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Die Ausstellung "Was bleibt" kehrt heim nach Knappenrode

Robert Lorenz ist mit seiner Ausstellung "Was bleibt?" vorerst in die Energiefabrik Knappenrode zurückgekehrt.
Robert Lorenz ist mit seiner Ausstellung "Was bleibt?" vorerst in die Energiefabrik Knappenrode zurückgekehrt. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Knappenrode. Nach mehreren Monaten auf Wanderschaft ist die Ausstellung "Was bleibt" wieder in der Energiefabrik Knappenrode zu sehen. Ab kommendem Jahr soll die Schau über die Ortsumsiedlungen im Lausitzer Revier fester Bestandteil des Museums werden. Torsten Richter-Zippack/trt1

Der Lausitzer Ethnologe Robert Lorenz hat die Besucherreaktionen beobachtet: "Wenn sich die Leute an ihre Kindheit auf dem Dorf erinnern, an ihre Eltern, an den heimischen Bauernhof, dann wird es meist sehr schnell emotional. Natürlich besonders dann, wenn es diesen Ort definitiv nicht mehr gibt. Etwa, wenn er abgebaggert wurde", erklärt er. Je weiter man sich von der Lausitz entferne, desto mehr stoße man bei den Gästen auf Unglauben. Beispielsweise in Berlin. "Dort können die Leute gar nicht glauben, dass in Zeiten der Energiewende noch immer Dörfer der Kohle geopfert werden", verweist Lorenz auf viele Gespräche. Vielfach herrsche die Überzeugung vor, dies sei ein längst abgeschlossenes Kapitel. "Es ist natürlich einfach, den Bergleuten fernab des Geschehens zu sagen, sucht euch doch mal eine andere Arbeit", fasst der Wissenschaftler seine Eindrücke zusammen.

Nach den fünf Stationen im Landratsamt Bautzen, im Haus der Tausend Teiche des Biosphärenreservates Oberlausitz, im Sächsischen Oberbergamt, in der Slawenburg Raddusch sowie im Institut für europäische Ethnologie in Berlin kehrt die Ausstellung wieder an ihren "Geburtsort" zurück. In der Energiefabrik Knappenrode, wo Robert Lorenz die Schau konzipierte, war sie im Sommer 2013 eröffnet worden. Buchwalde, Tzschelln und Hinterberg dienen als Beispiele für die Umsiedlungsproblematik im Lausitzer Revier.

Buchwalde war um die Jahre 1929/1930 einer der ersten Orte, der der Kohle weichen musste. Heute läge es im Knappensee. Tzschelln steht dagegen für den Kohle-Raubbau zu DDR-Zeiten. Das Dorf an der Spree bei Boxberg verschwand Ende der 1970er-Jahre. Und im Trebendorfer Ortsteil Hinterberg westlich von Weißwasser geht es aktuell um die Umsiedlung. Lorenz hatte für die Ausstellung zahlreiche Zeitzeugen befragt sowie symbolische Utensilien aus den betroffenen Orten zusammengetragen. Dazu zählen eine alte Kaffeemühle aus Tzschelln, der Grenzstein der Gemeinde Buchwalde sowie ein hölzerner Wegweiser nach Hinterberg.

"Was bleibt" sei als Teil einer Langzeitstudie zu den Ortsumsiedlungen in der Lausitz konzipiert, sagt Robert Lorenz. Er habe das Projekt, das sich über den Zeitraum von 2008 bis 2018 erstrecke, im Jahr 2012 übernommen. Ziel sei es, den Prozess der Umsiedlungen im sorbischen Kirchspiel Schleife zu begleiten und zu dokumentieren. Daher will Lorenz die Ausstellung auch in dieser Gemeinde präsentieren. Im kommenden Herbst könnte es soweit sein. Anschließend kehren die Vitrinen dauerhaft in die Waschkaue der Knappenroder Energiefabrik zurück.

Für Robert Lorenz ist es eine Herzensangelegenheit, dass vor der Umsiedlung stehende Orte wie Mühlrose, Mulkwitz, Rohne und Teile von Schleife auf Dauer ihr dörfliches Erbe bewahren, wenn auch an einer anderen Stelle. "Der Verlust der Heimat durch den Kohlebagger ist so ziemlich das Krasseste, was einem Menschen widerfahren kann", glaubt Robert Lorenz. Heimatvertriebene, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Orte verlassen mussten, hätten heute zumindest die Möglichkeit, diese immer wieder zu besuchen. "Das Schlimmste, was dabei passieren könnte, ist, dass die Erinnerung verloren geht. Dann sind die verschwundenen Orte wirklich tot. Anliegen meiner künftigen Dauerausstellung ist es auch, dies unbedingt zu verhindern", bringt Robert Lorenz seine Ansicht auf den Punkt.