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| 17:51 Uhr

Unabhängig reisen
Die Lausitz als Sehnsuchts-Region: Die Camper kommen

 Klein, privat, gemütlich – das schätzen Heidi und Roland Schneider aus Donauwörth am Caravanparadies Dreiweiberner See. Hund Max ist auch dabei.
Klein, privat, gemütlich – das schätzen Heidi und Roland Schneider aus Donauwörth am Caravanparadies Dreiweiberner See. Hund Max ist auch dabei. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Camping boomt. Noch nie gab es in Sachsen und Brandenburg so viele Campingurlauber. 2018 erlebte die Branche einen neuen Rekord – auch im Lausitzer Seenland. Von Rita Seyfert

Spontan, unabhängig und gemütlich auf den eigenen vier Rädern unterwegs sein. Die Kofferschlepperei entfällt, gekocht wird am eigenen Herd, und gespeist am Puls der Natur. Jeder Tag ist ein kleines Abenteuer, nur der Weg ist das Ziel. Die Gründe, warum immer mehr Menschen im Camper Urlaub machen, sind unschlagbar.

Die Zahlen sprechen für sich. Allein in Sachsen wurden 2018 insgesamt 769 553 Übernachtungen auf Campingplätzen gezählt. Gegenüber 2017 entspricht das einer Steigerung von über 13 Prozent. Im Vergleich zu 2010 nahmen die Nächtigungen damit sogar um knapp 68 Prozent zu. Diesen Aufwärtstrend kann der Tourismusverband Lausitzer Seenland bestätigen. Geschäftsführerin Kathrin Winkler: „2018 war ein Traumjahr, und die Campingplätze waren die ganz großen Gewinner“, sagt sie. Eins ist sicher, der Campingtourismus boomt auch im Seenland. Immer mehr Wohnmobilisten entdecken die Lausitz für sich. „Das Thema wird in den nächsten Jahren interessant bleiben“, sagt Kathrin Winkler.

Doch auch die Anforderungen der Camper wachsen. „Die Kunden sind sensibler geworden.“ Viele Gäste seien bereit, das Geld auszugeben, wenn alles stimmt. Den meisten Campern gehe es weniger ums Sparen. Sprit, Miete oder Anschaffungskosten für ein Wohnmobil und Campingplatz-Gebühren sind meistens so teuer wie ein vernünftiges Hotel.

 Jörg Berndt (50), Chef vom Caravanparadies Dreiweiberner See.
Jörg Berndt (50), Chef vom Caravanparadies Dreiweiberner See. FOTO: LR / Rita Seyfert

Gäste aus ganz Europa

„Klein, privat, gemütlich und ohne Schickimicki“, das ist es, was Heidi (55) und Roland Schneider (60) aus Donauwörth bei Augsburg am Caravanparadies Dreiweiberner See reizt. „Wenn es noch eine Dusche gäbe, wäre der Traum perfekt“, sagen sie. Ansonsten sind sie voll des Lobes. Der See liegt wenige Schritte entfernt. Die Einkäufe lassen sich mit dem Fahrrad erledigen. Ihr Essen bereiten sie auf dem Gasgrill zu. Denn Grillen sei hier erlaubt. Und auch Hund Max durfte mit, freuen sich die Tierliebhaber.

 Auf dem Komfortcampingplatz Niemtsch verbringen Volkmar und Annett Krille aus Falkenberg mit Enkelsohn Lores und Hund Lacki ihren Urlaub.
Auf dem Komfortcampingplatz Niemtsch verbringen Volkmar und Annett Krille aus Falkenberg mit Enkelsohn Lores und Hund Lacki ihren Urlaub. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE

Auf ihrer einwöchigen Tour stoppten sie nach dem Besuch von Freunden in Dresden zwei Tage am Dreiweiberner See, bevor es weiter ins Vogtland geht. Stellplatz-Chef Jörg Berndt  (50) betreibt das Caravanparadies in der Gemeinde Lohsa inzwischen seit 2009. Während er anfangs noch die Werbetrommel rühren musste, begrüßt er inzwischen Gäste aus Deutschland und ganz Europa.

