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Die Lauben-Uhr steht auf "winterfest"

Felix Berndt pflückt in seinem Gartendomizil die letzten Äpfel vom Baum und freut sich insgesamt über eine reiche Ernte.
Felix Berndt pflückt in seinem Gartendomizil die letzten Äpfel vom Baum und freut sich insgesamt über eine reiche Ernte. FOTO: Anja Hummel
Hoyerswerda. Gartensaison adé: Trotz kühler Temperaturen herrscht in den Grünanlagen der Umgebung derzeit jede Menge Trubel. Die Mission: winterfeste Gärten schaffen. Die anstehende Jahreszeit bringt aber nicht nur Kälte und Schnee mit sich, sondern auch vermehrt pächterlose Gärten. Anja Hummel

Am Apfelbaum von Felix Berndt flattern noch rote und blaue Bänder. Angebracht als Vogelabwehr, sind sie in diesen Tagen einige der wenigen übrig gebliebenen Farbtupfer im Garten. "Ich ernte jetzt noch die letzten Äpfel und dann kommen auch die Bänder ab", sagt der 59-Jährige, der seit etwa zehn Jahren eine Parzelle im Hoyerswerdaer Gartenverein "Neue Zeit" besitzt. Wie für Felix Berndt ist die Uhr aller Gartenfreunde derzeit auf "winterfest" gestellt. Beete umgraben, Pflanzen zurückschneiden oder die Laube ausräumen sind für ihn die "gängigen Arbeiten" zu dieser Jahreszeit. Mit diesen Tätigkeiten ist er nicht alleine, wie die Zahlen zeigen.

Denn laut Kleingärtnerverband gibt es in Hoyerswerda und dem Umland 71 Gartenanlagen, die von fast 3 900 Kleingärtnern bewirtschaftet werden. Wie für viele von ihnen ist der Garten auch für Felix Berndt ein "Ausgleich zur Arbeit". In der Saison investieren er und seine Frau täglich bis zu drei Stunden in ihr grünes Domizil. "Aber wir arbeiten gemütlich, ohne Stress", sagt der Hoyerswerdaer.

Diese Zeit könne jedoch nicht jeder aufbringen, wie er schon in der Nachbarschaft festgestellt hat. "Es ist hier öfter mal ein Kommen und Gehen", spricht Felix Berndt über wechselnde Parzellen-Pächter. Das bestätigt auch Wolfgang Delor, Vorsitzender des Gartenvereins "Neue Zeit". Sechs leer stehende Gärten gebe es derzeit. "Es passiert schnell, dass jüngere Leute nach einem Jahr schon wieder weg sind", so Delor. Keine Überraschung sei das, wenn die Leute doch in Lohn und Brot stünden und dann merkten, dass sie nicht genügend Zeit hätten. Die Zahl der momentan leer stehenden Parzellen sei allerdings nicht ungewöhnlich. "Im Frühjahr kommen dann wieder neue Kleingärtner", weiß Wolfgang Delor aus Erfahrung. Dass es zum Ende der Saison vermehrt zur Abgabe der Gärten kommt, sagt auch Peter Zwahr, stellvertretender Vorsitzender der Gartenanlage "Elsterland" in der Senftenberger Vorstadt. "In der Regel ist es so, dass die meisten den Garten noch bis September bewirtschaften und ihn dann versuchen loszuwerden." Zwar fehlen auch hier einigen Lauben noch tatkräftige Besitzer, aber "wir sind drauf und dran, zwei Gärten an neue Pächter zu übergeben", so Zwahr, der die derzeitige Situation als weniger dramatisch betrachtet. "Der Schwund in den Gartenanlagen bleibt generell nicht aus." Viele Ältere könnten nicht weitermachen, und ehe ein Nachfolger gefunden sei, vergehe nun mal Zeit.

Ein solcher Nachfolger in der Elsterland-Gartenanlage ist Klaus-Dieter Berg. Vor zwei Jahren hat er 120 Quadratmeter von einem Rentner übernommen. Nun ist der 55-Jährige selber fleißig am Werkeln, um alles winterfest zu bekommen. "Ich bin auch viel in anderen Gärten unterwegs, um ältere Leute zu unterstützen", erzählt der Hoyerswerdaer. So gebe es ohne seine Hilfe vielleicht noch einige leer stehende Gärten mehr in der Stadt.

Wer sich für einen Garten interessiert, kann beim Kleingärtnerverband unter 03571 415353 nachfragen oder sich im Internet unter www.vkh-hy.de erkundigen.