorf. Nachdem wochenlange Hitze und Trockenheit das Pilzwachstum in der Lausitz fast gänzlich zum Erliegen brachten, sprießen die Sporengewächse nach reichlich Regen nun wieder. Zumindest in der Nähe von Bernsdorf ist das so. amz1

Der Bernsdorfer Kulturverein hatte am Wochenende zum ersten Mal zu einer Pilzwanderung eingeladen. Gut ein Dutzend Naturfreunde folgten diesem Ruf. Und es sollte nicht ganz ohne Erfolg bleiben. Denn die Sammler brauchen am Sonnabend keine 200 Meter weit zu laufen, da naht bereits der erste Glücksgriff. Im leichten Nieselregen ist Regine Schwabe an einer alten Kiefer auf eine Krause Glucke gestoßen. Das Gewicht des Prachtexemplars schätzt die Bernsdorferin auf mindestens 500 Gramm. "Ich habe schon seit Jahren keine mehr gefunden, und jetzt das", freut sie sich. Kurioserweise wächst der Pilz im Farnwald. Dabei gelte die alte Regel, dass Farne, insbesondere der für die Lausitz typische Adlerfarn, pilzfeindlich seien. "Die Natur hat eben ihre eigenen Regeln", versucht Regine Schwabe das Phänomen zu erklären.

Tatsächlich handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. Keine 20 Meter weiter hat diesmal Vereinssprecher Bodo Rudys Sammlerglück. Und wieder im Farn. Und erneut an einer Altkiefer. Und wiederum eine Krause Glucke. Die bei Forstleuten aufgrund ihrer baumschädigenden Wirkung unbeliebten Sporengewächse scheinen sich in Bernsdorf offenbar wohl zu fühlen. Krause Glucken gelten, obwohl etwas kompliziert zu reinigen, als hervorragende Speisepilze und kommen normalerweise relativ selten vor.

Darüber hinaus lesen die Sammler direkt am Wegesrand mehrere junge Butterpilze auf. Jung deshalb, weil sich die weiße Hülle unter dem Hut noch nicht gelöst hat. Im niedrigen Heidelbeergebüsch wird darüber hinaus ein Steinpilz entdeckt. Diesen lassen die Naturfreunde allerdings an Ort und Stelle. Der Grund? Das Gewächs präsentiert sich bereits bewohnt. Mindestens eine Schnecke hat ihr gut sichtbares Fraßbild hinterlassen.

"Ich denke, dass es in den vergangenen Tagen genug geregnet hat", sagt Bodo Rudys. "Jetzt fehlt die Wärme. Insbesondere in den Nächten müsste es milder sein. Dann würden die Pilze nur so aus dem Boden schießen."

Nicht zuletzt könnten sich die Bernsdorfer glücklich schätzen, dass ihre Stadt von jeder Seite vom Wald umgeben sei. "So sind wir auch schnell in den Pilzen", weiß Rudys. Allerdings gibt es auch verschiedene Meinungen zu diversen Arten. Beispielsweise zum Kahlen Krempling, der in Lausitzer Heidewäldern mitunter recht häufig vorkommt. Den könne man essen, glauben die einen. Allerdings bestehe die Gefahr, dass mitunter lange Zeit später die im Pilz enthaltenen Allergene heftige allergische Reaktionen auslösen können, sagen die anderen. Die Wissenschaft bezeichnet dieses Phänomen als "Paxillus-Syndrom". Früher galt der Kahle Krempling unter Pilzexperten als Speise-, heute als Giftpilz.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Grünling, den noch immer viele Lausitzer begeistert sammeln und anschließend verzehren. In Frankreich gab es allerdings schwere Vergiftungen nach dem Genuss dieser Art. In der Lausitz sind jedoch keine Grünlings-Vergiftungen bekanntgeworden. Die Bernsdorfer sind auf diesen Pilz bei ihrer Tour sowieso nicht gestoßen. Kein Wunder, erscheint er doch meist erst im späteren Herbst.