| 02:48 Uhr

Die Molkerei als ein Hingucker

Einige Schätze wie dieser sieben Jahre alte Käse lagern im Reiferaum der Krabat-Milchwelt in Kotten und warten auf einen besonderen Anlass, um verkostet zu werden. Zu Ostern schneidet Geschäftsführer Tobias Kockert als Delikatessen für den Verkauf ein bis zwei Jahre alte Berg- und Naturkäse an.
Einige Schätze wie dieser sieben Jahre alte Käse lagern im Reiferaum der Krabat-Milchwelt in Kotten und warten auf einen besonderen Anlass, um verkostet zu werden. Zu Ostern schneidet Geschäftsführer Tobias Kockert als Delikatessen für den Verkauf ein bis zwei Jahre alte Berg- und Naturkäse an. FOTO: Christiane Klein/chk1
Wittichenau. Die Krabat-Milchwelt in Kotten zieht eine positive Bilanz: Die Gläserne Käserei, die zur Wittichenauer MKH Agrar-Produkte-GmbH gehört, hat erneut mehr Milch verarbeitet. Aus rund 260 000 Litern haben die Mitarbeiter der Milchwelt in den vergangenen zwölf Monaten Käse, Quark und Co hergestellt. Inzwischen ist die Schaukäserei auch für Touristen und Besucher zu einer gefragten Adresse geworden. Christiane Klein / chk1

Das Konzept, moderne Kreislaufwirtschaft erlebbar zu machen, ist aufgegangen. Seit dem Jahr 2008 wird in Kotten - direkt neben dem Kuhstall - Milch verarbeitet. "Wir haben seither die Verarbeitungsmenge in jedem Jahr gesteigert", sagt Tobias Kockert, der gemeinsam mit Holger Schulz die Geschäfte führt. Im vergangenen Milchwirtschaftsjahr, das am 31. März endete, sei die Menge erneut um rund acht Prozent erhöht worden.

Im Vergleich zu den circa 2,8 Millionen Litern Milch, die die rund 300 Kühe im Kottener Stall pro Jahr geben, sind die 260 000 Liter ein Tropfen im Glas. Aber sie sind die Basis für die Philosophie des Agrarbetriebes: Unter dem Motto "Kuh - Käse -Kilowatt" wollen die Landwirte zeigen, wie moderne Landwirtschaft funktioniert und setzen dabei auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Die Kühe bekommen das Futter, das auf den Flächen der MKH angebaut wird. Die Rindergülle wird zum Düngen der Felder verwendet und geht zum Teil auch in die 536-kW-Biogas-Anlage, die auf dem Gelände der Milchwelt steht. Die Energie wiederum fließt teilweise in den Betrieb der Käserei.

Die Idee der gläsernen Kreislaufwirtschaft wurde vor Jahren noch unter dem damaligen Geschäftsführer Gerhard Kockert eher aus der Not heraus geboren: Die Milchpreise gingen in den Keller und wer überleben wollte, musste neu denken. Und so geht es bei der Krabat-Milchwelt auch um eine höhere Wertschöpfung. "Wir bekommen derzeit 27,5 Cent pro Liter", sagt Tobias Kockert, der das Gros der Kottener Milch an Großmolkereien liefert. Angesichts der Tiefpreise sei effizientes Arbeiten ein Dauerthema, betont der Landwirt immer wieder. Das gilt auch für die Investition, die in diesem Jahr geplant ist: Im Bereich Pflanzenproduktion soll die Düngetechnik ausgetauscht werden, "um effizienter produzieren zu können", wie der Geschäftsführer erklärt. Aktuell bewirtschaftet die MKH etwa 2700 Hektar und ist Arbeitgeber für insgesamt 60 Mitarbeiter.

"Wir wollen den Standort weiter entwickeln", betont Tobias Kockert. Im vorigen Jahr hat die Krabat-Milchwelt bereits kräftig investiert: Rund 1,1 Millionen Euro flossen nach Angaben des Unternehmens in einen neuen Stall sowie in moderne Futter- und Lagertechnik. Die neue Stallanlage, in der etwa 100 Kühe untergebracht werden können, gehört zum Besichtigungsprogramm, das Besucher auf dem Hof geboten bekommen. Mehrere Reisegruppen steuern die Gläserne Käserei pro Woche an, um Landwirtschaft hautnah zu erleben. Und es sollen nach dem Willen von Tobias Kockert noch mehr werden. "Wir haben zusammen mit regionalen Partnern buchbare Angebote entwickelt", sagt der Geschäftsführer. Dabei können Besuchergruppen Sorbische Traditionen entdecken, die zweisprachige Lausitz erkunden, sich auf Krabats Spuren begeben und sich in der Milchwelt Lausitzer Spezialitäten schmecken lassen.

Rund um den Hofladen ist inzwischen ein weitverzweigtes Vertriebsnetz für die Milchprodukte gewachsen, das sich rund um Kotten bis nach Dresden, Görlitz, Zittau, Niesky, Hoyerswerda und Cottbus spannt. Kockert setzt auf Direktvermarktung, verkauft seine Waren auf Wochenmärkten und über Partner wie handwerkliche Fleischereien und Bäckereien. "Das Schwierigste ist die Logistik", sagt der Landwirt. Denn Milchprodukte brauchen Frische und damit schnelle Wege zum Kunden - eine Herausforderung, die Tobias Kockert wie andere Direktvermarkter auch künftig beschäftigen wird.