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| 21:11 Uhr

Lebensgeschichte(n) beim Kunstverein Hoyerswerda
Die erfolgreichen Lebenswege von Hoyerswerdaern

 Filmemacher Bernd Caesar Langnickel im Schloss Hoyerswerda.
Filmemacher Bernd Caesar Langnickel im Schloss Hoyerswerda. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Regisseur Bernd Caesar Langnickel ist beim Hoyerswerdaer Kunstverein zu Gast gewesen - und hatte Spannendes zu erzählen. Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda war bis 1989 die jüngste Stadt der DDR. Der Kunstverein spürt Menschen auf, die hier aufgewachsen sind und heute erfolgreich im Leben sind.

Nun ist Diplomjournalist und Regisseur Bernd Caesar Langnickel zu Gast gewesen. Er zeigte zwei seiner 30 Filme aus der Reihe „Lebensläufe“ für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Zum 200. Todestag von Giacomo Casanova hat er im Jahr 1998 über die Aufenthalte des Abenteurers und Autoren in Dresden und Leipzig berichtet.

Der andere Film stellt den Leipziger Maler Werner Tübke aus Anlass seines 70. Geburtstages im Jahr 1999 vor. In Italien wurde gedreht, weil der Künstler schon Anfang der 1970er-Jahre dorthin reisen durfte, sagte Bernd Caesar Langnickel. Tübke erzählte, wie er Gemälde der Renaissance im Original gesehen hat, die ihn künstlerisch zeitlebens beeinflusst haben. In Bad Frankenhausen stellte er sein Bauernkriegspanorama vor, in dem er die ganze Epoche des Umbruchs zwischen Mittelalter und Neuzeit zeigt. Der Künstler berichtete auch, wie ihn der russische Geheimdienst 1947 grundlos inhaftiert hat und von seinem künstlerischen Weg nach dem Abitur.

Helene Schmidt findet an dem Film gut, dass der Maler frei erzählen durfte und ein umfassendes Lebensbild entstanden ist. Karlheinz Hochstädt, ehemaliger Kunsterzieher am Lessinggymnasium, erzählte auf der Veranstaltung von 1991. Damals besuchte er Werner Tübke mit Schülern in seinem Atelier und sagt noch heute: „Das war ein tolles Erlebnis.“

Bernd Caesar Langnickel war bis 1970 Schüler dieser Schule und wollte unbedingt schreiben. Deshalb war er Schulwandzeitungsredakteur und überzeugte die Lehrer, neben politischen Themen auch Texte zum Tod von Walt Disney und über die Geschichte des Skatspiels anbringen zu dürfen. „So wurde die Wandzeitung wenigstens gelesen“, sagt der Rentner heute. Die Mitschüler nannten ihn damals wegen seiner Schreibleidenschaft Caesar,  nach dem bekannten Hamburger Zeitungsverleger Axel Cäsar Springer. Dass Bernd Caesar Langnickel im Schulsingeklub gewesen war, aus dem später die Brigade Feuerstein entstand, half ihm bei seiner Bewerbung um ein Volontariat beim DDR-Fernsehen. Als Arbeitsprobe musste er einen Text über ein sozialistisches Menschenkollektiv verfassen und schrieb über den Singeklub. „Von hundert Bewerbern wurden 20 genommen, und ich war dabei“, erzählte Bernd Caesar Langnickel. Nach dem Journalistikstudium war er Redaktionsleiter beim Kulturmagazin des DDR-Fernsehens und kommentierte 1989 im neuen Jugendfernsehen ELF 99 die politische Wende. 1995 wurde er Freiberufler und noch heute produziert er  die MDR-Sendung „tierisch, tierisch“ mit.