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| 02:51 Uhr

Die B 156 passt in kein Schema

Die B 156 teilt Bluno in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Viele Anwohner leiden unter der enormen Verkehrsbelastung.
Die B 156 teilt Bluno in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Viele Anwohner leiden unter der enormen Verkehrsbelastung. FOTO: amz1
Bluno/Sabrodt. Wer mit dem Auto von Sabrodt nach Bautzen fahren will, braucht etwa eine gute Stunde. Vorausgesetzt, er nimmt die rund 55 Kilometer lange Strecke über die B 97 nach Hoyerswerda und anschließend die B 96 gen Oberlausitzer Hauptstadt. Es geht aber auch anders. Nämlich alternativ über die B 156, die man dann nicht einmal verlassen müsste. amz1

Denn die Fernstraße führt von Sabrodt nach Bautzen. Allerdings, und das ist der große Nachteil, eben nicht auf direktem Weg. Da werden aus den 55 mal locker 95 Kilometer.

Wie das zustande kommt? Nun, die Ursache für dieses Phänomen erschließt sich beim Blick auf die Landkarte. Normalerweise führen die Bundesstraßen mit ungeraden Nummerierungen, beispielsweise die B 97, von Nord nach Süd, hier von Cottbus über Hoyerswerda nach Dresden. Die Geraden dagegen in West-Ost-Richtung, etwa die B 6 von Görlitz über Bautzen nach "Elbflorenz". Anders dagegen die B 156: Während die Trasse zumindest zwischen Großräschen und Bad Muskau "ordnungsgemäß" von West nach Ost führt, schwenkt sie in der Parkstadt plötzlich scharf nach Süden ein.

Ursprünglich hatte auch die B 156 ihre "deutsche Ordnung". Denn laut älteren Karten führte die Verbindung, damals als Reichsstraße (R) 156, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Bad Muskau ins Ackerbürgerstädtchen Triebel (heute Trzebiel). Im Zuge des Ausgangs des Zweiten Weltkrieges verlief die R 156 plötzlich fast in Gänze über polnisches Gebiet. Das hat sich bis heute nicht geändert. Nur trägt die Straße die Bezeichnung "Droga krajowa12", die von der Bad Muskauer Neißebrücke über gut 700 Kilometer an die ukrainische Grenze führt.

Zu DDR-Zeiten schlängelte sich die Fernverkehrsstraße (F) 156 von Bautzen über Weißwasser nach Bad Muskau, um anschließend westwärts über Spremberg und in die F 169 Senftenberg - Cottbus einzumünden.

Zunächst wurden weder Sabrodt noch Bluno von der Fernstraße tangiert. Denn ab Spremberg führte diese über Jessen, Gosda, Proschim und Lieske nach Sedlitz kurz vor Senftenberg. Durch die Aufschlüsse mehrerer Tagebaue musste die Trassenführung entsprechend verändert werden.

Es erfolgte eine Verschwenkung gen Süden. Nunmehr berührte die F 156 Sabrodt und Bluno. Im benachbarten Lieske führte die Trasse nicht mehr direkt nach Sedlitz, da dort der Tagebau Sedlitz seinen Tribut forderte. Stattdessen entstand das berühmt-berüchtigte "Bermuda-Dreieck, dessen volkstümliche Bezeichnung von den vielen Unfällen in den dortigen beiden Kreuzungen stammt.

In den letzten Jahren der DDR änderte sich der Streckenverlauf zwischen Weißwasser und Bautzen maßgeblich. Grund bildeten auch in diesem Gebiet die Tagebaue. Im Jahr 1992 wurde die neue Trasse zwischen Weißwasser und Boxberg freigegeben, da der alte Abschnitt durch die Nochtener Grube unterbrochen wurde. Schon Jahre vorher war auch die Straße südlich von Boxberg gekappt worden. Dort erstreckte sich nunmehr der Tagebau Bärwalde. Die F 156 erhielt westlich der Grube eine neue Piste, auf der die Autos bis heute unterwegs sind, wenn auch nicht mehr auf den ursprünglichen Betonplatten.

Insgesamt misst die jetzige Bundesstraße 156 eine Länge von gut 110 Kilometern. Sie bildet eine unverzichtbare Verbindung zwischen der Autobahn 4 und dem Kraftwerk Boxberg sowie den Städten Weißwasser und Bad Muskau.

Über den Westabschnitt zwischen Spremberg und Großräschen rollt vor allem der Schwerverkehr vom Industriepark Schwarze Pumpe in Richtung der Autobahn 13, die Berlin und Dresden verbindet.

Der geschätzt relativ verkehrsärmste Abschnitt ist das Teilstück zwischen Tschernitz und Graustein.

Für die Sabrodter und Blunoer bildet die B 156 die Lebensader der Region schlechthin, auch wenn sie nicht selten wegen der hohen Verkehrsdichte verflucht wird.

Kein Wunder, dass die Blunschen, deren Dorf im Gegensatz zu Sabrodt direkt von der Trasse durchschnitten wird, seit Jahren um ihre Ortsumfahrung kämpfen. Mal sehen, ob diese jemals tatsächlich gebaut wird.