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Die Oberlausitz ist steinreich

Hier präsentiert Klaus Wagner einen schweren Sandstein, der noch die Schleifspuren eines Gletschers enthält. Gefunden hat ihn der Sammler am knapp 200 Meter hohen Hahnenberg südlich des Lohsaer Ortsteils Hermsdorf (Spree).
Hier präsentiert Klaus Wagner einen schweren Sandstein, der noch die Schleifspuren eines Gletschers enthält. Gefunden hat ihn der Sammler am knapp 200 Meter hohen Hahnenberg südlich des Lohsaer Ortsteils Hermsdorf (Spree). FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Wartha. Manche sind rund, andere eckig, einige richtig schwer. Steine gibt es in der Oberlausitz in verschiedenen Formen und Arten. 300 von ihnen hat der Hobbygeologe Klaus Wagner in einer Ausstellung im Haus der Tausend Teiche in Wartha zusammengetragen. Torsten Richter-Zippack / trt1

Das erste Zusammentreffen zwischen Klaus Wagner und heimischen Steinen hatte einen eher banalen Grund. "Auf meinem Bücherbord sind immer wieder Bücher umgekippt. Da habe ich einfach zu einem Stein gegriffen. Dann standen die Werke in Reih‘ und Glied", erinnert sich der Naturführer im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft an den Beginn seines inzwischen über fünf Jahrzehnte währenden Hobbys. Das war im Jahr 1966. Wie viele Steine der Bautzener inzwischen zusammengetragen hat, kann er nicht genau sagen. "Irgendwann habe ich mit dem Zählen aufgehört", lautet die plausible Begründung. Es seien einfach zu viele geworden. Jedenfalls sind jetzt 300 Exemplare im Haus der Tausend Teiche in Wartha zu bewundern.

Dort findet sich die ganze Bandbreite der Oberlausitzer Geologie, wiev erschiedene Sandsteine. Auf manchen ließen sich sogar noch die Schleifspuren jener mächtigen Gletscher erkennen, die die Steine an ihre Fundstandorte transportierten. Und da wäre natürlich das Brotgestein der Region, die Grauwacke. Seine Exemplare hat sich Klaus Wagner in den Steinbrüchen bei Wittichenau und Oßling geholt. Dort trete das sehr harte Gestein, das unter anderem im Straßen- und Autobahnbau eingesetzt wird, bis an die Erdoberfläche.

Apropos Grauwacke: Nach Angaben des Oberlausitzer Geologen Andreas Gerth ist dieses Gestein das mit Abstand älteste in der Region. Sagenhafte 650 Millionen Jahre habe die Grauwacke bereits auf dem Buckel. Zum Vergleich: Die ersten Menschen gab es vor über einer Million Jahren. Durch vulkanische Prozesse wurde später die Grauwacke teilweise überformt. Das war die Geburtsstunde des berühmten Oberlausitzer Granits beziehungsweise des Granodiorits.

Natürlich sind in der Ausstellung auch verschiedene Raritäten vertreten. Beispielsweise aus der Boxberger Kiesgrube. Dort ist Sammler Wagner auf Feuersteine gestoßen, die ursprünglich aus dem Ostsee-Raum kamen. Als die Eiszeit Mitteleuropa einwinterte, hätten die mächtigen Gletscher die Steine bis in die Oberlausitz mitgenommen. Zu sehen sind auch sogenannte verkieselte Hölzer. Durch den Eintrag von Kieselsäure seien auf diese Weise ganze Wälder versteinert.

Für seine Sammelleidenschaft ist Klaus Wagner gern und oft in der Region auf Achse. Vorzugsweise während der vegetationslosen Zeit. Manchmal läuft der 69-Jährige direkt einem Traktor während der Frühjahrsbestellung hinterher. Seine einfache Begründung: Durch den Pflug kämen immer wieder neue Steine ans Tageslicht.

Die neue Ausstellung im Warthaer Haus der Tausend Teiche ist bis Ende Juni zu den normalen Öffnungszeiten der Einrichtung zu sehen. Sie befindet sich im Oberschoss. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag sowie Ostermontag 9 bis 17 Uhr Preise: Erwachsene 4,50 Euro (ermäßigt drei Euro), Kinder bis sechs Jahre frei, ab sieben Jahren drei Euro, Familien (zwei Erwachsene und maximal vier Kinder) neun Euro.

www.haus-der-tausend-teiche.de