| 19:15 Uhr

Hoyschrecke 2017
Die Hoyschrecken gehen nach Berlin

Pure Freude: Die Musikgruppe „Lari und die Pausenmusik“ aus Berlin wurde vom Publikum gefeiert und konnte die metallene Hoyschrecke als Publikumspreis entgegennehmen
Pure Freude: Die Musikgruppe „Lari und die Pausenmusik“ aus Berlin wurde vom Publikum gefeiert und konnte die metallene Hoyschrecke als Publikumspreis entgegennehmen FOTO: Anja Guhlan
Hoyerswerda. Handgemachte musikalische Vielfalt in der 21. Auflage: Die Hoyerswerdaer Liedermacher-Auszeichnung wandert in diesem Jahr gleich zweimal in die deutsche Hauptstadt. Von Anja Guhlan

Der Saal im Bürgerzentrum der Kulturfabrik in Hoyerswerda ist proppenvoll. Die ­21. Vergabe des Hoyschrecken-Paares für herausragende Leistungen in der Liedermacherei steht an. Aus acht Teilnehmern haben es am Ende das Duo „Steinlandpiraten“ aus Berlin-Pankow und die Musikgruppe „Lari und die Pausenmusik“ aus Berlin-Wedding geschafft — sie sind die Sieger des Abends und haben sowohl die  Jury als auch das Publikum des 21. Liederfestes von ihrem Talent als Songwriter und Musiker überzeugen können. Jeweils 500 Euro und eine der begehrten metallenen Hoyschrecken  des Hoyerswerdaer Gestalters Helge Niegel gehen nach Berlin.

Am Ende hatte der politische Song „Die Welt muss wissen“, der allen Whistleblowern und deren Unterstützern gewidmet ist, die Jury am meisten überzeugt.  „Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Mannings sind weltbekannte Whistleblower, sie erfahren viel mediale Aufmerksamkeit und Unterstützung. Aber es gibt auch viele Whistleblower, deren Namen nur wenige kennen und die kaum Anerkennung erfahren, die aber für ihre Liebe zur Aufklärung der Gesellschaft viele Nachteile in Kauf nehmen müssen. Viele unter ihnen verlieren ihren Arbeitsplatz  oder müssen sich langwierigen Gerichtsverhandlungen stellen“, erklärt Patti Heidrich von den „Steinlandpiraten“.

Meistens schreibt sie die Texte, während der Gitarrist Karsten Schützler die musikalische Komposition übernimmt. Über den Preis freut sich das Duo sehr. Patti kommt aus dem Strahlen nicht mehr heraus und für Karsten wirkt der Sieg noch etwas unreal. Beide sind Gundermann-Fans und interpretieren seit Jahren die Lieder des Lausitzer Songpoeten. „Wir wollten unbedingt einmal wegen der Verbindung zu Gundermann in Hoyerswerda spielen, deswegen die Anmeldung zum Wettbewerb. Eigentlich finden wir Wettkämpfe nicht so toll. Aber Ehrgeiz haben wir dennoch entwickelt und freuen uns jetzt umso mehr über den Sieg“, so Karsten Schützler.

Auch die Musikgruppe „Lari und die Pausenmusik“ konnte das Publikum vollends überzeugen. „Wir machen ehrliche Musik, sagen stets alles geradeaus und kombinieren Inhalt mit Humor“, meint Lari, der der Kopf der vierköpfigen Truppe ist. Mit ihren Songs „Liebe, Schnaps und Revolution“, „Nicht so wie du“ und „Wir“ möchten sie  Flagge zeigen — gegen Gentrifizierung und Vorurteile. Außerdem wollen sie für ein stärkeres Wir-Gefühl eintreten. Damit begeisterten  sie die Mehrheit des Publikums. „Witzig, provokant und gerade heraus“, lobt ein Zuschauer die Musik der Berliner Musikgruppe.

Wie in jedem Jahr verlangten die Songs der acht Bewerber in vier Konzertstunden dem Auditorium einiges an Emotionen ab.

Konnten die Zuhörer zu Beginn über Claudia Woloszyns „Lied für den Fluss“ und bei Peggy Lucks Song „Kreide“ noch leise Nachdenken, verglich Jante aus Leipzig die Liebe in seinem literarischen Song „Karten im Wind“ mit einem Spiel. Auch die Musikgruppe „Laute Welt“ verzauberte das Publikum mit einem Liebeslied, während Andreas Zöllner mit seinem politischen Song „Nachrichten“ den Dadaismus wieder populär machte. Zuletzt sorgte Florian Wagner aus Bayern für die meisten Lacher, als er sein „Schlechtes Lied“ präsentierte.

Generell ist die 21. Auflage der Hoyschrecke bei den Besuchern gut angekommen. „Die Wettbewerbsbeiträge sind sehr vielfältig und interessant gewesen. Mir ist es heute wichtig, handgemachte Musik präsentiert zu bekommen. Meine Favoriten waren auch die Steinlandpiraten“, meint der Hoyerswerdaer René Köhlert (41). „Ich fand die musikalischen Beiträge wirklich bunt. Sowohl instrumental als auch textlich waren alle Beiträge vielfältig“, meint Claudia Illing (26), die Jante favorisierte.

Auch Matthias Klement (55) aus dem Erzgebirge sitzt im Publikum und freut sich, dass es im nächsten Jahr eine neue Auflage geben soll.  „Ich bin zum ersten Mal dabei und finde die Vielfalt super. Ich bin selber  Liedermacher und fand Claudia Woloszyns Beiträge gut. Nun überlege ich selbst im nächsten Jahr teilzunehmen.“ In diesem Jahr hatten sich 29 Bewerber um einen Auftritt bei der Hoyerswerdaer Hoyschrecke beworben. Letztendlich schaffen es immer acht Teilnehmer in den Wettbewerb, aus denen am Ende zwei Sieger hervorgehen.

Die „Steinlandpiraten“ aus Berlin haben die Jury am meisten überzeugt. Sie konnten die Hoyschrecke als Jurypreis  in Empfang nehmen.
Die „Steinlandpiraten“ aus Berlin haben die Jury am meisten überzeugt. Sie konnten die Hoyschrecke als Jurypreis in Empfang nehmen. FOTO: Anja Guhlan