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| 14:58 Uhr

Tourismus
Die Oberlausitz setzt auf Abgrenzung

Abfischen: Für die Lausitzer Fischwochen wünscht sich die MGO ein stärkeres Engagement der von ihnen profitierenden Teilregionen.
Abfischen: Für die Lausitzer Fischwochen wünscht sich die MGO ein stärkeres Engagement der von ihnen profitierenden Teilregionen. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Die Tourismusregion Oberlausitz will ihr Profil schärfen und sich von der Bergbauregion Lausitz abgrenzen. Die Ziele für die kommenden Jahre sind ehrgeizig. Von Uwe Menschner

Was macht eigentlich die Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien GmbH (MGO)? Diese – zugegebenerweise – recht provokant formulierte Frage verärgert Olaf Franke keineswegs. „Es gibt für uns immer wieder das Erfordernis, unsere Arbeit und deren Nutzen zu erklären, weil vieles davon nach außen hin nur wenig oder erst nach einer längeren Zeit sichtbar wird“, erklärt der Geschäftsführer der von den Landkreisen Bautzen und Görlitz sowie von den regionalen Sparkassen getragenen Gesellschaft. Einen erneuten Versuch unternahmen er und seine Marketingleiter Christoph Pilz (Standort) sowie Franziska Dießner (Tourismus) am Donnerstag vor Vertretern der regionalen Presse. Die RUNDSCHAU fasst die wichtigsten Antworten zusammen.

Was macht eigentlich die MGO?

Die Aufgabe der Gesellschaft besteht darin, die Region Oberlausitz/Niederschlesien wirtschaftlich und touristisch zu vermarkten. Dafür entwickelt die MGO Strategien und Konzepte und versucht, diese gemeinsam mit zahlreichen Partnern umzusetzen. Der Erfolg lässt sich hauptsächlich im touristischen Bereich gut messen: Einerseits hinsichtlich der Übernachtungszahlen, andererseits in Bezug auf die eingeworbenen Fördermittel für touristische Marketingprojekte.

Und wie sieht da die Bilanz aus?

Recht gut. Bei den Übernachtungen konnte die Zahl aus dem bisherigen Rekordjahr 2017 annähernd konstant gehalten werden: Ebenso wie damals betteten Touristen circa 1,5 Millionen Mal ihr müdes Haupt in einem gewerblichen Beherbergungsbetrieb (ab zehn Betten) der Region zur Ruhe. Besonders gefragt waren im heißen Sommer des zurückliegenden Jahres die wassernahen Standorte, wozu insbesondere das Lausitzer Seenland zählt. Deren Zuwächse glichen Einbußen anderer Teilregionen aus. So verzeichnete beispielsweise die Stadt Bautzen einen Rückgang um knapp zwei Prozent, wie aus der städtischen Statistik hervorgeht. Projektfördermittel konnten in Höhe von 492 000 Euro eingeworben werden, das sind 47 Prozent mehr als im Vorjahr.

Welche Ziele setzt sich die MGO?

Die Ziele sind durchaus ehrgeizig: Bis 2025 will die Gesellschaft ein jährliches Wachstum der Übernachtungszahlen um zwei bis drei Prozent generieren und damit im Vergleich zu 2018 einen Mehrumsatz von 150 Millionen Euro erreichen. „Das geht vor allem über eine bessere Auslastung der vorhandenen Kapazitäten“, betont Olaf Franke. Diesem Ziel dient die vorgesehene Schärfung des touristischen Profils: „Wir vermarkten drei Leitprodukte, die allesamt bundesligatauglich sind: das ‚Landschaftswunderland‘, das ‚Kulturentdeckerland‘ sowie ‚Pücklers Gartenträume‘ mit dem Muskauer Park als Leuchtturm“, so Olaf Franke. Mit dem Saurierpark Kleinwelka, der Kulturinsel Einsiedel und dem Trixi-Park biete die Oberlausitz zudem beste Voraussetzungen für den Familienurlaub – ein Segment, das sachsenweit noch unterbelichtet sei. Große Potenziale sieht der MGO-Geschäftsführer auch beim Aktivurlaub – ob mit dem Rad oder zu Fuß.

Wo gibt es derzeit Probleme?

Da nennt Olaf Franke zwei Stichworte: Die Lausitzer Fischwochen und die Region Dresdner Heidebogen. Bei den Fischwochen wünscht sich der Geschäftsführer ein größeres Engagement der davon profitierenden Regionen: „Die MGO kann und will die Last nicht mehr alleine tragen.“ Die nach wie vor große Beteiligung von Teichwirten und Gastronomen zeige, dass die Fischwochen als Marketinginstrument gebraucht und angenommen werden. „Der Lausitzer Fisch ist und bleibt als Marke immens wichtig für die Region“, betont Olaf Franke. Der Dresdner Heidebogen als eine von acht Tourismusregionen wiederum steht derzeit ohne touristische Interessenvertretung da. „Dort gab es hinsichtlich der Fördermittel Probleme bei der Abgrenzung zwischen der ländlichen Entwicklung über das Leader-Programm und der touristischen Entwicklung“, erläutert Olaf Franke. Man wolle die touristisch wichtige Region um Kamenz und Königsbrück wieder zurück in die „touristische Familie“ holen, betont der Geschäftsführer.

Und wie sieht es mit dem Wirtschaftsmarketing aus?

Dieser Bereich fällt bei der Betrachtung der MGO schnell unter den Tisch, da sich seine Ergebnisse nicht so leicht messen lassen wie beim Tourismus und der Erfolg bekanntlich immer viele Väter und Mütter hat. Die Bemühungen konzentrieren sich laut Marketingleiter Christoph Pilz auf die Fachkräftegewinnung, wobei es gelte, die vielen Einzelansätze in einer gemeinsamen Strategie zusammenzuführen. Beim Außenmarketing setzt die MGO auf eine Trennung der Bereiche Tourismus und Wirtschaft und auch auf eine Profilschärfung gegenüber dem Oberbegriff Lausitz: „Wir sind froh, dass sich die Oberlausitz als Marke von der Bergbauregion Lausitz abgrenzen lässt“, so Olaf Franke, der damit freilich auch der gemeinsamen Vermarktung der gesamten Lausitz eine klare Absage erteilt.