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Die bewussten Schmerzen der Toleranz erdulden

Die Herkunft der Vornamen erklärt Pfarrer Peter Paul Gregor den Schülern. "Odin" sei ein alter nordischer Göttername.
Die Herkunft der Vornamen erklärt Pfarrer Peter Paul Gregor den Schülern. "Odin" sei ein alter nordischer Göttername. FOTO: Mandy Decker/mdr1
Hoyerswerda. Bei schönstem Sonnenschein haben die Achtklässler des Christlichen Gymnasiums Johanneum im Begegnungsraum der Kinder- und Jugendfarm gesessen. "Was ist eigentlich Toleranz?" fragt sie Pfarrer Peter Paul Gregor bei der Veranstaltung zum Aktionstages "Tag und Nacht für Toleranz". mdr1

Der Begriff bedeute, Schmerz bewusst zu erdulden. Eine fremde Kultur aber täte keinem wirklich weh, erklärt der Katholik. Und so müsse man sie nicht "tolerieren". Man sollte sie "akzeptieren" und würde dies auch unbewusst tun, sagt Gregor, öffnet ein Büchlein und fragt die Jugendlichen nach ihren Namen. "Emmelie." Das kommt aus dem Hebräischen, vermutlich seien 18 der 20 Schüler-Vornamen keine deutschen, sagt der Pfarrer. Denn längst hätten sich die Kulturen gemischt. Sie wären überrascht, wenn sie im Iran wären, verspricht er den Schülern. Der Alltag sei ähnlich technisiert, die Architektur vergleichbar und die Menschen von höchster Kunst umgeben.

"Das ist der Bildungsnotstand des Deutschen. Er weiß gar nicht, was er tolerieren oder akzeptieren soll", mahnt Gregor. Unwissenheit sei Nährboden für Radikalität. Vielen sei nie die wirkliche Armut der Welt begegnet. "Interessieren Euch fremde Kulturen überhaupt?", fragt Gregor seine Zuhörer provokativ, die einräumen, dass sie schon gern draußen in der Sonne wären. Doch dann sprechen sie von der Gefahr des "Abrutschens", dass einige aus ihrer Klasse in Spremberg wohnen, wo es viele "Nazis" gebe, und dass sie gern andere Länder bereisen. "Ihr habt mir heute zugehört, obwohl ihr lieber in der Sonne gesessen hättet. Ihr habt gelitten und seid dennoch hier geblieben. Das ist Toleranz", sagt der Pfarrer.