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| 02:39 Uhr

Die Chefin, Angst vor Fremden und Gäste aus Holland

Frauke Petry will auch bürgerliche Schichten für die AfD gewinnen.
Frauke Petry will auch bürgerliche Schichten für die AfD gewinnen. FOTO: Klein
Hoyerswerda. Um 18.34 Uhr ist sie plötzlich da. Ganz unspektakulär durch einen Nebeneingang: Frauke Petry, der Star der Kundgebung der Alternative für Deutschland (AfD) am Mittwochabend im Hoyerswerdaer Bowling-Center. Handschlag hier, Handschlag da. Sascha Klein /

Doch irgendwas ist anders als gewöhnlich. Ein Kamerateam nimmt die AfD-Chefin sofort in Beschlag. Es ist Jeroen Wollaars vom Niederländischen Rundfunk (NOS) - dem Öffentlich-Rechtlichen im Nachbarland. "Wir sind sehr interessiert an der AfD und haben sie ziemlich genau verfolgt", sagt Wollaars auf RUNDSCHAU-Nachfrage. In Holland gibt es die Partei um den Populisten Geert Wilders, mit dem Petry früher auch schon einmal aufgetreten war.

Aber weshalb fahren die Niederländer zur Wahlkampfberichterstattung bis nach Hoyerswerda, um Frauke Petry zu interviewen? Sind sie auf der Suche nach rechten Parolen in Hoyerswerda? Wollaars verneint. "Dass es gerade Hoyerswerda ist, ist Zufall. Für uns hat sich dort eben die Möglichkeit ergeben, Frau Petry zu interviewen." Der Eindruck des niederländischen Korrespondenten von der Veranstaltung: "Es gab noch ziemlich viele freie Plätze. Vielleicht ist die Hoyerswerdaer AfD-Basis nicht so Pro-Petry", sagt er. Rund 400 Gäste sind zu der Veranstaltung gekommen.

Zunächst nimmt Frauke Petry jedoch in der ersten Reihe neben den Parteifreunden Platz. Am Rednerpult ist Direktkandidat Karsten Hilse. Der Polizist, 52 Jahre alt, geht sofort in den Angriffsmodus über. Er geißelt die vermeintlich "hörigen Staatsmedien" und wendet sich dann der Energiepolitik zu. Die Energiewende bezeichnet er als falsch, sie koste in der Lausitz 35 000 Arbeitsplätze, rechnet er vor. Die Energiewende sei aufgrund fehlender Speichermedien zudem zurzeit gar nicht umsetzbar. Anschließend geht es um Zuwanderung. Angriffspunkt Nummer eins: Asylbewerber. Hilse schürt Ängste vor Fremden, die in die Sozialsysteme strömen, vor Überfremdung, rechnet vor, dass Deutschland mit bis zu 7,5 Millionen Einwanderern rechnen müsse. "Islamisierung bedroht auch den Osten Deutschlands", behauptet er. Für viele Thesen erntet Hilse Beifall.

Frauke Petry tritt ruhiger auf, analytischer. Sie vertritt den gemäßigten Flügel der Partei. Sie liefert einen Abriss über alle Politikfelder. Sie will die klassische Familie mit Mutter, Vater, Kind. Sie will gesicherte Grenzen. Ihr Ziel ist es, dass die AfD eine praktische und konstruktive Politik anbietet. Und dann kommt noch ein Frontalangriff auf die Regierung. Die CDU sei keine konservative Partei mehr, sondern unter Kanzlerin Merkel zu einer Gefahr fürs Land geworden.

Zum Schluss umreißt Petry, wohin sie die AfD führen will: "Die AfD muss regierungsfähig werden", sagt sie. Das gelinge aber nicht mit neun oder 15 Prozent der Stimmen, sondern erst mit 25 oder 30. "Wir können das erst erreichen, wenn wir bestimmte Schichten erreichen", ruft sie ihren Anhängern zu. "Wir wollen von Vereinen und Verbänden ernst genommen werden."

Zum Schluss wird es dann noch einmal ungemütlich für die Parteichefin. Ein AfD-Mitglied kritisiert Petry offen wegen ihres Zukunftsantrags und fordert in der Führungsriege Einigkeit.