„Die meisten Gäste kommen aus Dresden, Meißen, Cottbus, Berlin“, sagt er. Doch auch aus Schweden, Belgien, Norwegen, Frankreich und Italien begrüßt er hin und wieder Camper. Vor allem Tschechen sind immer viele da. „Die reisen meistens in größeren Gruppen an und frönen dem Breitensport“, erzählt er.

 Roland und Angelika Schmitt aus Franken und Karin und Rainer Hüsken aus Mühlheim/Ruhr (v.l.) fühlen sich als Camper sehr wohl am Bärwalder See. Sie genießen die idyllische Nähe zum Wasser.
Roland und Angelika Schmitt aus Franken und Karin und Rainer Hüsken aus Mühlheim/Ruhr (v.l.) fühlen sich als Camper sehr wohl am Bärwalder See. Sie genießen die idyllische Nähe zum Wasser. FOTO: LR / Joachim Rehle

Ob Wochenende oder Ferienzeit, meist sei der kleine Platz gut gefüllt. Gelobt werden die Radwege, das Wasser, der Strand. Nur 13 Stellplätze sind vorhanden. „Wir machen keine Massenabfertigung.“ Weggeschickt werden musste aber noch niemand. „Wenn hier voll ist, dann ist woanders auch voll“, so Caravanparadies-Chef Berndt. Bis jetzt wurde immer eine Lösung gefunden. „Notfalls wird gestapelt.“ Nur bei der Platzauswahl müsse man eben nehmen, was übrig bleibt.

Campingplatz mit Sauna

Etwa zehnmal größer ist das Komfortcamping Senftenberger See in Niemtsch. Ausgestattet mit allen Schikanen, verfügt der einzige Fünf-Sterne-Campingplatz in Brandenburg sogar über eine Sauna. Service wird hier groß geschrieben. So kann sich die Zielgruppe der 50plus beispielsweise auch massieren lassen. Den Gästen scheint das Angebot zu gefallen. Wie Marketing-Mitarbeiterin Dana Hüttner bestätigt, stellen hier 9000 Besucher jährlich ihren Camper ab. Damit stieg die Auslastung auf dem Komfortcampingplatz in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent.

Die fünf Sterne fielen bei der Auswahl ihres Reiseziels durchaus ins Gewicht, versichern Volkmar und Anett Krille (57). Doch auch die kurze Anreise aus Falkenberg (Elster) sei ein wichtiges Kriterium. Vor allem schätzen Krilles die modernen und sauberen Sanitäranlagen, die Gaststätte auf dem Platz, den Kiosk für Eis und natürlich die Nähe zum See. Nur der Spielplatz für Enkelsohn Lores (8) könnte etwas größer sein.

Gemeinschaft und Freiheit

Mit einer Fläche von vier Hektar nur halb so groß, mit seinen feinsandigen Stränden und dem kristallklaren Wasser aber nicht minder schön, ist auch der neue Campingplatz Sternencamp am Bärwalder See gut besucht Reiner und Karin Hüsken aus Mühlheim an der Ruhr parkten ihren Wohnwagen hier zwischen den Schmitts und den tschechischen Touristen aus Liberec. „Mit zauberhaftem Blick vom Frühstückstisch auf den Bärwalder See“, schwärmen sie. Den Osten Deutschlands haben sie schon öfter besucht. Ihre jetzige Tour führt sie von Leipzig an den Bärwalder See. Ein Abstecher nach Bautzen und ins sorbische Besiedlungsgebiet um Wittichenau ist noch geplant. Auch die traditionelle Küche wollen sie unbedingt noch probieren, bevor es weiter geht.

So viel steht fest, der Reiz eines Camper-Urlaubs ist für seine Fans die Freiheit zu entscheiden, wann man wo wie lange ist. Ist es schön, bleibt man, ist es blöd, fährt man eben weiter. Dazu kommt die Gemeinschaft. Nach zwei Tagen kennt man alle. Mit den einen wird Bier getrunken, mit den anderen gefrühstückt, vom dritten kennt man die Lebensgeschichte, und von den vierten wird man in Ruhe gelassen.