| 18:13 Uhr

Hoyerswerda
Die guten Seelen mit der Wolle

Iris Bommel-Uhlmann (l.) und Uta Sanftleben stricken gemeinsam mit anderen Frauen Mützen und Schuhe für Neugeborene. Diese Strickwaren werden im Klinikum Hoyerswerda verteilt und sind unter jungen Eltern sehr begehrt. Denn: Es sind alles Einzelstücke.
Iris Bommel-Uhlmann (l.) und Uta Sanftleben stricken gemeinsam mit anderen Frauen Mützen und Schuhe für Neugeborene. Diese Strickwaren werden im Klinikum Hoyerswerda verteilt und sind unter jungen Eltern sehr begehrt. Denn: Es sind alles Einzelstücke. FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Weshalb wenige Frauen ehrenamtlich viele Hundert Baby-Sachen stricken und damit im Hoyerswerdaer Klinikum viele Familien glücklich machen. Von Sascha Klein

Treffpunkt Haus der Parität in Hoyerswerda, kurz nach zehn Uhr. Iris Bommel-Uhlmann kommt durch die Tür gefegt. Im Schlepptau: ihr Mann, in den Händen: Tüten voller Wolle. Alle Farben, mal akkurat aufgerollt, mal komplett durcheinander. Sie stellt die Tüten auf dem Boden ab, zieht die Jacke aus – erst einmal ankommen. Drei andere Frauen sind noch da. Sie treffen sich dort alle paar Wochen. Auf dem Tisch liegt, was sie in dieser Zeit geschafft haben. Und das ist eine Menge.

Die vier Frauen zaubern vielen Eltern regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht. Meist dann, wenn in Hoyerswerda wieder ein Baby zur Welt gekommen ist. Die vier Frauen statten die Kleinsten mit dem aus, was in diesen ersten Tagen so wichtig ist: Wärme. Sie sind diejenigen, die die Mützen und Schuhe in Mini-Größe machen, die frischgebackene Eltern im Lausitzer Seenland Klinikum für ihre Sprösslinge bekommen. Und die sind heißbegehrt. In so manchem Haushalt werden sie für alle Zeit als Erinnerung aufgehoben.

Dabei war es eher ein Zufall, dass Iris Bommel-Uhlmann zu der Frau geworden ist, die beinahe täglich Eltern glücklich macht. Vor einigen Jahren, als eines ihrer Enkelkinder auf der Intensivstation gelegen hat, hatte sie es „eingestrickt“, wie sie sagt. Das ist nicht unbemerkt geblieben. Erst hat sie für die Babys auf der Intensivstation gestrickt – für die einstige Krankenschwester eine Herzensangelegenheit. Inzwischen ist das zur Passion geworden.

Doch alleine kommt sie schon lange nicht mehr hinterher. Jetzt kommen die anderen drei Frauen am Tisch ins Spiel: Uta Sanftleben, Petra Ryborsch und Solveig Kunze stricken und häkeln mit. Wann sie das machen? „In jeder freien Minute“, sagt Iris Bommel-Uhlmann. Kurzes Gelächter im Raum. Aber irgendwie stimmt das doch. „Kaffee ohne Strickzeug schmeckt doch nicht“, heißt es da. Auch Solveig Kunze hat das Strick- und Häkelfieber voll erwischt: „Das macht wirklich süchtig“, sagt sie. Dabei ist Solveig Kunze eher durch Zufall zur Handarbeit gekommen. Vor Jahren, während eines Ein-Euro-Jobs, hat sie es über Nacht gelernt, um einer Kollegin eins auszuwischen. Jetzt hat sie ihre Werke vor sich ausgebreitet – fertig für die nächsten Baby-Füße und Baby-Köpfchen. „Die ersten Sachen, die Du gemacht hast, waren wirklich einfach“, sagt Iris Bommel-Uhlmann rückblickend „Aber jetzt machst Du richtig tolle Sachen.“

Viele der Schuhe und Mützchen sind tatsächlich kleine Kunstwerke. Woher kommen da nach Hunderten Stück neue Ideen? „Ach, es gibt so viele Handarbeitsseiten im Internet. Da holt man sich schon Ideen“, sagt die Initiatorin. Inzwischen sind die Frauen extrem schnell. Ein Handschuh ist in einer Stunde gestrickt – häkeln geht meist noch schneller.

Doch für so viele Mützen, Handschuhe und Schuhe werden Massen von Wolle gebraucht. Wo die herkommen? Iris Bommel-Uhlmann ist in der Szene inzwischen bekannt. Sie bekommt diese Sachen gespendet. Dafür kommt sie mitunter auch in Sachsen herum. „In Pirna war ich schon, in Richtung Elbsandsteingebirge, kurz vor Bad Muskau“, sagt sie. Das gehört für sie dazu.

Was den Frauen - neben den vieren an diesem Tag im Haus der Parität sind da noch weitere Helferinnen – ein wenig fehlt: „Es wäre schön, wenn man mal ein Feedback bekommt“, sagt Petra Ryborsch. „Es muss ja auch nicht öffentlich gemacht werden.“ Ihr Wunsch: ein paar Fotos zu sehen, wie Babys ihre Sachen tragen.  „Wenn ich einkaufen gehe, schaue ich immer schon, ob ich mal eine unserer Mützen sehe“, sagt Petra Ryborsch.

Das Treffen hat eine Stunde gedauert. Jetzt wird wieder eingepackt. Also: Wolle aus den Tüten raus und schnell aufgeteilt. Die fertigen Schuhe, Mützen und Handschuhe wandern in die Beutel, die Iris Bommel-Uhlmann später ins Klinikum bringt. Und dort, wenn wieder ein Baby geboren wird, bekommen die frischgebackenen Eltern ein Paar dieser kleinen Wunderwerke für ihren Liebling. Vielen huscht dann ein Lächeln über die Lippen, ein zusätzlicher Moment des Glücks. Die vier Frauen können das nicht sehen – aber vielleicht manchmal kurz spüren.