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| 10:57 Uhr

Lausitzer Seenland
Die „Erlebnismacher“ für das Seenland

Die Geschwister Anja und Andreas Ittmann krempeln für das Lausitzer Seenland die Ärmel hoch.
Die Geschwister Anja und Andreas Ittmann krempeln für das Lausitzer Seenland die Ärmel hoch. FOTO: Catrin Würz / LR
Klein Partwitz. Die Geschwister Anja und Andreas Ittmann krempeln im Lausitzer Seenland die Ärmel hoch. Sie investieren Mut und visionären Tatendrang und führen damit ihre beiden Tourismusfirmen auf die Erfolgsschiene. Von Catrin Würz

Die Saison kann starten. Geht es nach Anja und Andreas Ittmann, stehen für die Besucher im Lausitzer Seenland die touristischen Angebote längst wieder bereit: Touren mit dem Quad durch die sandige Bergbaufolgelandschaft, aber auch geführte Radtouren, Busrundfahrten und seit einiger Zeit sogar Rundflüge über der Lausitz sind das Geschäftsmodell der beiden Geschwister, die jeder eine eigene Firma führen. „Ostern beginnt traditionell die Nachfrage nach Erlebnissen und Ausflügen im Seenland. Wir sind bereit“, sagt Anja Ittmann.

Die 33-Jährige und ihr fünf Jahre älterer Bruder haben sich seit gut einem Jahrzehnt dem Tourismus in der entstehenden künstlichen Seenlandschaft verschrieben. „Was heute viele als ganz normal ansehen, wurde vor 13 Jahren, als ich begann, aber noch ziemlich belächelt“, erinnert sich Andreas Ittmann. Mit dem Tourismus seinen Lebensunterhalt verdienen zu können, schien noch in weiter Ferne. Auch Andreas Ittmann verdiente sich damals mit Mitte 20 im Westen seine Brötchen. Als er eines Tages dann ein paar Arbeitskollegen in seine Heimat am Partwitzer See einlud und mit ihnen so einiges unternahm, „da merkte ich, dass mir das Spaß macht, anderen Menschen meine Heimatregion zu zeigen“, erzählt er. Das war für ihn ein Fingerzeig.

Damals kamen gerade die Quads als geländegängige Offroad-Fahrzeuge auf den deutschen Markt. Andreas Ittmann erkannte das Potenzial und kombinierte den Fahrspaß auf vier Rädern mit der einmaligen Bergbaufolgelandschaft in der Lausitz. Erst bot er die Touren nebenberuflich und mit zunehmendem Erfolg später dann hauptberuflich an. Er entwickelte ein Tourenangebot, das sowohl für Fahranfänger und zum Ausprobieren als auch für leidenschaftliche Freunde von rasantem Gelände-Fahrspaß abseits der Straßen etwas zu bieten hat. Jedes Jahr müssen die nutzbaren Geländestrecken neu mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) abgestimmt werden. Von der einstündigen Schnuppertour bis zur Ganztagestour reicht heute das Programm im Quadcenter Klein Partwitz. In einem alten Bauernhof im Dorf hat der 38-Jährige den Tourismus-Stützpunkt für seine eigene und die Geschäftsidee seiner Schwester – die Lausitzer Seenland Touren – ausgebaut.

Auch Anja Ittmann ist davon überzeugt, genau wie ihr Bruder das Gästeführer-Gen in die Wiege gelegt bekommen zu haben. „Unser Opa war der letzte Bürgermeister von Groß Partwitz, bevor der Ort Anfang der 1970er-Jahre abgebaggert wurde. Als in den 1980er-Jahren das große Loch zurückblieb und als Seefläche geplant war, scherzte unser Opa damals schon, er wolle am Seeufer den ersten Strandkorbverleih eröffnen“, erinnert sich Anja Ittmann lächelnd. Etwas von dem visionären Tatendrang ihrer Familie haben sich die beiden Geschwister angeeignet und haben heute ihre eigenen Visionen im Seenland-Tourismusgeschäft wahr gemacht.

Anja Ittmann ist gelernte Hotelfachfrau und sammelte nach ihrer Ausbildung zunächst in Urlaubsgebieten in Österreich und in Thüringen Erfahrungen. Als sie 2005 zwischen zwei Jobs für ein paar Wochen im elterlichen Gastronomiebetrieb – dem Gasthof „Zum Anker“ in Klein Partwitz – aushalf, wurde auch sie vom Seenland-Virus gepackt.

Sie schrieb sich 2007 in den allerersten offiziellen Kurs zur Ausbildung als zertifizierter Natur- und Landschaftsführer für das Lausitzer Seenland ein – und hatte fortan ihre neue Berufung gefunden. Seit 2008 bietet die junge Frau geführte Wander- und Radwandertouren auf dem umfangreichen Wegesystem inmitten der größten, künstlich geschaffenen Wasserlandschaft Europas an. Sie organisiert individuelle Busrundfahrten für unterschiedlichste Gästegruppen. „Für Firmen-Events, aber auch für Familienjubiläen werden individuell zugeschnittene Erlebnistouren immer beliebter“, erzählt sie. Vom Findlingspark Nochten bis zur einstigen Förderbrücke F 60 erstreckt sich das Leistungsangebot der Lausitzer Seenland Touren. Schiffsfahrten und Schlossbesuche sind möglich. Für ihre Führung durch die Lausitzer Sagenwelt und das sorbische Brauchtum schlüpft Anja Ittmann in die sorbische Tracht.

Seit Kurzem gehören zudem Rundflüge in einer Cessna über der Seen-Landschaft sowie Tandem-Fallschirmsprünge zum touristischen Angebot. „Das alles ist möglich, weil sich viele Anbieter im Seenland vernetzen und gut zusammenarbeiten“, nennt die junge Gästeführerin das Erfolgsrezept. Die Rundflüge werden zum Beispiel vom Kamenzer Verkehrslandeplatz aus gestartet.

Auch ihr Bruder Andreas Ittmann ist überzeugt: „Das Lausitzer Seenland hat Einzigartiges zu bieten und braucht sich als Urlaubsregion überhaupt nicht zu verstecken.“

Dass freilich eine gute Idee, unternehmerischer Mut und auch ein gewisses Risiko nötig sind, um Erfolg in dieser Branche zu haben, wissen die Ittmanns selbst am besten. Ein bisschen mehr davon würden sie sich für das Seenland noch wünschen.