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Deutsche Geschichte als Zugpferd

Torsten Mrose, Frau Birgit und Tochter Amira mit Gast Alejandra (2.v.l.).
Torsten Mrose, Frau Birgit und Tochter Amira mit Gast Alejandra (2.v.l.). FOTO: dcz1
Hoyerswerda. Rund 600 Schüler zwischen 15 und 18 Jahren aus Süd-, Mittel- und Nordamerika, Australien, europäischen, asiatischen und afrikanischen Ländern haben dieser Tage ihr Austauschjahr 2017/18 mit Youth For Understanding (YFU) in Deutschland begonnen. Zehn Jugendliche aus Argentinien, Mexico und Ecuador besuchen jetzt in der Volkshochschule Hoyerswerda ihr Orientierungsseminar mit Deutschunterricht, sagt Ina Züchner. Katrin Demczenko / dcz1

Sie ist als ehrenamtliche YFU-Ansprechpartnerin in der mittleren Lausitz für die Organisation dieses dreiwöchigen Kurses und den Aufenthalt der Südamerikaner verantwortlich. Die Jugendlichen wohnen bei Gastfamilien in Hoyerswerda, in seinen Ortsteilen und in Lauta. Kennengelernt haben sich jetzt alle bei einer Kaffeetafel in der Kulturfabrik. Auch der Brasilianer Thiago Balduino Teles, Student der Translations-, Kultur- und Sprachwissenschaften an der Gutenberg-Universität Mainz, und die Leipziger Amerikanistik-Studentin Theresia Lakomy waren dabei, denn sie werden den Orientierungskurs durchführen.

Einmal um die halbe Welt gereist sind Macarena, Sarah und die anderen Schüler, um in Deutschland für ein Schuljahr intensiv in eine andere Sprache und Kultur einzutauchen. Die meisten sind zum ersten Mal so weit weg von zu Hause. Vorerst nehmen sie mit ihrem Schulenglisch Kontakt zu Gasteltern und -geschwistern auf. Dementsprechend wurden am Kaffeetisch der Kulturfabrik fröhliche, für alle Beteiligten lehrreiche Gespräche auf Englisch, Spanisch und Deutsch geführt.

Die Ecuadorianerin Alejandra Jara aus der Stadt Cuenca erzählte, dass sie 17 Jahre alt ist und ihre Schulausbildung dieses Jahr beendet hat. Ehe sie im nächsten Jahr in ihrem Heimatland ein Architekturstudium beginnt, will sie längere Zeit in einem anderen Land leben und dessen Sprache erlernen. Diese Möglichkeit eröffnete ihr YFU. Für Deutschland habe sie sich wegen seiner interessanten Geschichte entschieden, sagte Alejandra Jara. Jetzt wohnt das Mädchen, das aus der 2500 Meter hoch gelegenen, drittgrößten Stadt Ecuadors kommt, im beschaulichen Schwarzkollm. Dass sie schon an ihrem allerersten Tag einen Reiterhof in Wittichenau besuchen konnte, hat ihre Gastfamilie organisiert. Das Ehepaar Mrose und dessen Tochter Amira besuchten mit der jungen Ecuadorianerin das Pferd, auf dem Amira voltigieren lernt. Alejandra Jara, deren Hobby Reiten ist, fühlte sich gleich etwas heimisch. Amira freut sich auf ihren Geburtstag am 4. September, weil der weit gereiste Gast dann noch da ist. "Da werde ich acht und ausländische Gäste hatte ich noch nie", sagte die kesse Grundschülerin.

Sabine Schill aus Hoyerswerda, in deren Familie jetzt der 18-jährige Mateo Toro aus der ecuadorianischen Hauptstadt Quito wohnt, verkündete begeistert, dass ihr das Gastmuttersein viel Freude macht. Sie ist mit ihrer Familie gern in Europa unterwegs und möchte nun die dort erlebte Gastfreundschaft weitergeben.