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Die Familie ist sein Lebenselixier

Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Klaus Haupt hat in einem Fotoalbum seine Reisen aus seiner aktiven Zeit festgehalten.
Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Klaus Haupt hat in einem Fotoalbum seine Reisen aus seiner aktiven Zeit festgehalten. FOTO: sob
Hoyerswerda. In der bewegten Zeit nach der politischen Wende ab 1990 haben sie in Hoyerswerda als "Macher" auf wichtigen Posten in Wirtschaft, Politik und Kultur gewirkt. Wie verbringen die Charakterköpfe von einst heute ihren Ruhestand? Danach fragt eine Serie der LAUSITZER RUNDSCHAU. Heute: FDP-Bundestagsabgeordneter a.D. Klaus Haupt. Sophie Bartholome

Zahlreiche Stufen muss der 72-jährige Klaus Haupt zurücklegen, um in seine schicke Wohnung in der obersten Etage einem Hoyerswerdaer Wohnhaus zu gelangen. "Das hält mich fit", sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete und lächelt. Nach seiner Zeit als Mitglied des Deutschen Bundestages musste der Hoyerswerdaer FDP-Politiker gedanklich auch erst einmal den "Hebel im Kopf" umlegen, wie er sagt. Mehr als zehn Jahre ist das nun her. Schon damals in seiner aktiven Zeit habe er gedacht: "Dass du das selbst erlebst, ist verrückt." Es war eine Zeit, die der gebürtige Jenenser nicht missen möchte.

Auf die Frage, wie er sich den Sinn für das Leben außerhalb der Politik bewahrt, antwortete Klaus Haupt in einem früheren Interview: "Familie ist für mich alles: Schutz, Geborgenheit, Kraft, Motivation und vor allem Zuversicht. Freude in und mit meiner Familie ist mein Lebenselixier." Das hat sich bis heute für den 72-Jährigen nicht geändert. Nur jetzt im Ruhestand kann er sich bedeutend mehr Zeit dafür nehmen.

Der Naturfan ist oft mit seiner Frau an der frischen Luft mit dem Rad unterwegs. "Die Natur belauschen und beobachten, ist mein größtes Hobby", erzählt er, und ergänzt: "Mein Fitnesscenter habe ich im Grünen." Er genießt vor allem die kleinen Dinge des Lebens. Auch am Quitzdorfer Stausee bei Niesky ist er oft anzutreffen. Wer ihn dort im Privaten kennenlernt, würde nicht sofort vermuten, dass er einmal Bundestagsabgeordneter war.

Nach der Wende wurde Klaus Haupt 1990 zum Beigeordneten für Bildung, Kultur, Sport und Tourismus im Landratsamt Hoyerswerda gewählt. Dass man um einen Neubau einer Berufsschule nicht drum herum kommen würde, war ihm bereits früh klar. "Chancengleichheit für unsere Jugendlichen war mir stets wichtig", sagt er. Deshalb trieb er unter anderem den Bau des Beruflichen Schulzentrums "Konrad Zuse" in Hoyerswerda voran. Er war überzeugt, dass in der Zuse-Stadt ein Signal gesetzt werden musste. "Es war der erste große Schulneubau im Freistaat Sachsen", sagt Klaus Haupt rückblickend. Bis heute ist er Vorsitzender im Förderverein der Schule. "Aber auch das hat ein Ende", sagt Haupt weiter. Zum 20. Jahrestag müsse aus seiner Sicht nun ein Stabswechsel her.

Sieben Jahre war der Politiker Mitglied des Deutschen Bundestages. Als Abgeordneter hatte sich der ehemalige Lehrer vor allem um Themen wie Kinder, Senioren und Integration gekümmert. Mit dem Slogan "Neue Häupter braucht das Land" sei er damals in den Wahlkampf gestartet. Mit seiner ersten Frau ist er mit dem "Floh" - einem Ford-Ka - umhergefahren. "Meine Frau war die beste Wahlkämpferin. Wir sind meist singend losgefahren und haben in mühevoller Kleinstarbeit fast in jedem Dorf gehalten", erzählt der FDP-Politiker. Wenn er das erzählt, stehen ihm etwas die Tränen in den Augen. Denn auch tiefe Schicksalsschläge mussten der Hoyerswerdaer und seine beiden Söhne wegstecken. Denn seine erste Frau erkrankte schwer und verstarb vor einigen Jahren. In seiner politischen Zeit war sie ihm stets eine große Stütze gewesen.

In seine parlamentarische Arbeit habe Klaus Haupt vor allem seine Ostkompetenz eingebracht. "In Hoyerswerda waren wie unter einem Brennglas die Probleme der neuen Bundesländer zusammengefasst", so Haupt, der heute nur noch sporadisch Kontakt zu seinen früheren Kollegen hat.

Was heute weiterhin zu seinen Herzensangelegenheiten zählt und worin er viel Kraft steckt, ist das Projekt "Zur Zukunft gehört die Erinnerung". Im Rahmen der politisch-historischen Bildung tragen die RAA Hoyerswerda/Ostsachsen gemeinsam mit dem Bildungswerk für Kommunalpolitik Sachsen und Klaus Haupt die Verantwortung für die Organisation, die Vorbereitung, die Durchführung und die Dokumentation des Projektes. Ziel ist es, die Erscheinungsformen der Diktatur der SED in der DDR sowie der sowjetischen Besatzung in Erinnerung zu rufen, um so auf die zentrale Bedeutung demokratischer Werte gerade bei Schülern aufmerksam zu machen.