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| 14:43 Uhr

Neuwiese
Die Deko-Königin von Neuwiese

Christin Drengner (31) aus Neuwiese ist Modedesignerin, vermietet Feierdekoration und stattet Feierlichkeiten aus.
Christin Drengner (31) aus Neuwiese ist Modedesignerin, vermietet Feierdekoration und stattet Feierlichkeiten aus. FOTO: LR / Sascha Klein
Neuwiese. Sie ist 31, jung, flippig und hat ständig neue Ideen. Eigentlich wollte sie nur die Hochzeit ihrer Schwester ausstatten. Jetzt, zwei Jahre später, ist daraus ein Geschäft geworden. Von Sascha Klein

Hoftor auf und hinein in das Deko-Paradies von Christin Drengner. Auf den ersten Blick erinnert im Garten auch bei besonderrem Hinsehen noch nichts an ganz spezielle Deko. Oder doch? An der Hauswand ist ein Bild von Marilyn Monroe zu erkennen. Ist das ein erstes Zeichen? Nein, das gehört ihren Eltern. Die Suche geht weiter. Im Garten neben dem Wohnhaus steht ein kleines Nebengelass – auch typisch für ein Gehöft in Neuwiese.

Dieses Nebengelass ist aber ein ganz spezielles. Christin Drengner lacht und geht ein paar Schritte durch den Garten. Die ersten Zeichen werden sichtbar. Eine Tafel, um mit Kreide einen Gruß darauf zu schreiben: ein erster Deko-Artikel. Dann öffnet die 31-Jährige die Tür zu diesem Anbau. Es ist einerseits der Partyraum der Familie. Wer dort hineinkommt, den erwartet ein gedeckter Tisch – als ob die Feier gleich losgeht. Essen auf den Tisch, Getränke auf den Tisch – und schon kann gefeiert werden. Andererseits ist es aber auch eine Art Schauraum für die Frau aus dem kleinen Elsterheide-Ort. An der Stirnseite steht eine Naschbar – neudeutsch: Candy Bar. Sie ist nicht bestückt, zeigt aber ganz genau, was Christin Drengner gerne tut: dekorieren, vorbereiten, anderen ein perfektes Umfeld für ihre Feier bereiten.

„Die Idee, Deko zu vermieten und Feierlichkeiten auszustatten, ist mir zum ersten Mal bei der Hochzeit meiner Schwester vor zwei Jahren gekommen“, sagt sie. Damals hat sie viele Gefäße, Stuhlhussen und andere Dekoartikel angeschafft. Immerhin sollte das nicht weniger als der schönste Tag im Leben ihrer Schwester werden. In dieser Zeit hat Christin Drengner Blut geleckt – das Dekorieren geht ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf.

Dabei ist die 31-Jährige von Hause aus schon kreativ. Zunächst hat die Lausitzerin eine Ausbildung zur Grafikassistentin in Dresden gemacht und dann in Berlin Modedesign studiert. Nach einem Jahr in Australien ist die reiselustige Neuwieserin in die Heimat zurückgekehrt. Dorf, Freunde und Familie statt Jet-Set-Leben in der Großstadt. Sie wohnt mit ihren Eltern unter einem Dach. Ein Großteil der Familie lebt in der Nachbarschaft.  „Ich habe vor drei Jahren in Kamenz einen Job als Modedesignerin gefunden“, sagt sie. Das heißt: Sie entwirft für große Unternehmen Kleidungsstücke, die später meist in Katalogen angeboten werden. Für sie ist diese Arbeit zwar kreativ, aber auch ein 40-Stunden-Job am Computer.

Anschließend braucht Christin Drengner einen Ausgleich. Der besteht in der schmalen Freizeit auch viel aus Sport – Fitness-Studio, Skaten und was sich sonst noch im Lausitzer Seenland erleben lässt. Bis zum Jahresende ist sie auch noch für einen großen Getränkehersteller an Wochenenden auf Partys unterwegs, um Produkte zu bewerben. Sie selbst bezeichnet sich als „Antriebsmensch“.

Und trotz all dieser Aufgaben brennt Christin Drengner immer weiter für ihr Hobby, die Dekoration. Inzwischen ist das zum Nebenerwerb geworden. „Mein Tag könnte 28 Stunden haben, am besten 30. Ich mache das mit Leidenschaft und Liebe.“ Das sieht jeder, der es sehen will. Sie bietet ihre Deko und ihre Dienste in den sozialen Medien an: Bei Facebook, Instagram und eBay findet sie mit „Event Deko Drengner“ Interessierte und Kunden. „Meine erste große Hochzeit habe ich vergangenes Jahr in Allmosen ausgestattet. Das Thema war Wald und Kürbis. Das Ziel hieß einfach: aus einem Raum eine Partylocation machen, wo zuvor noch keine Hochzeit stattgefunden hatte“, erzählt sie.

Die 31-Jährige hat offensichtlich überzeugt. Trotzdem hat sie wenige Stunden vor dieser Hochzeit noch einmal jede Kleinigkeit überprüft. „Ich bin sehr selbstkritisch“, sagt Christin Drengner. Wenn sie einen Auftrag annimmt, dann muss auch alles stimmen. Was sie an den Aufgaben reizt: „Wenn die Leute zufrieden sind, bin ich selbst auch gerührt.“ Die Herausforderung ist: „Wir arbeiten bei der Vorbereitung für eine Feier nicht lange zusammen, dafür aber sehr intensiv.“ Ihr Ziel ist, ihre Kunden später gut gelaunt und gelöst bei der Feier zu erleben. Dann hat sie so ziemlich alles richtig gemacht.

Christin Drengner hat sich nicht auf Hochzeiten spezialisiert, sondern bietet von der Pullerparty über den Schulanfang bis zur Silberhochzeit Lösungen für jede Gelegenheit an. Oft grübelt sie noch tief in der Nacht über mögliche Deko-Ideen, surft im Internet und entwirft neue Ideen. „Das beste Weihnachtsgeschenk war für mich einmal ein Transporter voller Dekoartikel“, erzählt sie und lacht.

So langsam wird auf dem elterlichen Hof in Neuwiese der Platz knapp. Deshalb bekommt sie hinter dem Partyraum demnächst ein Lager. Dort ist alles zentimetergenau geplant. Es soll möglichst kein Platz verschwendet werden. Denn manche Anfragen für Deko kommen auch von weiter her: „Ich hatte schon einen Auftrag aus Bremen und eine Anfrage aus Hannover“, sagt sie. Wenn alles passt, packt sie die Dekoartikel ein, verleiht sie und bekommt sie nach der jeweiligen Feier wieder. Die meisten Anfragen kommen jedoch aus der Lausitz.

In ihrer Garage – auf der anderen Seite des Grundstücks – ist schon kein Platz mehr. Dort stehen allerdings keine Dekoartikel. Dort wächst Christin Drengners nächstes Projekt. Sie will eine fahrbare Naschbar bauen. Handwerklich ist die Frau also auch beschlagen, nicht nur kreativ. Allerdings braucht solch ein Projekt auch ein wenig Zeit. Und Zeit ist knapp.

Jetzt klingt die Feiersaison langsam aus, die Anfragen werden weniger. „Für 2019 habe ich allerdings schon etliche Hochzeiten, die ich komplett ausstatten kann“, sagt die 31-Jährige. „Das ist eine schöne Basis, mit Leuten zusammenzuarbeiten. Wir freuen uns quasi gemeinsam auf den einen Höhepunkt.“