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Die Oberlausitz ist dreigeteilt

Lauban ist die Hauptstadt der polnischen Oberlausitz. Mit ihren 22 000 Einwohnern nimmt sie in der gesamten Oberlausitz Rang sechs ein.
Lauban ist die Hauptstadt der polnischen Oberlausitz. Mit ihren 22 000 Einwohnern nimmt sie in der gesamten Oberlausitz Rang sechs ein. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Hoyerswerda/Weißwasser/Lauban. Die Oberlausitz ist eine landschaftlich reizvolle Region. Rund 780 000 Menschen leben in den historischen Grenzen. Teile der Oberlausitz erstrecken sich auch nach Brandenburg sowie über die Neiße hinweg nach Polen. Torsten Richter-Zippack / trt1

Die meisten Grenzen der Oberlausitz scheinen klar definiert. Im Norden die Landesgrenze zu Brandenburg, im Westen das Flüsschen Pulsnitz, im Süden die Berge. Aber im Osten? Viele Einheimische glauben, dass die Oberlausitz an der Lausitzer Neiße endet. Aber das ist aus historischer wie auch aus geografischer Sicht nicht korrekt. Mehr noch: Östlich der Neiße, also seit nunmehr 70 Jahren auf der polnischen Seite, erstreckt sich sage und schreibe fast ein Viertel dieses Landstrichs. Um genau zu sein, gut 1600 Quadratkilometer. Die Gesamtgröße der Oberlausitz wird mit 7200 Quadratkilometern angegeben. So hat es das Kuratorium "Einige Oberlausitz" festgehalten.

Vergessener Zipfel der Oberlausitz

Rund 780 000 Menschen leben in den historischen Grenzen dieser Gegend, davon 156 000 östlich der Neiße. Das entspricht in etwa 20 Prozent. Darüber hinaus existiert ein winziges Stück Oberlausitz auch in Brandenburg. Dort wird gewöhnlich von der "Ruhlander Oberlausitz" gesprochen. Deren 265 Quadratkilometer Fläche nehmen circa fünf Prozent der Gesamtfläche ein. Man kann also sagen, dass sich die Oberlausitz heutzutage dreigeteilt präsentiert. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts präsentierte sich dieser Landstrich lediglich zweigeteilt, nämlich sächsisch im Süden und preußisch im Norden. Und bis 1815 war die Oberlausitz eins und gehörte zum Königsreich Sachsen.

Von der Neiße bis zum Queis

Doch was hat es nun mit der polnischen Oberlausitz auf sich? Gemeint ist das Gebiet zwischen der Neiße im Westen und dem Queis (polnisch Kwisa), einem Nebenfluss des mächtigen Bobers, im Osten. Dabei handelt es sich um den historischen Grenzfluss, der bis zum Jahr 1815 die Oberlausitz von Niederschlesien trennte. Der östlichste Punkt der Oberlausitz ist ein stückweit östlich von Marklissa im früheren Queiskreis zu finden. Nicht weit entfernt präsentiert sich auch der höchste Punkt dieser Gegend. Dabei handelt es sich um den Tafelstein auf 1072 Metern über dem Meer. Dort stoßen die Oberlausitz, Schlesien und Böhmen aneinander. Heute verläuft dort die Grenze zwischen Polen und Tschechien.

Naturraum als Spiegelbild

Die polnische Oberlausitz gleicht landschaftlich gesehen ihrem deutschen Pendant. Im Norden, also in der Gegend um Halbau und Freiwaldau, erstreckt sich die riesige niederschlesische Heide, eines der größten Waldgebiete Polens. Diese bildet die östliche Fortsetzung der Muskauer Heide auf deutscher Seite. Südlich schließt sich das Teichland an. Besonders in der Görlitzer Heide sind zahlreiche dieser Kleingewässer eingestreut. Anschließend folgt das fruchtbare Gefildeland um Lauban. Dieses geht noch ein Stück weiter südlich ins Bergland über. Schließlich markiert das mächtige Isergebirge die Südgrenze der polnischen Oberlausitz.

Als "Hauptstadt" dieses Landstrichs gilt Lauban/Luban. Der rund 22 000 Einwohner zählende Ort ist die einzige Kommune auf polnischer Seite, die zum historischen Sechsstädtebund gehört. Dieses Gremium war im Mittelalter entstanden, um dem lästigen Raubrittertum ein Ende zu bereiten. Lauban präsentiert sich heute als schmuckes Städtchen mit einem liebevoll rekonstruierten Stadtzentrum rund um den alten Marktplatz. Die Einwohner können im Jahr 2020 das 800. Bestehen Laubans feiern. Bekannt wurde die Stadt vor dem Zweiten Weltkrieg mit dem Werbeslogan "Lauban putzt der Welt die Nase". Kein Wunder, stammten doch rund 95 Prozent der deutschen Taschentuchproduktion aus dieser Stadt.

Weitere bedeutende Orte der polnischen Oberlausitz sind unter anderem die Glasstadt Penzig, Kohlfurt als Eisenbahnknotenpunkt und die Osthälfte von Görlitz (Zgorzelec). Die Bewohner sind heute in der Regel keine angestammten Oberlausitzer mehr, sondern Menschen aus Ost- und Zentralpolen, die unmittelbar nach Kriegsende 1945 in die nunmehr polnischen Gebiete umgesiedelt worden waren. Eine Besonderheit präsentiert indes die griechisch/makedonische Minderheit in Zgorzelec. Diese geht auf Bürgerkriegsflüchtlinge der Jahre 1948 bis 1950 zurück.

Die polnische Oberlausitz wartet neben ihren Städten auch mit diversen weiteren Attraktionen auf. Dazu zählen beispielsweise das Schloss Tzschocha, die Talsperren Marklissa und Goldentraum sowie das Isergebirge. Wirtschaftliches Zentrum bildet die Braunkohleindustrie von Reichenau/Bogatynia mit dem Großkraftwerk Turów.