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| 14:57 Uhr

Hoyerswerda
Die heißen Ecken im Blick

Hoyerswerda. Unfall ist nicht gleich Unfall. Experten in Hoyerswerda schauen an insgesamt 21 Problem-Kreuzungen ganz genau hin. Von Sascha Klein

Die „heißesten Ecken Hoyerswerdas“ kommen auf den ersten Blick meist recht unspektakulär daher. Und trotzdem kann es sein, dass es an vermeintlich normalen Kreuzungen öfter kracht als an anderen. Ist das Zufall? Möglich ist das, doch die Hoyerswerdaer Verkehrsunfallkommission, bestehend aus Verwaltung und Polizei, schaut bei den 21 definierten Verkehrsknotenpunkten in der Stadt ganz genau hin.

Wie an der Kreuzung Bautzener Allee / Einsteinstraße – dort, wo das Centrum-Warenhaus steht. Doch bei diesem Verkehrsknoten hat Götz Gleiche, Fachgruppenleiter im Hoyerswerdaer Bürgeramt, schon einen Haken dahinter gemacht. Im Jahr 2016 hatte es dort 17 Unfälle gegeben – viel mehr als üblich. Die einfache Erklärung: Im Jahr 2016 war die Görlitzer Brücke gesperrt, der Verkehr kroch über die Einsteinstraße Richtung B 96 und Industriegelände. Also: Fall geklärt. Inzwischen haben sich Verkehr und Unfallzahlen (vier Unfälle 2017) wieder normalisiert.

Anderer Fall: die Kreuzung Stauffenberg-Straße / Liselotte-Herrmann-Straße. Dort haben die „Fahnder“ der Verkehrsunfallkommission einige Zeit vor einem Rätsel gestanden. Wieso passieren dort vermehrt Unfälle, obwohl die Kreuzung mit Ampeln ausgestattet und dazu fast perfekt einsehbar ist? Die Experten vermuten: Ein kleiner Pfeil könnte schuld sein. Denn: Meistens ist es dort zu Zusammenstößen gekommen, obwohl der Fahrer aus der Herrmann-Straße Rot gehabt haben müsste. Die vermeintliche Lösung: Autofahrer sehen an der Ampel den aufleuchtenden Grünpfeil zum Rechtsabbiegen aus dem Augenwinkel, glauben, dass auch sie Grün haben und fahren los. Das Ergebnis: 13 Unfälle zwischen 2015 und 2017. Jetzt will das Bürgeramt reagieren: Der Grünpfeil aus Richtung WK IX wird in den nächsten Wochen abgebaut, betont Götz Gleiche. Nun wird sich zeigen, ob die Vermutung der Verkehrsexperten richtig gewesen ist. In der anderen Richtung bleibt der Grünpfeil jedoch.

Nächste Problem-Kreuzung: die eigentlich eher kleine Kreuzung Ratzener Straße / Kühnichter Straße / Grollmuß-Straße. Dieser Ort befindet sich genau gegenüber der Parkplatz-Ausfahrt des Klinikums. Mit dem Verkehr dort hat das Problem jedoch nichts zu tun, sind die Verkehrsexperten sicher. Es sei jedoch mehrmals passiert, dass Autofahrer aus der Ratzener Straße Fahrradfahrer auf der Kühnichter oder Grollmuß-Straße übersehen haben. „Autofahrer haben dort das Gefühl, dass sie weiter vorfahren können als sie sollten“, sagt Götz Gleiche. Deshalb reagiert die Stadtverwaltung: „Es fehlt die Markierung der Furt. Wenn das Wetter das wieder zulässt, wird dort eine Kennzeichnung aufgebracht“, so Gleiche.

Der Prototyp einer Gefahren-Kreuzung liegt in der Hoyerswerdaer Altstadt. An der Kreuzung Kolpingstraße / Alte Berliner Straße / Elsterbogen kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen. 13-mal hat es dort zwischen 2015 und 2017 geknallt. Dort knickt die Vorfahrt von der Kolping- in die Alte Berliner Straße ab. Vom Kreisverkehr und vom Elsterbogen können ebenfalls Fahrzeuge kommen. Allerdings sind nicht die Letztgenannten das Problem, sondern vor allem diejenigen, die von der Kolpingstraße kommend geradeaus in die Straße Am Elsterbogen fahren wollen. Ein Problem: Die Markierung auf dem Asphalt, die zeigt, dass die Hauptstraße abknickt, ist so gut wie abgefahren. Sie soll im Frühjahr 2019 erneuert werden. Götz Gleiche betont, dass die Vorfahrtregelung unverändert bleiben soll. Eine Steuerungsmöglichkeit seien zum Beispiel größere Schilder.

Besonders häufig hat es 2017 an der Kreuzung Kamenzer Bogen / Wittichenauer Straße – besser bekannt als Wittichenauer Kreuzung – gekracht, insgesamt 13mal. In den Jahren 2018 und 2019 ist es dort vermeintlich ruhig, denn es wird weiterhin an der Ortsdurchfahrt Dörgenhausen gebaut. Der Weg von und nach Wittichenau ist an dieser Kreuzung versperrt.

An einer weiteren Stelle haben die Experten einen Erfolg zu vermelden: Am jahrelangen Unfallschwerpunkt Heine-Straße / Steinstraße ist nach dem Ändern der Vorfahrt und der Einbahnstraßenregelung für das Teilstück Richtung fünfarmiger Knoten Ruhe eingekehrt.