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| 10:10 Uhr

20 Jahre Zweckverband Sächsisches Industriemuseum
Zwischen Digitalisierung und Historie

Museumsleiterin Kirstin Zinke in der Fabrik III, in der das Herzstück der Ausstellung entstehen soll. Der authentische Charme der ehemaligen Brikettfabrik soll mit dem Umbau erhalten bleiben.
Museumsleiterin Kirstin Zinke in der Fabrik III, in der das Herzstück der Ausstellung entstehen soll. Der authentische Charme der ehemaligen Brikettfabrik soll mit dem Umbau erhalten bleiben. FOTO: LR / Anja Hummel
Knappenrode. Die Ansprüche an Museen haben sich gewandelt. Auch die Energiefabrik Knappenrode will den Spagat zwischen modern und original schaffen. Von Anja Hummel

Es ist eine Mission, die es in sich hat: „Auch in 50 Jahren soll es in der Fabrik noch so riechen und aussehen, als wären die Brikettpressen erst gestern stehengeblieben“, formuliert Kirstin Zinke das gesetzte Ziel. Die Leiterin der Energiefabrik Knappenrode sitzt im ehemaligen Kühlhaus des heutigen Museums.

Noch kurz zuvor haben hier knapp 100 Menschen der Rede des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer gelauscht, der die Fabrik als „spektakulär“ bezeichnete. Der Anlass am Montagnachmittag: 20 Jahre Zweckverband Sächsisches Industriemuseum, dem auch das Knappenroder Kulturdenkmal als einziges Zeitzeugnis der Braunkohleverarbeitung in der Oberlausitz angehört. Es ist ein Tag, an dem der Stellenwert der Industriekultur honoriert, aber gleichermaßen über die anstehenden Herausforderungen gesprochen wird. „Der digitale Wandel hat auch die Ansprüche an Museen grundlegend verändert“, sagt Oliver Brehm als Geschäftsführer des Zweckverbandes. So müssten die Einrichtungen einerseits schnell auf die neuen Gegebenheiten reagieren, gleichzeitig aber ihre Rolle als Orte des Wissens bewahren. Genau diesem Anspruch will die Energiefabrik in Knappenrode in den nächsten Jahren gerecht werden. Der Umbau der weitläufigen Museumslandschaft zu einer kompakten Dauerausstellung läuft in vollem Gange. Die Einzigartigkeit und Originalität des Ortes mit der Digitalisierung in Einklang zu bringen sei aber alles andere als einfach. Kirstin Zinke: „Es ist eine Herausforderung, ein modernes Museum zu errichten, ohne die Authentizität zu zerstören oder es albern wirken zu lassen.“ Und doch sei das perfekte Konzept gefunden, dass den Besuch gerade auch für junge Menschen zu einer spannenden Zeitreise werden lässt. Kirstin Zinke spricht von durchsichtigen Plasma-Bildschirmen, die die Besucher erst mit Informationen versorgen, wenn sie tatsächlich davorstehen. Aus der Ferne sei so ein freier Blick in die großen Fabrikräume möglich. Auch soll es einen barrierefreien Personenaufzug geben, der auf das Dach der Halle führt und einen 360-Grad-Panoramablick ermöglicht. „Schon in den vergangenen Jahren haben wir extrem bei den jungen Leuten aufgeholt“, versichert die Museumsleiterin. Nicht nur hinsichtlich der Arbeit mit Schulklassen und Kindergärten. Etwa 25 000 Menschen kommen jährlich in die Energiefabrik. Mit dem Umbau sollen die Zahlen weiter in die Höhe schnellen: 2030 wird mit 75 000 Besuchern gerechnet.

Bereits 2020 – pünktlich zum Jahr der Industriekultur Sachsens – soll die Energiefabrik endgültig im neuen modern-authentischen Glanz die Pforten für die Besucher öffnen. Bis dahin sollen die vier Teilprojekte für insgesamt fast zehn Millionen Euro abgeschlossen sein: der Umbau der Fabrik III mit Touristinfo und Museum, die Erschließung der Medien, die Gestaltung des Gesamtareals und der Straßenbau. Der Weg, der künftig zum Herzen des Museums führen wird, soll bereits am 4. Dezember offiziell eingeweiht werden. Dann wird auch der neue Name der Straße verkündet. Vorschläge dafür konnten Bürger in der Hoyerswerdaer Stadtverwaltung einreichen. Welcher originelle Titel es letztendlich auf das Straßenschild schafft, entscheidet der Stadtrat.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer war zur Jubiläumsveranstaltung in der Brikettfabrik vor Ort in Knappenrode.
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer war zur Jubiläumsveranstaltung in der Brikettfabrik vor Ort in Knappenrode. FOTO: LR / Anja Hummel
Die neue Straße zum künftigen Haupteingang wird derzeit gebaut. Bürger konnten Namensvorschläge für die Straße einreichen.
Die neue Straße zum künftigen Haupteingang wird derzeit gebaut. Bürger konnten Namensvorschläge für die Straße einreichen. FOTO: LR / Anja Hummel