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| 21:20 Uhr

Hoyerswerda
Über die Lebensleistung Zehntausender

Viele Foto- und Informationstafeln hat der Traditions- und Förderverein „Glückauf Schwarze Pumpe“ mit Hilfe vieler Partner gestalten können.
Viele Foto- und Informationstafeln hat der Traditions- und Förderverein „Glückauf Schwarze Pumpe“ mit Hilfe vieler Partner gestalten können. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Eine neue Ausstellung im Lausitz-Center verbindet die Geschichte von Schwarze Pumpe und Hoyerswerda. Von Sascha Klein

Es sind Bilder – viele Bilder. Für viele Hoyerswerdsche zwischen 3 und 30 sind es womöglich „nur“ alte Fotos. Doch vor allem für viele Ältere sind die Bilder dieser neuen Ausstellung im Lausitz-Center Geschichte. Sie sind ein Teil ihres Lebens. Sie sind ein Teil einer großen Aufbauleistung. Die Ausstellung „…über 60 Jahre – Schwarze Pumpe und Hoyerswerda Neustadt – ein gemeinsamer Weg“ erzählt Geschichten über die einst jüngste Stadt der DDR, über Menschen, die im Lausitzer Sand eine ganz neue Art von Wohnen und Leben haben entstehen lassen – und über das große Kombinat, das ab 1955 geplant und ab 1956 gebaut wurde und im Land und darüber hinaus von sich reden machte: Schwarze Pumpe, bis 1989 der größte Braunkohlenveredlungsbetrieb der Welt.

Die Mitglieder des Traditions- und Fördervereins Glückauf Schwarze Pumpe haben in monatelanger Kleinarbeit Material gesichtet, ausgewählt, in Themen zusammengefasst und bearbeitet. Herausgekommen ist das, was Dr. Günter Seifert und seine Mitstreiter am Montagabend vorgestellt haben. Dabei hat das Lausitz-Center die Ausstellung, entgegen der Planung, sogar schon am Samstag eröffnen müssen. Das Interesse sei derart groß gewesen, sagte Center-Manager Dieter Henke, dass die Gäste nicht mehr länger warten wollten.

„Unser Ziel ist es“, sagte Günter Seifert während der Eröffnung am Montagnachmittag, „die Lebensleistung Zehntausender zu würdigen.“ Sie hätten sowohl das Kombinat Schwarze Pumpe als auch die Neustadt Hoyerswerdas gemeinsam aufgebaut. Deshalb sei der Abschnitt, in dem der Aufbau von Kombinat und Neustadt beschrieben werden, für viele auch der beeindruckendste gewesen. Die Ausstellung zeige 35 Jahre Geschichte eines Vorzeige-Kombinats und 35 Jahre Geschichte der zweiten sozialistischen Wohnstadt in der DDR, sagte Seifert, aber auch 28 Jahre der Wiedervereinigung. Einen Aderlass hat es wegen der engen Verknüpfung zwischen Schwarze Pumpe und Hoyerswerda bei beiden gegeben. Einst arbeiteten 15 000 Menschen in Pumpe – mehr als 70 000 Menschen wohnten in Hoyerswerda. Heute gibt es in Schwarze Pumpe 4300 Jobs, in Hoyerswerda wohnen noch knapp 33 000 Menschen.

Günter Seifert zog jedoch auch Parallelen zwischen 1989 und heute. „Man muss fordern, dass die Kohlekommission kein Szenario für das Ende der Kohle entwickelt“, sagte er. „Sie soll ein Szenario für die Lausitz für die nächsten 50 bis 100 Jahre entwerfen.“ Seifert weiter: Direkt nach der Wende 1989 habe es keinen Plan B für Schwarze Pumpe, für Hoyerswerda, für Tausende Eisenbahner und Beschäftigte in Großbäckerei, der Molkerei, beim WBK und beim BMK Kohle und Energie gegeben. „So etwas wie 1989 darf der Region nicht noch einmal passieren“, betonte Seifert.

Die Ausstellung ist in den kommenden zwei Wochen im Lausitz-Center zu sehen.

Anlässlich der Eröffnung hat auch LMBV-Abteilungsleiter Gerd Richter einige Grußworte gesprochen.
Anlässlich der Eröffnung hat auch LMBV-Abteilungsleiter Gerd Richter einige Grußworte gesprochen. FOTO: LR / Sascha Klein