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| 01:25 Uhr

Die Lausitzer und deren Kultur

Hoyerswerda. Seit mehr als vier Jahrzehnten pflegt der Hoyerswerdaer Kunstverein gemeinsam mit den sorbischen Landsleuten der Lausitzer die Kenntnis von deren Kultur. M. Schmidt


Dazu gehörten Ausstellungen mit den bekanntesten Künstlern, Lesungen mit den Schriftstellern Mercin Nowak-Neumann, Jurij Brezan, Kito Lorenc, Roza Domascina, eigene Programme zum Werk von Handrij Zejler, Jurij Koch und Vorträge von Professor Dr. Hartmut Zwahr und Professor Dr. Dietrich Scholze vom Sorbischen Museum Bautzen. Neue Anstöße vermittelten Vortrag und Diskussion mit Katharina Elle über Vorurteile zwischen Sorben und Deutschen und umgekehrt.

Aus gemeinsamem Nachdenken erwuchs eine Vereinbarung zwischen dem Beirat für sorbische Angelegenheiten der Stadt Hoyerswerda und dem Hoyerswerdaer Kunstverein, regelmäßig Veranstaltungen zum sorbisch-deutschen Miteinander gemeinsam durchzuführen. Den Anfang machte der sorbische Superintendent Jan Malink mit einer Diskussion zur Geschichte der Sorben in und um Hoyerswerda.

Nun sehen die Partner mit Freude zwei Veranstaltungen zum 32. Fest der sorbischen Poesie entgegen. Am Montag, dem 9. August, von 12.30 bis 14 Uhr lesen sorbische, ukrainische und deutsche Schriftsteller im Lessing-Gymnasium aus ihren Werken und führen Gespräche mit den Schülern.

Dieser poetische Auftakt zum Schuljahresbeginn entspricht in bester Weise dem musischen Profil des Hoyerswerdaer Lessing-Gymnasiums. Um 19 Uhr laden der Sorbische Künstlerbund, der Hoyerswerdaer Kunstverein und der Beirat für sorbische Angelegenheiten zu einer Lesung ins Schloss Hoyerswerda ein. Dichter aus drei Ländern erinnern an Begegnungen mit der Schriftstellerin Dr. Gisela Kraft, die am 5. Januar dieses Jahres in Bad Berka starb. Die 1936 in Berlin geborene, dort auch aufgewachsene, Künstlerin und Wissenschaftlerin widmete sich von 1965 - 1972 der Theaterkunst, studierte dann Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin, promovierte und lehrte dort bis 1983 türkische Dichtung und Kunst. Sie gründete die Neue Gesellschaft für Literatur mit, beteiligte sich aktiv an der damaligen Friedensbewegung und an der Initiative ,,Künstler für den Frieden''. Seit 1984 lebte die Dichterin in der DDR, seit 1997 in Weimar. Dort erhielt sie 2006 und 2009 den Weimar- und den Christoph-Martin-Wieland-Preis für ihre Nachdichtungen türkischer Literatur, besonders der Werke von Nazim Hikmet, Aras Ören und Bekir Yildis. Im Schloss werden Peter Huckauf (Berlin), Benno Budar, Benedikt Dyrlich (Bautzen) und Grigorij Mowtschanjuk (Winnice/Ukraine), Hans Jürgen Döring (Leinefelde) an Gisela Kraft erinnern, Angela Potowski liest Nachdichtungen von Gisela Kraft zu Marja Krawcec “Ralbitzer Sonntag„ und das Gedicht “Marjas Augen„. Die unterschiedlichen Betrachtungsweisen des sorbisch-deutschen Miteinanders zeigen, welche inhaltliche Vielfalt der Lausitz damit geschenkt ist.